Wave-Gotik-Treffen in Leipzig: So schön kann Schwarz sein
zuletzt aktualisiert: 22.05.2010 - 14:22Leipzig (RPO). Das weltgrößte Festival der "Schwarzen" hat begonnen: In Leipzig öffnete das 19. Wave-Gotik-Treffen am Freitag seine Pforten. Bis zum Pfingstmontag erwarten die Veranstalter etwa 20.000 Besucher aus aller Welt. Und den Leipzigern bietet sich wieder ein Panoptikum ungewöhnlichster Outfits und verstörender Maskeraden.
Für die meisten Menschen ist Leipzig in der Zeit um Pfingsten einfach nur Schwarz. Doch wie unterschiedlich die einzelnen Richtungen in der großen Szene sind, zeigen die Kostüme der Gäste. Gruftie ist nicht gleich Gruftie. So tragen die Anhänger der sogenannten "Steam-Punk"-Bewegung Kleidung aus der viktorianischen Ära – vermischen diese aber mit Technik a la Jules Verne. Sie verstehen sich als Gegenpol zur "Cyber-Punk/Gothic"-Ästhetik. Hier beherrscht neonfarbenes Accessoire das Endzeit-Outfit.
Neben den ganz "normalen" Grufties gibt es mittlerweile unendlich viele Facetten, die sich in Schmuck, Kleidung, Schminke und Habitus ausdrücken. Allgemein als "schön gekleidet" gelten die Liebhaber der klassischen Gothic-Szene: In weiten Kleidern, dem Stil der letzten Jahrhunderte angpasst, flanieren sie durch Leipzigs Straßen. Der japanische Manga-Stil hat sich mittlerweile auch eine Nische in der schwarzen Welt gesichert.
Doch bei aller Verschiedenheit der Festivalgäste fällt vor allem deren Friedlichkeit auf. Sie alle eint außerdem die Liebe zur schwarzen Farbe, die Sehnsucht nach einer anderen Welt. Das "Anderssein" wird hier zum Programm. Das sie damit aber auch provizieren, ist den meisten Schwarzen klar, nehmen es aber in Kauf.
Besucher aus aller Welt
Zu dem viertägigen Festival kämen die Anhänger der Schwarzen Szene aus ganz Europa, den USA, Südamerika, Südafrika, Japan und Israel, sagte Cornelius Brach, Sprecher der Treffen und Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland. Das Leipziger Szenetreffen der Grufties, wie die Anhänger der Schwarzen Szene auch genannt werden, gilt seit Jahren als größtes seiner Art weltweit.
Fast 200 internationale Künstler sind für das Festival-Programm gebucht. Unter anderem werden auf den Musikbühnen Alien Sex Fiend, Brendan Perry, Ex-Sänger bei Dead Can Dance, Lacrimosa und Veljanov erwartet. Zum Festival-Programm gehören unter anderem auch Ballett- und Opernaufführungen, Gottesdienste, Lesungen und Rollenspiele. Die Veranstaltungen finden an etwa 40 verschiedenen Orten statt, die sich über die ganze Stadt verteilen, wie die Moritzbastei, die Krypta des Völkerschlachtdenkmals, die Kuppelhalle des Volkspalastes oder etwa das Leipziger Opernhaus.
Das erste Wave-Gotik-Treffen war 1992 in einem Szeneclub ausgetragen worden. Seitdem strömen jedes Jahr Menschen aus der ganzen Welt nach Leipzig. Tatsächlich liegt nach Angaben der Stadtverwaltung die Hotelauslastung rund um die Pfingsttage bei 98 Prozent. Das sei seit einigen Jahren so, sagt Rathaussprecher Steffen Jantz. Leipzig verzeichne an den Feiertagen insbesondere bei Hotels, Gastronomie und Kultur Umsätze von etwa 15 Millionen Euro.
Gottesdienste am Pfingstsonntag
Die zwei Gottesdienste in der Peterskirche seien ein Angebot, den christlichen Glauben "aus erster Hand" kennenzulernen, und zugleich ein Zeichen gegen das Klischee, dass die Anhänger der Szene mit Satanisten gleichzusetzen sind, teilte der Freundeskreis "Gothic Christ" in Leipzig mit. Christlicher Glaube und "schwarze Kultur" schlössen sich nicht automatisch aus.
Die beiden Gottesdienste, die nun bereits zum sechsten Mal von Laien gestaltet werden, stehen den in diesem Jahr unter dem Thema "Leben. Zwischen Anfang und Ende". Die neugotische Peterskirche biete dabei jene zeitlose Atmosphäre, die Gotikfans liebten, hieß es. In den vergangenen Jahren seien etwa 600 Menschen zu den Veranstaltungen am Pfingstsonntag gekommen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







