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Atom-Alarm: Slowenien gesteht Fehler ein

zuletzt aktualisiert: 05.06.2008 - 11:49

Krsko/Brüssel (RPO). Am Mittwochabend schockte ein Atom-Alarm ganz Europa. Im slowenischen Atomkraftwerk Krsko war Kühlflüssigkeit ausgetreten. Die slowenische Regierung hat nun Fehler nach dem Störfall eingeräumt. Der österreichische Strahlenschutz erfuhr etwas von einer "Übung". Was genau ist geschehen?

Das Wichtigste zuerst: Das betroffene slowenische Kraftwerk nahe der kroatischen Grenze wurde noch am selben Tag vollständig heruntergefahren, Radioaktivität ist nicht ausgetreten. Es soll keine Gefahr für Mensch und Umwelt bestehen.

Gegen 15 Uhr am Mittwoch wurde nach Angaben der Sprecherin der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft im Primärkreislauf des Atomkraftwerkes ein Leck in der Nähe der Primärwasserpumpe entdeckt. Dort sei Kühlflüssigkeit ausgelaufen und ins Innere der Sicherheitshülle gelangt. Nach außen gelangte keine Flüssigkeit. Auch Radioaktivität soll nicht entwichen und Brennstäbe nicht beschädigt worden sein.

Um 17.38 Uhr ging in Brüssel eine Meldung aus Krsko ein. Daraufhin wurde das europäische Notfallsystem zum Informationsaustausch bei radioaktiven Vorfällen (ECURIE) zur Infromation aller 27 Mitgliedsstaaten eingeschaltet. Hinweise auf eine Umweltgefährdung gab es bis dahin nicht.

Gleichzeitig wurde der Vorfall dem österreichischen Strahlenschutz nur als Übung gemeldet. Nach Angaben des österreichischen Umweltministers Josef Pröll ging die Falschmeldung zunächst an die Nachbarstaaten Österreich, Italien und Ungarn. Sie erfuhren erst von der EU-Kommission in Brüssel von dem europaweiten Alarm. 

Gegen 19.30 Uhr schließlich soll das Kraftwerk heruntergefahren und abgeschaltet worden sein. Die Behebung des Fehlers kann voraussichtlich erst in zwei Tagen in Angriff genommen werden. Dann soll das AKW abgekühlt sein.

Etwa um 19.40 Uhr ging eine Warnung an die Bevölkerung.

Gegen 20.30 Uhr erklärte die EU-Kommission in Brüssel, ein Entweichen von Radioaktivität sei nicht festgestellt worden. Laut slowenischer EU-Ratssprecherin bestand zu diesem Zeitpunkt keine Gefahr für Menschen oder Umwelt. Nach Informationen des Bundesumweltministeriums besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Ein Sprecher des Ministeriums nannte den von der Brüsseler EU-Kommission ausgerufenen europaweiten Atomalarm "ungewöhnlich".

Gegen 23.30 Uhr gibt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Entwarnung für Deutschland.

Inzwischen hat der slowenische Umweltminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Janez Podobnik am Rande eines Treffens der EU-Umweltminister in Luxemburg Fehler eingestanden. Die Atomsicherheitsbehörde seines Landes habe zunächst nur eine Übung in dem Atomkraftwerk gemeldet. "Es war ein Fehler", sagte Podobnik. "Das war eindeutig menschliches Versagen." Zugleich gab Podobnik europaweite Entwarnung.  

Mittlerweile, so heißt es vom Chef der slowenischen Atomsicherheitsbehörde, sei die Situation unter Kontrolle und das Atomkraftwerk in einem stabilen Zustand. Dass die Lage stabil sei, bestätigte auch der slowenische Innenminister Dragutin Mate am Donnerstag in Luxemburg. Das Kraftwerk sei nur vorsichtshalber heruntergefahren worden.

Bundesumweltminister Gabriel hat ebenfalls Entwarnung gegeben. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält jedoch eine Entwarnung nach dem Zwischenfall für verfrüht. Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer sagte am Donnerstag im Nachrichtensender N24, die Entwarnung deutscher Behörden finde er erstaunlich, "weil erst eine sehr kurze Zeit seit dem Störfall vergangen ist".

Man dürfe nicht vergessen, "dass immerhin ein Alarm ausgelöst wurde, den es so in Europa noch nie gegeben hat." Breuer hob hervor, dass es in Krsko zu einem Kühlmittelverlust gekommen sei. "Und das ist prinzipiell das Schlimmste, was in einem Atomkraftwerk passieren kann." In diesem Fall bestehe die Gefahr einer Kernschmelze.
 


 
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