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Immer größer und gefährlicher
Silvesterknaller: Warnung vor "Witwenmacher" & Co.
Immer größer und gefährlicher: Silvesterknaller: Warnung vor "Witwenmacher" & Co.
Vielen Käufern seien die Risiken der «Polen-Böller» noch immer nicht bewusst. FOTO: RPO
Linken/Pomellen (rpo). Zumeist sind sie billig. Dazu sind sie aber auch noch oft kreuzgefährlich: Silvesterknaller aus Polen. Die Böller sind ein beliebtes Mitbringsel, deren Einfuhr jedoch streng verboten ist.

Martin Erfurt, stellvertretender Chef des Zollamtes Pomellen in Mecklenburg-Vorpommern, geht davon aus, dass vielen Käufern auf der Suche nach den besten Knall- und Lichteffekten zu Silvester die Risiken der «Polen-Böller» noch immer nicht bewusst sind.

Die Einfuhr von nach deutschem Gesetz nicht zugelassenen Feuerwerkskörpern ist verboten und strafbar. Und das aus gutem Grund. Die oft in Asien gefertigten Raketen und Knaller, die in Polen zu kaufen sind, wurden nämlich in der Regel gar nicht oder nicht ausreichend auf ihre Sicherheit getestet.

Fehlende Prüfungen

Während in Deutschland alle im Handel erhältlichen pyrotechnischen Produkte von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) getestet und mit einem Zulassungszeichen versehen werden, fehlt dies zumeist bei den in Polen oder Tschechien angebotenen Artikeln. Oder es wurden von den Produzenten und Händlern gefälschte Deklarationen angebracht, wie Erfurt aus langjährigen Recherchen weiß.

Zudem seien die oft in deutscher Sprache aufgedruckten Bedienungsanleitungen unrealistisch, sagt der Vorsteher des Zollamtes Pomellen, Hubert Lühn. So gebe es zum Beispiel einen Böller, für den ein Sicherheitsabstand von 25 Metern angegeben ist. «Doch wenn die Lunte erst mal brennt, schafft es nicht mal ein Sprintmeister, sich innerhalb von drei Sekunden rechtzeitig in Deckung zu bringen.» Viele «Superkracher» seien gefährlich wie echte Munition, warnt Lühn. Er verweist auf Ärzte, die jedes Jahr von abgerissenen Fingern und Händen sowie erheblichen Gesichtsverletzungen auch bei Kindern berichten. Einige seien durch die vom Schwarzpulver verschleuderten Partikel ein Leben lang gezeichnet. Andere Opfer seien sogar erblindet.

Gefährliche «Witwenmacher»

In Polen würden die Kracher unter dem makabren Namen «Witwenmacher» verkauft, berichtet Lühn. Er hat festgestellt, dass die Größe der geschmuggelten Böller und damit auch ihre Gefährlichkeit noch zugenommen hat. Früher habe die größte Schwarzpulvermenge bei 250 Gramm gelegen. Kürzlich hätten er und ein Kollege in kleine Eimer gepresste Böller mit einer Ladung von jeweils etwa zwei Kilogramm Schwarzpulver sichergestellt. Auch in Pomellen wurden solche Mega-Kracher schon konfisziert.

Die Zollbehörden reagieren mit verschärften Kontrollen der Grenzgänger und einem erheblich aufgestockten Strafkatalog. Musste vor zwei Jahren zum Beispiel ein deutscher Autofahrer für seine illegale Fracht von rund 1000 Knallern aus Polen «nur» 1400 D-Mark Strafe zahlen, durfte in diesem Jahr ein Schmuggler für 24 beschlagnahmte Raketen schon mal 3675 Euro berappen - 105 Tagessätze zu je 35 Euro. Rund 4000 Böller und Raketen jährlich wurden bisher im Schnitt vom Zoll an den Grenzübergängen Linken und Pomellen beschlagnahmt.

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