Wirbel um Spendendosen: Skandal erschüttert Wuppertaler Zoo
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 29.08.2009 - 12:26Wuppertal (RP). Der Skandal um den Wuppertaler Zoo weitet sich aus. Freitag leitete die Staatsanwaltschaft ein weiteres Verfahren gegen Unbekannt wegen Untreue und Unterschlagung ein. "Wir haben ein anonymes Schreiben bekommen, in dem detailliert beschrieben wird, dass Geld aus Spendendosen, die im Zoo aufgestellt sind, für private Zwecke verwendet worden sein soll", berichtet Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Zudem sollen schwarze Kassen geführt worden sein.
Bereits seit Mitte der Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Zoodirektor Ulrich S., zwei weitere Mitarbeiter des Tierparks sowie einen Angehörigen der Beschuldigten wegen Untreue, Verstoßes gegen das Steuerrecht und wegen des Nichtabführens von Sozialabgaben. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll der Vater eines Tierpflegers spätestens ab dem Jahr 2003 Arbeiten im Zusammenhang mit dem Ausbau eines Aquariums mit dem Zoo abgerechnet haben.
Diese Arbeiten hatten zuvor sein Sohn als Überstunden ausgeführt und mit dem Zoo abgerechnet. Der Verdacht: Tatsächlich führte der Tierpfleger auch weiterhin die von seinem Vater in Rechnung gestellten Arbeiten selbst aus. Das Geld habe der Mann dann von seinem Vater "brutto für netto" kassiert. Insgesamt soll der Mann so einige tausend Euro eingestrichen haben.
Der Fall wurde bei einer Routinekontrolle des Rechnungsprüfungsamtes entdeckt und von der Anti-Korruptionsstelle der Stadt Wuppertal an die Polizei weitergeleitet. Die Stadt Wuppertal ist Trägerin des Zoos. "Die Stadt hat der Staatsanwaltschaft sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt. Wir warten jetzt das Ergebnis der Ermittlungen ab und werden dann daraus unsere Schlüsse ziehen", berichtet Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung.
Laut einer Sprecherin der Stadt könne jedoch keine Rede von einem Zooskandal sein, da die Ermittlungen sich im Wesentlichen gegen einen "Mitarbeiter mit untergeordneten Funktionen" handele. Der Zoo-Direktor habe offensichtlich die Rechnungen lediglich abgezeichnet.
Die Staatsanwaltschaft sieht das möglicherweise anders. "Es sieht so aus, als habe S. gewusst, was er da abgezeichnet hat", sagt Ermittler Baumert. Noch sei unklar, ob dem Zoo durch die Veruntreuung Schaden entstanden ist. Das wäre dann der Fall, wenn sich herausstellt, dass der Tierpfleger die in Rechnung gestellten Arbeiten während seiner Dienstzeit erledigt hätte.
Der Zoodirektor will zu den Vorwürfen auf Anraten seines Anwalts keine Stellung beziehen. "Ich sage dazu nur, dass weder dem Zoo noch der Stadt ein Schaden entstanden ist", teilt S. auf Anfrage mit.
Laut Baumert werde in dem jüngsten anonymen Schreiben der Vorwurf erhoben, dass Mitarbeiter 2000 Euro aus Sammelbüchsen abgezweigt hätten, um damit den Unfallschaden an einem privaten Pkw zu bezahlen.
Zudem würden Anschuldigungen erhoben, die jedoch juristisch nicht von Bedeutung seien. So heißt es in dem Brief, dass im Zoo ein Klima der Angst herrsche und bestimmte Mitarbeiter tun könnten, was sie wollten. Das Schreiben, in dem auch von einem angeblichen Fall von Tierquälerei die Rede ist, erinnert noch an einen weiteren Skandal: Im November müssen sich vor dem Amtsgericht Wuppertal zwei Tierpfleger verantworten, denen vorgeworfen wird, 20 Praktikantinnen und Auszubildende des Zoos sexuell missbraucht zu haben. Ein weiterer Beschuldigter hat sich inzwischen das Leben genommen.
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