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Rheinische Post
Seit 70 Jahren Abbild der Zeit

Rheinische Post: Seit 70 Jahren Abbild der Zeit
Die erste Ausgabe widmete sich der Not im zerstörten, hungernden Land. FOTO: RP
Düsseldorf. Am 2. März 1946 erschien die erste Ausgabe der Rheinischen Post. Ihre Gründung markiert den demokratischen Neubeginn. Von Horst Thoren

Die Gründer der Rheinischen Post hatten einen Traum. Den Traum von einem neuen, friedvollen Deutschland, von einem Land in Freiheit, von einer Presse, die Demokratie sichert und den Menschen Orientierung gibt. Diesem Traum wollten sie Gestalt geben -mit ihrer Zeitung, mit der Rheinischen Post, die heute vor 70 Jahren, am 2. März 1946, zum ersten Mal erschien. Es waren karge Zeiten, und die Zeitung spiegelte sie.

Die erste Rheinische Post hatte nur vier Seiten und machte in Umfang und Inhalt deutlich, wie es um die Menschen stand im zerstörten Deutschland. Die Not prägte die Berichterstattung, aber auch Hoffnung war deutlich spürbar. Die Zeiten des Neubeginns nach den Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft wurden beschrieben aus politischer, gesellschaftlicher und kultureller Sicht, von einem Blatt mit einem hohen Anspruch - Zeitung für Politik und christliche Kultur. Das war die Geburtsstunde der Rheinischen Post.

Der Titel ist bis heute geblieben und steht für eine klare, an christlichen Werten orientierte Zeitung, für eine Zeitung im rheinischen Format, für ein Bewusstsein, für das Bekenntnis: Wir sind hier zu Hause, wir schreiben für die Menschen, wir begleiten sie in ihrem Leben, und wir begleiten Politik und Gesellschaft. Was vor 70 Jahren auf spärlichem Papier begann, ist heute ein umfängliches Druckwerk, das digital seine Fortsetzung findet. Eine Konstante blieb: Die Rheinische Post, getragen von den Gründerfamilien, ist ein Garant für gute, qualitativ hochwertige Berichterstattung, ein Nachrichtengeber und Wissensvermittler.

Verleger der Rheinischen Post – damals und heute FOTO: Krebs

Neuanfang mit drei Namen verknüpft

Die Entwicklung der Zeitung und ihre nachhaltige publizistische Ausrichtung in den Jahren des Neuanfangs sind eng verknüpft mit drei Namen. Anton Betz, der erfahrene Verleger, von den Nazis verfolgt, eingesperrt und mit Berufsverbot belegt, brachte sein Wissen um Zeitung und Nachricht ein und gab der Rheinischen Post Gesicht und Charakter. Karl Arnold, auch er ein Opfer des nationalsozialistischen Terrors, war der politische Vordenker, derjenige, der als christlicher Gewerkschafter und Politiker für Demokratie und Wiederaufbau eintrat. Erich Wenderoth schließlich, der engagierte evangelische Christ und hochkarätige Jurist, war der strukturierte, konstitutive Kopf, der mit seiner Art des wirtschaftlichen Denkens half, dem neuen Verlag ein Fundament zu schaffen und Unabhängigkeit zu sichern.

Vom kleinen Verlag zur Mediengruppe

Was diese drei und ihr erster Chefredakteur Friedrich Vogel in der Nacht zum 2. März 1946 auf den Weg brachten, ist Geschichte, ist Zeitungsgeschichte, ist die Erfolgsgeschichte der Rheinischen Post. Aus dem kleinen Verlag entstand eine bedeutende Mediengruppe, die dem Ziel treu blieb: einer nach Wissen hungernden Gesellschaft Antworten zu geben auf die Fragen der Zeit.

Dabei ist das Vermächtnis der Gründer Verpflichtung. Anton Betz, der in Karl Arnold und Erich Wenderoth die gesuchten Mitstreiter gefunden hatte, konnte die britische Militärregierung nur deshalb überzeugen und sie zur Lizenzvergabe bewegen, weil er glaubhaft machte, dass er mit der Rheinischen Post nicht nur den materiellen Wiederaufbau fördern wollte, sondern vor allem auch den geistigen Neubeginn. "Die Zeitung kann weder Brot noch Wohnungen schaffen, aber sie kann helfen, die Bereitschaft herbeizuführen, die für jede aufbauende Arbeit unerlässlich ist", schrieb Betz.

Schuld und Schrecken der Nazi-Diktatur waren auch für Erich Wenderoth und Karl Arnold bestimmende Fragen ihres politischen wie publizistischen Handelns. Karl Arnold, später erster frei gewählter Ministerpräsident des neuen Landes Nordrhein-Westfalen, sah die Zeitung als "Abbild der Zeit" und ihre Aufgabe darin, "wachsame Hüterin der Menschenwürde, ein Forum der Brüderlichkeit" zu sein. Diese Überzeugungen teilten Hunderttausende an Rhein und Ruhr, so dass die neue Zeitung gleich zu Beginn über eine Million Bestellungen vorliegen hatte, aber nur 235.000 Exemplare ausliefern konnte. Und das auch nur an zwei Tagen in der Woche - mittwochs und samstags.

Es mangelte an allem - vor allem am Papier, das sich die Rheinische Post mit zwei weiteren, ebenfalls von den Briten zugelassenen Zeitungen teilen musste. Und auch gute Journalisten waren schwer zu bekommen. Wer wollte schon in die Trümmerlandschaft am Rhein, in der es kaum etwas zu kaufen gab? Wohl deshalb wünschte sich ein Redakteur aus Bayern statt des angebotenen Gehalts von 2500 Reichsmark lieber einen Garten mit Wiese und Ziege.

An verlässlichen Werten orientiert

Alles wurde besser - mit der Währungsreform. Endlich war die ärgste Not überwunden, konnte die Rheinische Post an sechs Tagen in der Woche erscheinen, bestimmte allein der Wettbewerb über den Erfolg. Die Rheinische Post war zur profilierten Zeitung geworden, die in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland politisches Gewicht besaß und in ihrem weiten Verbreitungsgebiet in Düsseldorf, am Niederrhein und im Bergischen Land stetig wuchs. Vorbei die Zeiten, da Anzeigen abgelehnt werden mussten, weil es an Papier mangelte. Die Rheinische Post wurde zum Marktplatz, auf dem Nachrichten verbreitet und Waren feilgeboten werden. Die Grundidee der wirtschaftlich und parteipolitisch unabhängigen, an verlässlichen Werten orientierten Zeitung setzte sich durch. Was heute als Regionalzeitung mit bundespolitischem Anspruch geschätzt wird, hat seinen Ursprung in diesen Jahren.

Die Ideen der Gründerväter wurden weiterentwickelt, fanden Unterstützer und neue, wesentliche Mitstreiter. Die Familie Droste, auf deren Rotationsmaschinen bereits die erste Ausgabe der Zeitung gedruckt wurde, kam als Gesellschafter hinzu und gab der Zeitung ein eigenes Druckhaus. Die wirtschaftlichen Aktivitäten weiteten sich aus. Über die Jahrzehnte wandelte sich die Rheinische Post vom Regionalverlag zur erfolgreichen, international agierenden Mediengruppe - mit heute 5000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 600 Millionen Euro.

 "Weil wir mit der Zeit gehen, bleiben wir beständig"

Die Gesellschafter, in Verantwortung steht inzwischen die dritte Generation, positionieren die Rheinische Post als Mutterschiff einer crossmedialen Medienflotte. Kerngedanke dabei: Inhalt und guter Journalismus sind unsere Kernkompetenz, die wir nutzen, nicht zuletzt für Innovationen im digitalen Markt der Wissensvermittlung. Gottfried Arnold, der kürzlich verstorbene langjährige Herausgeber und Verleger, hat es einmal so formuliert: "Weil wir mit der Zeit gehen, bleiben wir beständig. Wandel verstehen wir als Chance, Zukunft zu gestalten."

In Redaktion und Verlag wird die Zukunftsträchtigkeit des Hauses festgemacht an der Bereitschaft, mit unternehmerischem Mut die Veränderungen im Markt anzugehen. Die Ausweitung der Geschäftsfelder weit über Print und das Rheinland hinaus verschafft der Mediengruppe die notwendige wirtschaftliche Stärke. Augenmaß und Weitblick, mit denen die Herausgeber ihre inhaltliche Rolle fördernd wahrnehmen, geben der Redaktion die Freiheit zu unabhängigem, innovativem Journalismus. Heute ist die Mediengruppe breit aufgestellt und gerüstet für den Wandlungsprozess einer Mediengesellschaft, in der die allseits geforderte Nachhaltigkeit im bewussten Festhalten an Werten und Überzeugungen gründet.

Ein Abbild der Zeit

Gleichzeitig ist das Bekenntnis zur Qualitätszeitung so aktuell wie 1946, als es von den Begründern niedergelegt wurde. Die Anstrengungen, die dafür unternommen werden, täglich eine modern gestaltete, optisch ansprechende und inhaltlich aufgeräumte Zeitung nicht nur zu planen, sie auch zu gestalten, zu drucken und schließlich in die Briefkästen der Abonnenten zu stecken, haben sich im Wettbewerb für die Rheinische Post ausgezahlt. Die Zeitung ist mit der Zeit gegangen - und gerade deshalb das geblieben, was die Gründer vor 70 Jahren anstrebten: ein Abbild ihrer Zeit. Ein Beleg für eine pulsierende, wirtschaftlich und kulturell starke Region, für ein aufstrebendes Land, für eine bewegte Gesellschaft.

Die Gründer der Rheinischen Post hatten einen Traum. Er hat sich in einer Form erfüllt, wie sie es sich 1946 kaum hätten vorstellen können. Grund dafür sind ihre Überzeugungen, dass Visionen gelebt werden müssen und dass Zukunft Fürsprecher braucht. In der schweren Zeit des Neubeginns waren ein unerschütterlicher Glaube an die Demokratie, die feste Entschlossenheit, Freiheit zu verteidigen, und entschiedenes Engagement für ein gerechtes Miteinander keine Selbstverständlichkeit.

Heute sind genau diese Grundhaltungen lebendiges Vermächtnis von Anton Betz, Karl Arnold und Erich Wenderoth - und Impuls für unser Handeln. Denn auch in unseren Tagen sind die Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit, Hilfe in der Not, Solidarität in Europa, Bildung als Grundlage von Wissen und Wohlstand Aufgaben, die uns täglich fordern. Aufgaben, denen sich die Rheinische Post verpflichtet fühlt.

Zum 70-jährigen Bestehen der Rheinischen Post haben wir 71 Titelseiten von 1946 bis 2016 in einem Sonderprodukt zusammengestellt. Es bietet einen Rückblick auf Momente des Weltgeschehens – vom "Wunder von Bern", Mondlandung, Wiedervereinigung bis hin zum Anschlag auf das World Trade Center und die Silvesternacht von Köln. Dieses Produkt in limitierter Auflage, das im RP-Format auf speziellem Papier gedruckt wird, kostet 12,90 Euro, für Abonnenten 9,90 Euro. Der kostenfreie Versand erfolgt ab 17. März. Bestellungen ab sofort unter 0211 505-2255 oder hier

Quelle: RP
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