"Ozapft is": Seit Punkt zwölf fließt das Bier in Strömen
zuletzt aktualisiert: 20.09.2008 - 17:40München (RPO). Das 175. Oktoberfest ist eröffnet. Mit dem traditionellen Ruf "Ozapft is" begann das Münchner Volksfest am Samstag um Punkt 12 Uhr. Der wiesn-erprobte Oberbürgermeister Christian Ude stach das erste Fass mit nur zwei Schlägen an. Das größte Volksfest der Welt dauert bis zum 5. Oktober. Insgesamt werden sechs Millionen Gäste aus aller Welt erwartet.
Ude überreichte vor 6000 Gästen im vollbesetzten Schottenhamel-Zelt die erste Maß traditionsgemäß dem bayerischen Ministerpräsidenten. Günther Beckstein feierte im Trachtenanzug zugleich seine Anzapf-Premiere. Der CSU-Regierungschef und seine Frau, die kein Dirndl trug, waren mit den Festwirten auf blumengeschmückten Wagen auf die Theresienwiese eingezogen.
Nach dem Anstich donnerten zwölf Böllerschüsse über das Oktoberfestgelände als Zeichen für die Wiesn-Wirte, dass Bier ausgeschenkt werden darf. Viele Gäste hatten sich schon am frühen Morgen vor den 14 Festzelten angestellt, um bei Öffnung der Eingänge um 09.00 Uhr einen der rund 100.000 Sitzplätze zu ergattern. Auf die erste Maß mussten sie aber bis zum Anstich warten. Der Liter Festbier kostet zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro - 40 Cent mehr als der Höchstpreis im Vorjahr. Auch in diesem Jahr wollen die Münchner Brauereien wieder mehr als sechs Millionen Maß Bier, mehr als eine halbe Million Hendl und über 100 Ochsen an die Festbesucher bringen.
Maß-Witze
"O'zapft is", heißt es am Samstag zum 175. Mal auf dem Münchner Oktoberfest. Damit nicht nur bei den Festwirten die Kassen klingeln, haben auch die Schausteller wieder Neuigkeiten aufgeboten, um die Gäste anzulocken. Viele Wiesn-Traditionalisten warten auch gespannt auf die Anzapf-Premiere von Ministerpräsident Günther Beckstein. Der Franke und seine Ehefrau sind bereits im Vorfeld des größten Oktoberfestes der Welt in Fettnäpfchen getreten.
Mit Weißbier in Schnapsgläsern stießen Oktoberfestchefin Gabriele Weishäupl und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude am Donnerstag bei ihrem traditionellen Rundgang zwei Tage vor Beginn des Festes "auf eine gute und friedliche Wiesn" an. "Eine Beckstein-Maß" sei das, frotzelte der Oberbürgermeister in Anspielung auf eine Äußerung des Ministerpräsidenten, wonach Autofahren nach "zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest" noch möglich sei.
Spott über Beckstein
Im Vorfeld witzelte Ude über den politischen Gegner Günther Beckstein (CSU). "Er muss zwei Maß trinken, um zu zeigen, wie fit er dann noch ist", spottete Ude über die Bier-Äußerungen von Beckstein. Dieser solle sich das Anzapfen einfach mal anschauen. "Es könnte für ihn ein einmaliges Erlebnis werden", witzelte Ude angesichts der Umfragewerte für die CSU für die Landtagswahl.
Auch die Ehefrau des Ministerpräsidenten hatte vor dem Oktoberfest für Aufregung gesorgt. Marga Beckstein hatte angekündigt, sie werde wohl kein Dirndl beim Anzapfen tragen - und heftige Kritik geerntet. "Die Zahl der Fettnäpfchen, in die man treten kann, ist jetzt ausgeschöpft", kommentierte Ude trocken. Wiesnwirte-Sprecher Roiderer plädierte dafür, mit dem Franken Beckstein nicht so hart ins Gericht zu gehen: "Wenn er perfekt wär, wär er ein Wiesn-Wirt."
Ab in die Tiefe
Ude ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, die Neuheiten der Schausteller selbst zu testen. Im ersten Wagen der "Alpina Bahn" raste der SPD-Politiker mit 80 Kilometer pro Stunde in die Tiefe. Die Achterbahn hat zwar keinen Looping. Besuchern wird aber bei rasanter Fahrt das Gefühl der Schwerelosigkeit versprochen. "Es geht mit einem Affentempo in die Kurve", berichtete Ude, als er wieder sicheren Boden unter den Füßen spürte.
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