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Sonnenfinsternis 2015
Andernorts ein Spektakel

Die Sonnenfinsternis 2015 in Deutschland
Die Sonnenfinsternis 2015 in Deutschland FOTO: dpa, sab
Düsseldorf. NRW schaute bei der Sonnenfinsternis am Freitag vielfach in den Nebel. An den meisten anderen Orten in Deutschland in Europa lieferte das Naturereignis den Schaulustigen ein Spektakel mit Garantie auf Nackenstarre. Im Internet vibrierten die sozialen Netzwerke. Einen ironischen Spaß machten sich viele daraus, die Sonnensichel als Beweis für die Islamisierung des Abendlandes zu deuten. Von Philipp Stempel

Ab halb zehn morgens steuerte Sofi-Deutschland ungebremst auf den lang erwarteten Höhepunkt zu. Über Tage hatte sich die Spannung auf das Naturereignis angesammelt, die Schutzbrillen waren schon Tage zuvor ausverkauft. Gegen 12 Uhr mittags war dann alles vorbei. 

Vor allem in NRW überwog die Enttäuschung. In weiten Teilen des Landes konnten die Menschen kaum einen Blick auf Sonne und Mond werfen, weil Hochnebel die Sicht verbarg. In Düsseldorf fuhren die Autos mit Licht - das war's. Auch vom 14. Stock des Verlagshauses in Düsseldorf Heerdt war lediglich zu sehen, wie der milchige Himmel etwas grauer wurde und anschließend wieder aufhellte. Den Kontrast aus Hell und Dunkel illustriert unser Video.

FOTO: dpa, ppl pzi

Zumindest an einigen anderen Orten am Niederrhein oder im Ruhrgebiet war zeitweise die Kontur der Sonne zu erkennen. Beispielsweise in Mönchengladbach. Gegen 10.45 Uhr klarte der Himmel für kurze Zeit auf. Etliche Schaulustige hatten freie Sicht auf das Naturschauspiel. Viele Gladbacher nutzten die Chance und hielten den Moment mit der Kamera fest. Einige Aufnahmen zeigt unsere Bilderstrecke

Sonnenfinsternis: So stark verändert sich das Licht

Einige NRW-Schaulustige zog es am Freitag in der Hoffnung auf beste Sicht gar auf den Kahlen Asten - mit 842 Meter den zweithöchsten Berg des Bundeslandes. Aber auch dort vermieste das Wetter den Blick, ähnlich wie im Norden bei Hamburg oder Sylt. Von ihrer Lage her wäre die Nordseeinsel mit rund 83 Prozent Verdunkelung sogar der beste Ort zum Bestaunen der Sonnenfinsternis gewesen. Doch eine geschlossene Wolkendecke ließ nicht mehr zu als eine Ahnung von leichter Dämmerung. 

Sonst aber hieß es an etlichen Schauplätzen: bestes Wetter, bester Blick. Millionen von Menschen erfreuten sich am Freitagvormittag daran. Viele beobachteten durch gerade noch erhaschte Sonnenfinsternis-Brillen, wie der Mond sich langsam vor die Sonne schob. Andere drängten sich in Sternwarten. 

Bei der Berliner Archenhold-Sternwarte bildete sich schon vor Beginn des Himmelsschauspiels eine lange Schlange. Auch in Baden-Württemberg freuten sich Menschen über die "angeknabberte" Sonne: "Wir sehen die Sonnenfinsternis jetzt schon volle Kanne", sagte der Astronom Hans-Ulrich Keller gegen 10.00 Uhr begeistert. Er bot Führungen in der Sternwarte Welzheim bei Stuttgart an. Vom Baby bis zum Großvater sei alles in der Sternwarte vertreten. Das Maximum der Sonnenfinsternis war in Deutschland je nach Ort kurz nach 10.30 Uhr.

Fotos: Sonnenfinsternis-Fotos aus Mönchengladbach FOTO: Sabrina Fels

In der Volkssternwarte Hannover verfolgten rund 200 Menschen gespannt das Schauspiel, vor den vier Teleskopen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Sternwarte hatte sogar noch rund 50 der vielfach ausverkauften speziellen "Sofi"-Brillen im Angebot. Einige Schaulustige hatten sich aus Kartons ihren Schutz selbst gebastelt.

Selbst die Funktionäre des FIFA-Exekutivkomitees wollten sich die Sonnenfinsternis nicht entgehen lassen. Mehrere Vertreter des Fußball-Weltverbandes nutzten eine Sitzungspause in Zürich, um das Naturschauspiel zu verfolgen.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es in Deutschland somit nicht, lediglich etwas düster.

Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Allerdings schob sich im entscheidenden Moment auch dort eine Wolkendecke vor die Sonne. Durch ihre Spezialbrillen konnten Tausende Urlauber in der Hauptstadt Tórshavn die Sonne immerhin noch als leuchtend orangene Sichel bewundern. "Es ist schon ein seltener Anblick und beeindruckend zu sehen, wie das Tageslicht innerhalb weniger Minuten ausgeht und wieder angeht", sagte Christoph Hennigfeld aus Düsseldorf, der mit seiner Frau auf die Färöer-Inseln gereist war.

Auch in sozialen Netzwerken im Internet sammelten sich schnell Tausende Bilder von dem Naturereignis. Beobachter aus ganz Europa twitterten Fotos, darunter spektakuläre Motive aus Spitzbergen, sarkastisch kommentierte Bilder vom Grau in NRW oder auch Projektionsversuche mit selbstgebauten Lochkameras.

Naturgemäß kommentierten etliche Nutzer das Ereignis auch mit launigen Sprüchen. Als besonders beliebt erwies sich der Verweis auf die islamkritische "Pegida"-Bewegung und deren Warnung vor einer "Islamisierung des Abendlandes". Die schmale Halbsichel der Sonne diente nun etlichen als satirische Steilvorlage für einen vermeintlichen Beweis, dass "Pegida" wohl doch recht gehabt haben müsse.

Das deutsche Stromnetz bestand derweil den Stresstest Sonnenfinsternis nach Einschätzung der Betreiber mit Bravour. Bundesweit habe es keine Engpässe oder Stromausfälle (Blackouts) gegeben, berichteten am Freitag übereinstimmend die Betreiber der großen Stromautobahnen. "Uns fällt ein großer Stein vom Herzen. Alles lief wunderbar", meinte der Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz, Dirk Biermann, am Freitag in Neuenhagen bei Berlin. 

Mit Material von dpa

(rpo dpa)
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