Das Wunder von New York: So wurden die Tragflächen zu Schwimmflügeln
zuletzt aktualisiert: 16.01.2009 - 14:58Paris (RPO). Das Wunder von New York – die Wasserlandung auf dem Hudson gehört zu den spektakulärsten Ereignissen der jüngeren Luftfahrtgeschichte. 155 Passagiere überlebten das Drama. Was auf den ersten Blick unglaublich erscheint, wird durch die Konstruktion moderner Flugzeuge möglich: Für eine begrenzte Zeit können sie schwimmen und segeln.
"Die Maschine setzte mit rund 150 Stundenkilometern auf, nach dem Eintauchen wurde sie in drei, vier Sekunden auf null abgestoppt", sagt Stefan Levedag, Luftfahrtexperte der TU Braunschweig. "Ich kann mich an keinen vergleichbaren Fall erinnern." Selbst für Wissenschaftler ist der Flugzeugabsturz von New York ein Wunder.
Doch was auf den ersten Blick unglaublich erscheint, wird durch die Konstruktion moderner Passagiermaschinen wie dem Airbus 320 möglich: Vom exakt steuerbaren Segelflug bei ausgefallenen Triebwerken bis zur "Schwimmfähigkeit", zumindest für eine begrenzte Zeit.
Die Tragflächen übernehmen im Wasser die Funktion von Schwimmflügeln. Dennoch enden fast alle Wasserlandungen in einem Desaster mit Toten, wie zuletzt am 27. November, als ein Airbus A320 vor der französischen Küste ins Mittelmeer stürzte.
Ein Flugzeug kann schwimmen wie ein Schiff
Eine Chance gibt es nur, wenn die Crew perfekt reagiert und manövrieren kann. "Denn man muss den Flieger vor dem Eintauchen abbremsen und mit dem Heck aufsetzen", sagt Levedag. Wenn, wie am Donnerstag, beide Triebwerke ausfallen, kann der Pilot die Maschine mit Luftbremsen abstoppen. "Aber wird er zu langsam und der Auftrittswinkel zu steil, kann der Apparat zerbrechen."
Das gleiche geschieht, wenn ein Flügel, ein ausgeklapptes Fahrwerk oder die Nase ins Wasser tauchen. Die Kräfte werden einfach zu groß. Zwar könnten Passagiere den Aufschlag dennoch überleben. "Aber dann sinkt die Maschine in Minuten. Die Menschen ertrinken, ob sie nun bewusstlos in ihren Sitzen gefangen sind oder nicht." Eine Wasserlandung bleibe in jedem Fall "sehr, sehr gefährlich".
"Wenn man verhindern kann, dass das Flugzeug voll Wasser läuft, schwimmt es wie ein Schiff", sagt Bill Waldock von der Luftfahrt-Universität in Prescott, Arizona. Der Auftrieb kommt von der Luft im Rumpf und den Laderäumen. Und von den Flügeln, selbst wenn es dem Piloten nicht gelingt, die Treibstofftanks zu leeren. Denn das Kerosin ist leichter als Wasser. "Auch die Notrutschen können als Schwimmhilfen eingesetzt werden, wie es am Donnerstag geschehen ist."
Für den Superjumbo A380 hätte es knapp werden können
Passagiere der Unglücksmaschine berichteten live per Telefon, ihnen stehe das Wasser schon bis zu den Knien. Ihnen rettete die Crew das Leben, die keine Panik aufkommen ließ. Wären die Kabinentüren geöffnet worden, wäre der Airbus vollgelaufen und untergegangen. Doch die Passagiere konnten durch Notausgänge über den Flügeln auf die Tragflächen klettern - und von herbeieilenden Fähren und Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.
Möglich wurde die glückliche Notlandung auch durch das ruhige Wasser auf dem eisigen Hudson, auf rauer See führt oft ein asymmetrisches Eintauchen von Flugzeugteilen zum Desaster. "Hinzu kommt noch, dass der Pilot einen geraden Flussabschnitt erreicht hat", sagt Levedag. "Der Hudson fließt ja nicht immer ohne Schleifen."
Grundsätzlich hätten alle Maschinen, ob von Airbus oder Boeing, derzeit eine vergleichbare Schwimmtauglichkeit. Um die geforderte Crashsicherheit zu erreichen, haben die Flugzeuge Knautschzonen, die sich zur Energieabsorption verformen - ob beim Aufschlag an Land oder auf dem Meer. Selbst der Superjumbo A380 könnte auf dem Wasser landen. "Dass Problem wäre nur", sagt Levedag, "dass man für den Riesenvogel eben auch für die Wasserlandung mehr Platz bräuchte."









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