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Hochwasserkatastrophe
Mehrere Menschen in Niederbayern vermisst

Schwere Überschwemmungen im Landkreis Rottal-Inn
Schwere Überschwemmungen im Landkreis Rottal-Inn FOTO: dpa, jai
Simbach am Inn. Nach den verheerenden Überschwemmungen in Niederbayern mit vier Toten werden weitere Menschen vermisst. Im Ortsbereich Simbach am Inn werde nach weiteren Personen gesucht, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Es sei "Schlimmeres zu befürchten". Taucher seien bei der Suche im Einsatz.

Auf den Straßen des überfluteten Ortes entspannte sich die Situation nach Polizeiangaben etwas. Die Pegelstände sinken. Viele Häuser stehen aber nach wie vor unter Wasser.

Taucher hatten am Mittwoch in einem Haus in Simbach drei Leichen entdeckt. Nach Angaben des Polizeisprechers handelte es sich um drei Mitglieder einer Familie – eine 56-jährige Frau und deren 28-jährige Tochter sowie die 78-jährige Großmutter. Bei der in Julbach, das ebenfalls im Landkreis Rottal-Inn liegt, aus einem Bach geborgenen Toten handelt es sich demnach um eine 80-jährige Frau. Sie sei offenbar weggeschwemmt worden, als ihr Haus einstürzte.

Die Todesumstände der Frau, die aus dem Bach in Julbach geborgen wurde, waren zunächst unklar. Sie hing über einen Baumstamm und wurde bei einem Hochwassereinsatz entdeckt, wie das Landratsamt Rottal-Inn mitteilte.

Katastrophenalarm in den Landkreisen Rottal-Inn und Passau

In der Nacht hatte es nicht mehr geregnet, der Pegelhöchststand von 3,61 Meter sank leicht ab. Für Donnerstag erwartete der Deutsche Wetterdienst jedoch erneut unwetterartige Mengen an Niederschlag, besonders im Landkreis Passau.

Am frühen Morgen wurden die Einsatzkräfte aufgestockt, um in Triftern und Tann mit dem Abpumpen der Wassermassen zu beginnen. In der Stadt Griesbach richtete das Technische Hilfswerk eine Notstromversorgung ein.

Im Landkreis Rottal-Inn und im Landkreis Passau gilt seit Mittwoch Katastrophenalarm. In den Gemeinden Simbach am Inn, Triftern und Tann wurden ganze Straßen weggespült und zahlreiche Häuser geflutet. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern berichtete, dass sich an manchen Orten Menschen nur noch auf die Dächer ihrer Häuser retten konnten, weil die Fluten so schnell und überraschend gekommen seien.

Im niederbayerischen Untertürk wurde ein ganzes Haus weggerissen. Darin kam aber offenbar niemand zu Schaden, wie ein Polizeisprecher sagte.

Der Markt Triftern mit seinen 5000 Einwohnern war vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten, weil alle Brücken überschwemmt waren. In einer ganzen Reihe von Schulen sollte am Donnerstag der Unterricht aber ausfallen.

9000 Haushalte ohne Strom

Das Landratsamt Rottal-Inn gab Mittwochabend zumindest vom Hochwasser her vorsichtige Entwarnung – die Lage im Katastrophengebiet beginne sich "langsam zu entspannen". Die Behörden rechnen mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich.

Am Donnerstag wollen sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Umweltministerin Ulrike Scharf (beide CSU) vor Ort ein Bild machen. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) kündigte in der "Passauer Neuen Presse" unbürokratische finanzielle Hilfe an.

Wie der Stromversorger Bayernwerk mitteilte, waren in dem Landkreis 9000 Haushalte ohne Strom. Viele tausend Haushalte mussten auch die Nacht ohne Strom verbringen.

Söder kündigt 1500 Euro Soforthilfe für Hochwasser-Betroffene an

Bayern zahlt den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern 1500 Euro Soforthilfe je Haushalt. Dies kündigte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) am Donnerstag bei einem Besuch in der betroffenen Region an. Die Höhe der Hilfe orientiert sich an der Soforthilfe, die den betroffenen Haushalten nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 vom Freistaat gezahlt wurde.

Auch im Nachbarland Österreich, in der Region Salzburg, überflutete schwerer Regen die Straßen, mehrere Schulen sollten am Donnerstag geschlossen bleiben.

In Frankreich wurde nach Angaben der örtlichen Behörden eine 86-jährige Frau in ihrem überfluteten Haus in Souppes-sur-Loing tot aufgefunden. Premierminister Manuel Valls wollte am Donnerstag die Region Nemours rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt Paris besuchen. Dort mussten am Mittwoch 3000 Menschen ihre Häuser verlassen.

In Neymours wurde die Rekordhochwassermarke von 4,25 Metern aus dem Jahr 1910 überschritten. Im benachbarten Département Loiret fiel binnen drei Tagen mehr Regen als sonst in einem Monat.

(gol/isw/dpa/AFP)
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