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SEK-Einsatz in Saarbrücken
Polizei stoppt kurz vor dem Zugriff Live-Streams

SEK-Einsatz in Saarbrücken: Polizei stoppt kurz vor dem Zugriff Live-Streams
Ein Mann wird in der Nähe des Rathauses in Saarbrücken von einem Krankenwagen abtransportiert. FOTO: dpa, axs
Saarbrücken. Am Sonntag herrschte Aufregung in der Saarbrücker Innenstadt: Zunächst heißt es, ein bewaffneter Mann habe sich in einem Restaurant verschanzt. Die Polizei findet den Mann schließlich schlafend im Keller. Kurz vor dem Zugriff stoppte sie live-streamende Journalisten. Von Frank Bredel

Die Innenstadt abgeriegelt, schwer bewaffnete Polizeibeamte rennen zum Rathaus, Passanten rätseln über die Hintergründe: Lange war völlig unklar, was sich am Sonntagmorgen in der Saarbrücker Innenstadt abspielte, nachdem kurz vor 10 Uhr plötzlich die Dudweiler Straße und die Betzenstraße sowie die Kupfergasse und der Innenhof des Rathauses abgesperrt wurden und überall Polizeibeamte zu sehen waren.

Ursache des spektakulären Einsatzes war ein polizeibekannter 43-Jähriger, der sich in einem "psychischen Ausnahmezustand" befand. Der Mann hatte sich gegen neun Uhr in seinem Restaurant eingesperrt und seine Küchenangestellte bei Dienstantritt rüde weggeschickt. Die war so erschrocken, dass sie die Polizei rief. Fast zeitgleich meldeten sich auch Angehörige des 43-Jährigen besorgt bei der Polizei.

Zeugen berichteten der Polizei, der Mann sei verletzt und möglicherweise bewaffnet – weshalb auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) anrückte, was für wilde Spekulationen sorgte. Zahlreiche Schaulustige beobachteten den Einsatz von der Absperrung aus. Die Passanten holten sich ihre Informationen bei Facebook und mutmaßten über Schusswaffengebrauch und Geiseln im Lokal. Beides war aber nicht der Fall.

Nachdem es speziell geschulten Beamten der Verhandlungsgruppe nicht gelungen war, Kontakt zu dem Mazedonier aufzunehmen, brach das SEK kurz nach 13 Uhr die Tür zu dem Restaurant auf. Im Keller fanden die Beamten den 43-Jährigen, der gerade schlief. Er war nach Angaben des Landespolizeipräsidiums leicht verletzt, unbewaffnet und ließ sich widerstandslos festnehmen. Im Restaurant befand sich sonst niemand. Eine Notärztin kümmerte sich um den Mann. Er kam in ein Krankenhaus. Rettungsdienste hatten mit mehreren Fahrzeugen bereitgestanden.

Polizei lässt Live-Streams stoppen

Die Gründe für sein Verhalten vermuten die Ermittler in seinem persönlichen Umfeld. "Hinweise auf eine politische Motivation liegen nicht vor; Forderungen stellte der Mann nicht", so die Polizei.

Den Live-Stream mehrerer Medien im Internet ließ die Polizei kurz vor dem Zugriff unterbinden. Zwei Journalisten wurden aufgefordert, die Sendungen einzustellen, ihre Personalien wurden festgestellt. Tausende Nutzer hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Beiträge angesehen. Der Einsatz hatte enorme Auswirkungen auf die City, denn Fußgänger-, Auto- und Linienverkehr mussten für Stunden umgeleitet werden.  

Frank Bredel ist Mitarbeiter der "Saarbrücker Zeitung"

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