Mutmaßlicher KZ-Scherge Demjanjuk: Sohn klagt deutsche Behörden an
zuletzt aktualisiert: 16.04.2009 - 08:34München (RPO). Der Sohn des mutmaßlichen KZ-Aufsehers Iwan John Demjanjuk erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden. Sein Vater würde sehr wahrscheinlich bereits auf dem Flug nach Deutschland sterben, sagte John Demjanjuk junior einer deutschen Tageszeitung.
Die Justizstellen, die seinen Vater in München wegen Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vor Gericht bringen wollen, betrieben den Prozess gegen den 89-jährigen in voller Kenntnis der Lebensgefahr, die seinem Vater drohe, erklärte Demjanjuk junior der "Süddeutschen Zeitung".
Sein Vater würde aus gesundheitlichen Gründen wahrscheinlich schon den Flug nach Deutschland nicht überleben, betonte der 42-Jährige. Dies müsse den deutschen Behörden bewusst sein.
Die deutschen Behörden wüssten, dass sein Vater prozessunfähig sei. "Wir haben alle Informationen rübergeschickt, Gutachten von vier Fachärzten, inklusive der Blutwerte", sagte Demjanjuk junior.
Der Sohn des Ex-Ukrainers hatte am Dienstag dafür gesorgt, dass die Abschiebung seines Vaters nach Deutschland zunächst gestoppt wurde, obwohl ein amerikanischer Arzt erklärt hatte, der Verdächtige sei transportfähig.
Demjanjuk wird Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen zur Last gelegt. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört haben. Demjanjuk muss sich in München vor Gericht verantworten, da er vor seiner Auswanderung in die USA in der Nähe der bayerischen Landeshauptstadt lebte.
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