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Kriminalitätsstatistik 2010 vorgestellt: So viele Straftaten im Netz wie nie zuvor

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 20.05.2011 - 12:57

Berlin (RPO). Hackerangriffe auf Unternehmen, Phishing beim Online-Banking - die Liste von Kriminalitätsfällen im Internet ist lang. Und sie wird immer länger, wie die aktuelle Kriminalitätsstatistik zeigt. Demnach erreichte die Zahl der Straftaten im Netz im vergangenen Jahr einen Rekordwert. Die Polizei kann aber auch Gutes vermelden: Insgesamt ist Deutschland laut Statistik sicherer geworden.

Es ist gerade einmal ein paar Tage her, da mussten zehntausende Sony-Kunden um ihre Daten fürchten. Unbekannte hatten sich Zugriff auf die Plattform Playstation Network verschafft und sich Zugang zu Kundendaten verschafft. Und am Donnerstag war bekannt geworden, dass es eine neue Sicherheitslücke bei Sony gibt.

Der Angriff auf das Unternehmen ist kein Einzelfall. Auch gewichtige Einrichtungen wie die britische Marine sind schon einmal Opfer eines Hackerangriffs geworden. Nicht zu vergessen ist zudem der Wurm Stuxnet, der dem Iran und seiner Atomanlage Probleme bereitete. Auch der ganz normale Bürger muss sich etwa bei Bankgeschäften gegen Angriffe im Netz wehren.

Und so verwundert es kaum, dass die Polizei immer mehr Straftaten im Internet registriert. Der Anstieg allerdings ist enorm. Im vergangenen Jahr nahm er im Vergleich zu 2009 um 8,1 Prozent zu, ein neuer Rekordwert. Insgesamt verzeichnete die Polizei im Netz knapp 225.000 Straftaten, wie aus der Kriminalitätsstatistik hervorgeht, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. In 80 Prozent der Fälle sei es dabei um Betrug gegangen.

Friedrich für Vorratsdatenspeicherung

"Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden", sagte denn auch Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der Präsentation und plädierte abermals für eine entsprechende Vorratsdatenspeicherung. "Die nahezu ungebremsten Möglichkeiten, die das Internet eröffnet, schaffen spiegelbildlich auch mehr Anreize und Möglichkeiten zu ihrer missbräuchlichen Nutzung", so der Minister.

Politisch allerdings stehen die Chancen dafür im Moment schlecht. Das Bundesverfassungsgericht hatte eine entsprechende Regelung im vergangenen Jahr gekippt, die FDP spricht sich gegen eine Vorratsdatenspeicherung aus. Und so plädierte Boris Rhein, hessischer Innenminister und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, dafür, entsprechende Fachkommissariate in den Ländern einzurichten - so, wie es in Hessen bereits der Fall ist.

Diebstahl spielt aber auch außerhalb des Internets noch immer eine große Rolle. Laut den Angaben der Polizei dominieren diese mit einem Anteil von 38,8 Prozent weiterhin die Kriminalitätsstatistik, auch wenn sie um fast zwei Prozent gegenüber 2009 zurückgegangen sind. Und ganz vorn dabei bleiben die Einbrüche. Auch hier musste die Polizei im vergangenen Jahr abermals einen Anstieg verzeichnen - um 6,6 Prozent. Die Aufklärungsquote bei diesen Straftaten lag aber nur bei 16 Prozent.

Niedrigster Stand der Straftaten seit Wende

Doch insgesamt vermeldet der Innenminister gute Nachrichten. Denn die Zahl der registrierten Straftaten ging im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung zurück. Erstmals wurde die Sechs-Millionen-Grenze unterschritten, im Vergleich zu 2009 ging die Zahl der Straftaten um zwei Prozent zurück. Und auch bei der Aufklärungsquote wurde mit 56 Prozent der beste Wert seit der Einführung der gesamtdeutschen Kriminalitätsstatistik im Jahr 1993 erreicht.

Auch bei den Gewalttaten ist demnach erneut ein Rückgang festzustellen - um 3,5 Prozent, ebenso die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen - insbesondere bei den Gewalttaten. Allerdings bleibt bei dem einen oder anderen diesbezüglich ein bitterer Nachgeschmack, wenn man an die Überfälle in den Berliner U-Bahnen denkt. 

Darauf verweist auch der Innenminister. "Der erneute Rückgang der Fallzahlen bei der Jugendkriminalität ist erfreulich, aber kein Grund zu einer Entwarnung. Das haben beispielsweise die jüngsten brutalen Überfälle auf Berliner U-Bahnhöfen wieder erschreckend deutlich gemacht", sagte Friedrich. Die rückläufige Entwicklung setze auf einem hohen Niveau an, da sich die Zahlen der Jugendgewalt zwischen 1993 und 2008 verdoppelt hätten.


 
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