Tipps vom Experten: So funktioniert richtiges Grillen
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 02.05.2009 - 13:16Eitorf (RP). Die Sonne scheint, die Deutschen grillen wieder. Doch was da in heimischen Gärten passiert, hat wenig mit guter Küche zu tun, weiß Grillmeister Andreas Huberti. Er gibt Tipps, damit das Fleisch auch wirklich schmeckt.
Grillen kann jeder, denkt der Durchschnittsdeutsche, wirft das Steak über die zu heißen Kohlen und verbrennt das Fleisch. Andreas Huberti kennt das zu genüge. Der 42-Jährige aus Eitorf ist Juror bei Grill-Weltmeisterschaften und veranstaltet Seminare, an denen im Jahr 500 Grillbegeisterte teilnehmen. "Die meisten meinen, sie wären Weltmeister, sind aber nur Waldmeister", sagt er.
Die Fehler beginnen schon beim Kauf des Grills. Der Barbecue-Experte empfiehlt ein Gasgerät, weil man mit ihm die Temperatur gut regulieren kann. Das ist bei Kohle deutlich schwieriger. Auf jeden Fall, sollte man einen Grill mit Deckel kaufen, um auch indirekt Grillen zu können. Dabei liegt das Fleisch nicht direkt über der Kohle, sondern etwas seitlich versetzt. Unter dem Deckel staut sich die Hitze, das Grillgut wird bei niedrigerer Temperatur gegart. Sehr gut funktioniere das mit gefüllter Tomate oder Paprika. Außerdem sollte der Grill massiv sein, damit er die Hitze lange hält und gleichmäßig abgibt. "Auf keinen Fall gilt: Je höher die Temperatur, desto besser das Ergebnis!", erklärt Huberti.
Wer dennoch auf Kohle setzt, kann einen Anzündkamin zur Hilfe nehmen. In dem werden die Briketts über einem kleinen Feuer gestapelt. Auch gegen Grillanzünder sei nichts einzuwenden, sagt der Grillmeister. Allerdings müsse man darauf achten, keine stinkenden Paraffine oder gar Spiritus zu verwenden. Dann kommte es zu gefährlichen Stichflammen. Die Kohle ist dann perfekt, wenn der Anzünder verbrannt, alle Stücke durchglüht sind und auf ihnen eine weiße Schicht zu sehen ist.
Dann kann das Fleisch auf das Rost. Doch wem das Steak beim Wenden aus der Zange rutscht, hat wenig davon. "Das Thema Werkzeug wird unterschätzt", sagt Andreas Huberti. Teure Zangen seien oft "stylish", aber zu nichts zu gebrauchen. Ein guter Wender sei leicht und habe genügend Grip. Wichtiger aber noch als die Zange ist seiner Meinung nach eine Drahtbürste, mit der man während und nach dem Grillen den Rost saubermachen kann. Gute Bürsten haben Messing- oder Edelstahlborsten. "Ansonsten kleben an dem neuen Grillgut die verschmorten Reste des alten. Das schmeckt nicht wirklich gut", erklärt der Experte.
Ebenfalls unappetitlich sind Fleischstücke voller Dämpfe aus herunter getropfter Marinade. Die Sauce entzündet sich möglicherweise noch. Deshalb niemals Fleisch kaufen, das in Öl schwimmt. "Lieber frisches, etwas trockeneres Grillgut beim Metzger des Vertrauens kaufen", sagt Huberti. Ob Schwein, Rind oder Pute – erlaubt ist, was schmeckt. Nur muss man auf die richtige Garzeit achten. Und auf das Muster: Zum Grillen gehören die Streifen. Von Bratwürsten, die nun einmal dazu gehören, hält Andreas Huberti relativ wenig. Die sind keine Herausforderung. Dafür schwört der Meister des Barbecues auf Gemüse: Kartoffeln, Pilze, Zwiebeln, Paprika, Tomaten – alles, was die Küche hergibt. Das macht den Grill farbenfroher. Und daran denken: Was länger braucht, wie beispielsweise Folienkartoffeln, muss auch früher auf den Grill.
Bier über das Grillgut auf dem Rost zu kippen, kommt für Andreas Huberti überhaupt nicht in Frage. Das wirbelt nur Staub auf. Huberti: "Bier sollte oral eingeführt werden."
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