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Jugendwort 2015
Kein Mensch kennt "Smombie"

Das sagen Jugendliche zum Jugendwort 2015
Das sagen Jugendliche zum Jugendwort 2015 FOTO: Langenscheidt
Meerbusch. Am Freitag hat eine Jury von Sprachexperten "Smombie" zum Jugendwort des Jahres gekürt. Smo - was? Auch noch nie gehört? Keine Sorge, das geht auch Jugendlichen so. Wir haben uns auf einem Schulhof umgehört.  Von Sascha Wandhöfer

"Merkeln"?, "Earthporn"? Von den Mitfavoriten ums Jugendwort des Jahres haben auch Jugendliche noch nie etwas gehört. Das gilt auch für den Gewinner "Smombie" - zusammengesetzt aus Smartphone und Zombie. Keiner kennt das. So meine Bilanz vom Besuch am Mataré-Gymnasium in Meerbusch. 

Irgendwas mit rauchen? Wegen Smoke? Was mit Smog? Oder Zombie? Nah dran, aber was "Smombie", das Jugendwort 2015, tatsächlich bedeutet, das weiß keiner der Schüler, mit denen ich spreche. "War auf jeden Fall mal ein Hashtag bei Instagram" - aber an mehr kann Schülerin Annika sich nicht erinnern. "Was soll das sein?", fragt mich Julian, den Blick gebannt aufs Smartphone gerichtet: "Muss gerade Musik aussuchen."

Szenen wie diese sind es, die zeigen: Nah dran am Leben ist das aktuelle Jugendwort schon. Denn überall und ständig begegnen wir Menschen, die den Blick einfach nicht von ihrem Mobiltelefon nehmen können. Trotzdem benutzt das aktuelle Jugendwort offenbar keiner.

 

Das ist auch bei den anderen Begriffen nicht besser, die im Wettbewerb zur Wahl standen: "Merkeln? Mit den Händen ne Raute machen?" Nein, aber eine schöne Idee. So wie auch die von Mathilda: "Jemanden trösten? Wegen 'Merkel streichelt'?" Aber das weinende Flüchtlingskind, das Merkel im Juli während einer Bürgerveranstaltung unbeholfen zu trösten versuchte, ist nicht der Ursprung. Es bedeutet "Nichtstun, keine Entscheidung treffen". 

"Earthporn? Was ist denn da los?"

"Earthporn", "rumoxidieren", "bambus" - alles unbekannt bei den Jugendlichen. "Was ist denn da los", werde ich oft gefragt. Oder "Wen haben die denn da gefragt?" Offenbar keine Jugendlichen. Die machen mir nämlich ganz andere Vorschläge.

Die Ideen der Jugendlichen sind erstaunlich normal. "Nice", schlägt mir Fyn vor. Und weil ich das auch manchmal sage fühle ich mich mit Anfang 30 plötzlich wieder wie ein Teenager. Loana, Verena und Alina haben gleich mehrere Ideen, darunter Klassiker wie "Alter" und "schwör!"

Eine Denglisch-Variante könnte vielleicht ein Kandidat für das nächste Jahr sein: Das englische "save" auf deutsch ausgesprochen, wie mir Lukas nach mehrmaligen Nachfragen erklärt: "Szawe". Daraufhin fühle ich mich wieder ziemlich alt. Benutzt wird "Szawe" in Situationen wie der hier: "Treffen wir uns morgen?" - "Szawe!". Auch die englische Aussprache ist geläufig, erklären mir Fabian und Julian.

"Alpha-Kevin" ist auf dem Schulhof zuhause

Aber "Smombie"? "Dazu sagen wir 'Kiddies die zu lang am Handy hängen' - an viel zu großen", meint Mathilda. Das ist zwar nicht so griffig wie "Smombie" - aber wohl verständlicher.

Ganz anders ergeht es dem Jugendwort 2014. "Läuft bei dir" ist auch heute noch vorne mit dabei, sagen mir die Schüler. Und auch ein Wort, das der verantwortliche Verlag nach Kritik kurzerhand aus der Abstimmung genommen hatte, ist ganz beliebt: der Alpha-Kevin. 

Was sagen Schüler des Jahres 2015 zu Jugendwörtern, die eine Jury ausgelobt hat? Hier die einzelnen Reaktionen.

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(RPO)
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