Messe "Spiel 2009": Spielehersteller trotzen Krise
zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 17:28Essen (RPO). Die Wirtschaftskrise sorgt nicht überall für schlechte Bilanzen. Die deutsche Spieleindustrie zumindest kann sich über ein leicht wachsendes Geschäft freuen. "Gerade in der Krise kommt der Sinn nach Gemeinschaft auf", sagte der Vorsitzende der Fachgruppe Spiel der führenden deutschen Spieleverlage, Michael Hopf, am Mittwoch in Essen. In der Ruhrgebietsstadt starten am Donnerstag die Internationalen Spieltage.
Um ein Prozent legte der Umsatz mit Gesellschaftsspielen in den ersten neun Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahrszeitraum zu, wobei die Kinderspiele mit einem Plus von zehn Prozent besonders gut abschnitten. Mit rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz sind die Spiele die größte Produktgruppe im deutschen Spielzeugmarkt mit einem Anteil von rund 18 Prozent.
Über 600 Spieleneuheiten
Angesichts von mehr als 600 Neuheiten, die auf den diesjährigen Spieltagen vorgestellt werden, zeigte sich die Branche auch für das anstehende Weihnachtsgeschäft zuversichtlich. Es ist für die Spieleindustrie der wichtigste Teil des Geschäftsjahres, in dem rund zwei Drittel des Umsatzes eingefahren werden.
Zahlen des Spielemarktes:
-- Jahresumsatz mit Gesellschaftsspielen: rund 500 Millionen Euro
-- Spiele sind damit die größte Produktgruppe im Spielzeugmarkt
-- die Essener Spieltage sind die größte Publikumsmesse für Spiele
-- in diesem Jahr werden über 600 Neuheiten vorgestellt
-- rund 150 000 Besucher kommen zu der jährlichen Veranstaltung
Traditionell sind die jährlichen Essener Spieltage, die nach Veranstalterangaben größte Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele, das Testfeld für diese Neuheiten. Diese werden dort von erwarteten rund 150.000 Besuchern unter die Lupe genommen. Auf der bis Sonntag dauernden Veranstaltung wird auch der Deutsche Spielepreis verliehen. Er geht diesmal an "Dominion" von Donald Vaccarino.
Deutsche Spielepreis an "Dominion"
Beflügelnd für das Weihnachtsgeschäft dürfte nach Erwartung der Branche auch der Einstieg von Lego in den Markt für Kinderspiele wirken. Der dänische Spielzeugriese hat zehn Brett- und Würfelspiele entworfen, die sich mit den klassischen Legosteinen kombinieren lassen, und stellt sie auf der Messe vor. "Der Markteintritt von Lego unterstreicht, dass das Kinderspiel auch für die Zukunft noch Großes verspricht", sagte Hopf.
Zu den erfolgreichen Trends gehören den Veranstaltern zufolge Lizenzspiele, die auf Buch- oder Filmideen basieren. So kommt im Herbst eine Spieleversion von Donna Leons Detektivroman-Reihe "Commissario Brunetti" ebenso auf den Markt wie die Spielvariante von Ken Follets Bestseller "Die Tore der Welt". Aber auch Wissensspiele bleiben gefragt. Mit "Klimapoker" etwa gibt es jetzt ein Kartenspiel, das sich um Fakten rund um Kohlendioxid-Ausstoß, Klimaopfer und klimabedingte Umweltschäden dreht.
Deutschland ist größter Spielemarkt der Welt
Ein großer Teil der Neuheiten kommt dabei aus Deutschland, dem immer noch größten Spielemarkt der Welt. "Nirgendwo sonst wird so viel gespielt, nirgends sonst gibt es so viele Spieleautoren und Verlage", hob Dominique Metzler vom Bonner Friedhelm Merz Verlag, dem Spieltage-Veranstalter, hervor. Entsprechend gut verkauften sich Lizenzen deutscher Spiele ins Ausland: "International gesehen ist wohl keine deutsche Kulturindustrie erfolgreicher als die des Brettspiels", fügte Metzler hinzu.
Nach Angaben des Verlags spielen 40 Prozent der Familien hierzulande im Durschnitt ein bis zwei Stunden pro Woche Gesellschaftsspiele, jede fünfte Familie sogar bis zu vier Stunden. Ganz besonders spielbegeistert ist man demnach in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Am häufigsten spielen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren mit ihren Eltern oder Freunden.
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