Dalai Lama in Frankfurt zu Besuch: Spirituelle Unterweisung im Fußballstadion
VON BENJAMIN WÜNSCH, AP - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 20:56Frankfurt/Main (RPO). Er rät nicht zum Religionswechsel, sondern betont, dass Gläubige in ihrer eigenen Religion Erfüllung suchen sollten. Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, hat am Donnerstag in der Frankfurter Commerzbank-Arena seinen ersten Vortrag gehalten. Zu seinen Unterweisungen werden insgesamt über 40.000 Zuhörer erwartet.
Bereits um acht Uhr in der Früh strömen hunderte Dalai-Lama-Fans auf das Gelände um die Frankfurter Commerzbank-Arena. Händler haben am Donnerstag ihre Marktzelte aufgebaut. Es duftet nach Räucherstäbchen, aus Lautsprechern tönt Mönchsgesang. Spirituelle Bücher und buddhistische Devotionalien sind im Angebot aber auch jede Menge Kitsch. Vier Tage lang wird der Friedensnobelpreisträger in der Arena zu Gast sein. Religiöse Unterweisungen und Podiumsdiskussionen stehen auf dem Programm.
Der Besuch des Dalai Lama ist ein Event: Tickets für einzelne Lesungen gibt es ab 20 Euro. Wer die ganzen vier Tage dabei sein will, zahlt bis zu 244 Euro. "Der Kommerz stört mich eigentlich nicht. Das ist wohl einfach die Form, die nötig ist, wenn so viele Menschen eine Veranstaltung besuchen wollen", sagt Joachim Wetzky, der seit vier Jahren Buddhist und extra aus Berlin angereist ist.
Bühne vor der Fankurve
Unter die Besuchermassen gemischt hat sich auch der aus Sri Lanka stammende Bhante Dhammananda mit kahlgeschorenem Kopf und in braungelber Robe. Der Mönch gibt regelmäßig spirituelle Kurse in der Pagode Phat Hue. Lächelnd schlendert er nun über das wie zu einem Musikfestival geschmückte Gelände. "Es kommen viele Deutsche zu uns. Gerade auch gläubige Christen, die einmal etwas Neues ausprobieren wollen", sagt er. Sein Ordensbruder Bhante Punnaratan betont, dass die Persönlichkeit des Dalai Lama enorm dazu beitrage, dass der Buddhismus in Deutschland immer beliebter werde.
Gegen neun Uhr zieht es die Besucher ins Innere des Stadions. Vor der Stehplatz-Kurve, wo sonst Eintracht-Fans ihrem Team zujubeln, ist eine große Bühne aufgebaut. Der Hintergrund ist mit gelben und roten Stoffen verkleidet. In der Bühnenmitte steht ein Thron. Um diesen herum sitzen, im Gebet versunken, einige Dutzend Mönche. Unter großem Jubel betritt der Dalai Lama schließlich das Rampenlicht. Nach einigen Grußworten besteigt er den Thron, schlüpft aus seinen Sandalen und beginnt im Schneidersitz mit der spirituellen Unterweisung.
Stadion wirkt überdimensioniert
Die Stuhlreihen auf dem Fußballrasen sind gut gefüllt, auch auf den Tribünen haben einige Besucher Platz genommen. Insgesamt wirkt das Stadion dennoch arg überdimensioniert. Die Lautsprecher-Anlage schafft es kaum, die per Dolmetscher übersetzten Worte des Tibeters bis in die letzten Reihen zu tragen. Doch die Menschen hören gespannt zu. Der Dalai Lama versteht es, sie in seinen Bann zu ziehen.
Seine Ausführungen über "essenzielle Lebensfragen" und die "Schulung des Geistes" unterbricht er immer wieder mit herzhaftem Lachen. Und immer wieder betont er, dass es ihm nicht um Mission gehe. Vielmehr rate er jedem, zunächst in der Religion, mit der er aufgewachsen ist, nach Erfüllung zu suchen.
"Gerade diesen Gedanken der religiösen Toleranz finde ich toll", sagt Andreas Lenk aus München, als er nach der Lesung zur Mittagszeit wieder an den Marktständen auf dem Stadion-Vorplatz entlang läuft. Er sei zwar kein Buddhist, aber sehr von der charismatischen Persönlichkeit des Dalai Lama fasziniert und habe ihn schon immer einmal live erleben wollen. Nach der ersten Veranstaltung sieht er sich in seiner Faszination bestätigt.
Insgesamt 40.000 Besucher erwartet
Auch Silvia Mrohs-Mühl aus Herdecke, die sich seit mehreren Jahren intensiv mit den buddhistischen Lehren beschäftigt, ist zufrieden. "Allerdings hatte ich gehofft, dass der Dalai Lama etwas tiefer in den spirituellen Bereich eintauchen würde. Da merkt man dann doch, dass die Veranstaltung eher auf ein recht breites Publikum abzielt."
Der Dalai Lama ist noch bis zum Sonntag in der Frankfurter WM-Arena zu Gast. Für alle Veranstaltungen sind noch Karten erhältlich. Die Organisatoren rechnen mit insgesamt rund 40.000 Besuchern. Am Montag reist der Dalai Lama dann nach Marburg weiter. Dort soll ihm die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen werden.
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