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Shell Jugendstudie 2015
Jugendliche haben Angst vor Terror und Ausländerfeindlichkeit

Shell-Jugenstudie: Angst vor Ausländerfeindlichkeit und Terror
Freizeit, Job, Werte – für die Studie wurden Jugendliche in den unterschiedlichsten Kategorien befragt. FOTO: dpa, mku pzi sac soe
Berlin. Sie engagieren sich vermehrt politisch, wollen einen sicheren Job, aber gleichzeitig auch genug Freizeit: Jugendliche in Deutschland im Jahr 2015. Mit Blick auf die aktuelle politische Lage haben sie aber auch gewisse Ängste, wie aus der Shell Jugendstudie hervorgeht, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Wir fassen die wichtigsten Punkte der Studie zusammen. Von Dana Schülbe

Der großen Mehrheit der Jugendlichen, so stellt Studienleiter Professor Dr. Mathias Albert von der Universität Bielefeld fest, ist es wichtig, "die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und auch zu respektieren". Das stimmt auch die Bundesfamilienministerin positiv. "Das ist für mich ein großartiges Zeichen", sagte Manuela Schwesig (SPD) im Zusammenhang mit der Vorstellung der Studie. "Es zeigt, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserem Land die Vorteile und Chancen gesellschaftlicher Vielfalt wahrnehmen. Und das ist angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsproblematik von herausragender Bedeutung. 

Insgesamt wird in der Studie festgestellt, dass die Jugendlichen politischer geworden sind – und auch Ängste haben angesichts des aktuellen Weltgeschehens. Aber die Studienautoren haben die jungen Menschen nicht nur nach Politik gefragt. Hier gibt es eine Zusammenfassung der Studienergebnisse.

  • Grundeinstellung: Die meisten Jugendlichen haben eine positive Grundhaltung, stellen die Autoren der Studie fest. Demnach blicken 61 Prozent der Befragten optimistisch in die Zukunft, das sind noch einmal mehr als 2010, als die letzte Shell Jugendstudie veröffentlicht wurde. 
  • Familie: Wie auch schon in den vergangenen Studien hat Familie einen hohen Stellenwert bei der Jugend 2015. Mehr als 90 Prozent der Befragten sagten, sie hätten ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Und offenbar sind sie auch mit deren Erziehungsmethoden einverstanden, denn drei Viertel würden ihre Kinder ungefähr oder genauso erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Allerdings geht der Wunsch nach Kindern zurück. Gerade einmal 64 Prozent der Befragten wünschen sich eine eigene Familie, 2010 waren es noch 69 Prozent. 
  • Arbeit: Jugendliche wollen einen interessanten Job, aber vor allem einen sicheren Arbeitsplatz (95 Prozent der Befragten). Gleichzeitig legen 90 Prozent Wert darauf, dass die Familie und Kinder gegenüber der Arbeit nicht zu kurz kommen dürfen. So gaben auch drei Viertel der Befragten an, dass sie in Teilzeit arbeiten wollen, wenn sie Kinder haben. Allerdings wissen sie durchaus, dass sich diese Wünsche in der Arbeitswelt nicht unbedingt leicht durchsetzen lassen.
  • Politik: Im Jahr 2002 hatten nur 30 Prozent der Jugendlichen angegeben, dass sie politisch interessiert sind. Auch heute ist das noch nicht die Mehrheit, aber der Wert ist seither auf 41 Prozent angestiegen. Auch die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, sei gestiegen, schreiben die Studienautoren. Die etablierten Parteien können davon allerdings nicht profitieren. Die Jugend 2015 konzentriert ihr politisches Interesse auf andere Dinge. So boykottieren sie häufig Waren aus politischen Gründen oder unterzeichnen Petitionen (insbesondere Online-Petitionen). Zudem hat jeder vierte Befragte bereits an einer Demonstration teilgenommen. 
  • Ängste: Die betreffen insbesondere auch das Weltgeschehen. So haben 48 Prozent der Befragten Angst vor Ausländerfeindlichkeit (2010 waren es 40 Prozent). Gleichzeitig sind die Ängste vor Zuwanderung gesunken (29 Prozent). Nur noch 37 Prozent sagen, sie wollen Zuwanderung verringern (2006: 58 Prozent). Dagegen bereiten den Jugendlichen Terrorismus und der Ukraine-Konflikt Sorgen. So haben drei Viertel Angst vor Terroranschlägen, und die Angst vor einem Krieg in Europa ist von 44 Prozent (2010) auf 61 Prozent angestiegen.
  • Internet: 99 Prozent der Jugendlichen sind online – mit steigender Stundenzahl (2010: weniger als zehn Stunden / 2015: 18,4 Stunden). Zwei Fünftel meinen, dass "man bei sozialen Netzwerken deshalb dabei sein muss, weil man sonst nicht mitbekommt, was die anderen machen". 72 Prozent gehen nach eigener Aussage vorsichtig mit ihren Daten um. Der Großteil (84 Prozent) ist zudem der Meinung, dass Facebook oder Google mit persönlichen Informationen Geld verdienen wollen. 
  • Werte: Gute Freunde sind den Jugendlichen besonders wichtig (89 Prozent), gefolgt von einem vertrauenswürdigen Partner (85 Prozent) und einem guten Familienleben (72 Prozent). 84 Prozent finden Respekt vor Gesetz und Ordnung wichtig. 82 Prozent sagten zudem, man müsse "die Vielfalt der Menschen anerkennen und respektieren".
  • Religion: Die Mehrheit der Jugendlichen gehört zwar einer Glaubensgemeinschaft an – allerdings finden es nur 38 Prozent der Christen wichtig, an Gott zu glauben. Bei muslimischen Jugendlichen sieht das mit 81 Prozent ganz anders aus. Auch zwischen Ost und West gibt es Unterschiede: Für 68 Prozent der ostdeutschen Jugendlichen ist der Glaube an Gott unwichtig, im Westen sagten das deutlich weniger (45 Prozent). 
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