Buchpräsentation der Ex-EKD-Vorsitzenden: Singen mit Margot Käßmann
zuletzt aktualisiert: 12.05.2010 - 17:54München (RPO). Viel Wirbel um eine zierliche Frau und ein schmales Büchlein: Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Buchpräsentation geht am Mittwoch fast nichts mehr im dritten Obergeschoss der großen Buchhandlung am Münchner Marienplatz. Dutzende Menschen drängen sich an den Absperrungen. Als die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, pünktlich zur Vorstellung ihres neuen Buchs "Das große Du - Das Vaterunser" erscheint, wird sie von den Wartenden mit Beifall empfangen.
Es ist der erste öffentliche Termin der 51-Jährigen seit ihrem Rücktritt von ihren kirchlichen Spitzenämtern. Im für Journalisten eigens abgesperrten Bereich drängen sich zehn Kameramänner, zahlreiche Fotografen, Radio- und Zeitungsjournalisten. Lächelnd posiert Käßmann auf dem Podium mit ihrem 84 Seiten starken Büchlein.
Käßmann hatte in der Nacht zum 21. Februar betrunken mit ihrem Dienstwagen eine rote Ampel überfahren und war dabei von der Polizei erwischt worden. Sie trat wenige Tage später von ihren leitenden kirchlichen Ämtern zurück. Auf dem Ökumenischen Kirchentag ist sie bei knapp einem Dutzend Veranstaltungen zu erleben.
Geschickt gewählter Termin
Der Termin für die Buchvorstellung ist geschickt gewählt. Der Geschäftsführer des Lutherischen Verlagshauses, Hans-Christof Vetter, erläutert, Käßmann habe eigentlich erst auf dem Kirchentag wieder öffentlich auftreten wollen. Er habe sie aber überredet, noch vor dem Kirchentag ihr Buch vorzustellen. "Da waren wir ein bisschen frech", sagt er.
In ihrem Büchlein interpretiert Käßmann das dritte Hauptstück des Kleinen Katechismus Martin Luthers, das Vaterunser. "Ich finde es großartig, dass nun schon im dritten Jahrtausend wir dieses Gebet weiter beten können und es alles umfasst, worum wir Christen bitten können", sagt Käßmann bei der Präsentation. Es sei ein Gebet, das über Grenzen hinweg Menschen zusammenbringe.
Gedanken über das Vaterunser
Ihre Alkoholfahrt spielt bei der Buchpräsentation keine Rolle, die Idee für das Buch ist Monate früher entstanden. Und doch lassen sich einzelne Passagen des Werks als Statement dazu lesen. Im Kapitel über das Thema Schuld schreibt Käßmann über die "Erkenntnis, dass wir alle schuldig" werden: "Es gibt kein schuldfreies Leben ohne jeden Bruch, wir können unser Leben nicht selbst rechtfertigen, indem wir meinen, es sei makellos."
Es sei die große Erkenntnis Martin Luthers, "dass es keine guten Werke und schon gar keine Ablassleistungen braucht, um unsere Schuld von Gott vergeben zu bekommen, sondern dass wir allein aus der Gnade unseres Vatergottes bei ihm alle Schuld abladen können", schreibt die Ex-Bischöfin weiter. Und der, dem vergeben werde, könne selbst vergeben: "In dieser Überzeugung können wir anderen Menschen mit aufrechtem Gang und mit klarem Blick begegnen."
Die Präsentation des Büchleins ist nach einer Viertelstunde vorbei. Käßmanns Verleger verweist noch auf die Auftritte der 51-Jährigen auf dem Kirchentag und die Ex-EKD-Ratsvorsitzende selbst verspricht: "Morgen bei der Bibelarbeit wird auch anständig gesungen." Weil einige unter den mehr als 200 Anhängern und Schaulustigen protestieren, organisiert die frühere Bischöfin spontan doch ein gemeinsames Singen. "Sonne der Gerechtigkeit", singt sie und die Menge stimmt mit ein. Spätestens da steht für ihre Anhänger fest: Margot Käßmann ist zurück.
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