Nach tödlichem Übergriff in München: So sicher sind Fahrgäste in NRW
zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 07:19Düsseldorf (RP). Nach dem tödlichen Übergriff auf einen Münchener S-Bahn-Fahrer fordern Politiker, Bahnhöfe und Züge besser zu überwachen. In NRW versuchen Verkehrsbetriebe und Städte gemeinsam, die zunehmende Gewalt in den Griff zu bekommen. Ein Überblick.
Es ist ihr erster Job seit langem, den sieben Duisburger heute bei der örtlichen Verkehrsgesellschaft DVG antreten. Ein Jahr lang werden sie von DVG-Mitarbeitern darin geschult, Bahn-Passagiere zu beraten, ihnen in den Zügen zur Hand zu gehen, bei Konflikten zu schlichten und notfalls die Polizei zu alarmieren. Danach werden die sieben, wenn alles gut läuft, dauerhaft zu den 46 Sicherheitskräften stoßen, die schon jetzt für die DVG arbeiten.
Jobs zu schaffen ist das eine Ziel des Duisburger Projekts, das seit zweieinhalb Jahren läuft. Ein anderes lautet: die Sicherheit in den Bahnen zu erhöhen. Anlass für solche Projekte geben nicht nur Gewalttaten wie der tödliche Übergriff auf einen S-Bahn-Fahrer in München.
Immer mehr Gewalt in Zügen
Auch in NRW stellt die Bundespolizei einen kontinuierlichen Anstieg der Gewaltkriminalität in Zügen und auf Bahnhöfen fest. Lag die Zahl der Körperverletzungsdelikte 2006 bei 1855, waren es 2007 schon 1900, im vergangenen Jahr sogar 2053 Fälle. Und der Trend scheint sich fortzusetzen. Im Bereich der Inspektion Düsseldorf, der Region zwischen Mönchengladbach und Oberhausen, stieg die Zahl der Delikte vom 1. Januar bis zum 31. August von 375 auf 449 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Bundespolizeisprecher Jens Flören bezeichnet die Situation dennoch als "nicht besorgniserregend". Der Anstieg könnte eine erhöhte Anzeigebereitschaft oder die Zunahme von Fällen einfacher Körperverletzung dokumentieren. Jörg Radek, der bei der Polizeigewerkschaft GdP für die Belange der Bundespolizei zuständig ist, verweist zudem darauf, dass es "in NRW eine Reihe vorbildlicher Sicherheitsprojekte auf Bahnhöfen gibt".
Kamerabewachung auf Bestellung
In Düsseldorf zum Beispiel werden laut Rheinbahn sämtliche 17 U-Bahn-Haltestellen von Kameras überwacht. Insgesamt sind an Haltestellen rund 300 Kameras im Einsatz. 15 gibt es derzeit in Straßenbahnen, bis Ende des Jahres sollen noch 40 Stück in den U-Bahnen dazukommen. Die Kameraausstattung der Busse und Bahnen allein kostet die Rheinbahn rund 4,5 Millionen Euro. Teilweise können die Fahrgäste schon jetzt per Knopfdruck die Leitstelle informieren, die sich dann über die Kameras in den Zug zuschaltet.
Zusätzlich sorgen an den U-Bahnhöfen 65 ausgebildete Sicherheits- und Servicekräfte für Ordnung. An einigen U-Bahn-Haltestellen gibt es zudem "Sicherheitsinseln", markierte Bereiche, auf den sich ein Fahrgast stellen und per Knopfdruck seine "Kamerabewachung" durch die Leitstelle beantragen kann.
Ein-Euro-Kräfte auf Patrouille
In Bonn hat die SWB Bus und Bahn an ausgewählten Bahn-Haltestellen 310 Kameras installiert, deren Bildmaterial für 48 Stunden aufgezeichnet wird. Es gibt 85 Notrufsäulen. Aktiviert jemand den Notruf, wird die Zentrale auf die Kamera aufmerksam gemacht, die auf die betroffene Haltstelle gerichtet ist.
In Wesel haben Stadt, Deutsche Bahn und die Arge Kreis Wesel vor drei Jahren eine Ordnungspartnerschaft ins Leben gerufen: Zwölf Ein-Euro-Kräfte sind seitdem in Dreierteams zwischen 6 und 22 Uhr am Bahnhof unterwegs. Schulung und Dienstkleidung für die Mitarbeiter eingerechnet, gibt Wesel jährlich eine fünfstellige Summe für den Dienst aus. Das zahlt sich aus: "Wir hatten früher große Probleme mit Vandalismus, die Täter sehen wir inzwischen seltener", sagt Detlef Heinz, Teamleiter der Bahnhofsstaffel.
30 Millionen Sanierungskosten
Auch unter den Heimkehrern von Fußballspielen gehe es ruhiger zu. Ähnlich hört sich die Bilanz aus Dinslaken an. Seitdem dort Ein-Euro-Kräfte im Einsatz sind, die zwischen acht und 18 Uhr ein Auge auf das Bahnhofsgelände haben, seien Rangeleien deutlich seltener geworden, so ein Stadtsprecher.
Wie stark die Zahl der Gewaltdelikte in NRW ohne Projekte wie diese angestiegen wäre, mag niemand zu sagen. Vandalen dagegen scheinen sie nachweislich abzuschrecken. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zum Beispiel zahlt pro Jahr rund 30 Millionen Euro, um Graffiti zu entfernen oder andere Beschädigungen an den Bahnen zu reparieren. Und diese Zahl, immerhin, stagniert.
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