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Sicherheit in Deutschland
Staat soll Einbruchschutz verordnen

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Nach Auswertung von Einbrecher-Aussagen fordert das Kriminologische Institut in Hannover staatliche Vorschriften zur Sicherung von Wohngebäuden. Problem könnten die hohen Kosten sein. Von Christian Schwerdtfeger

Häuser und Wohnungen sollen nach Meinung des Kriminologischen Forschungsinstituts (KFN) in Hannover durch staatliche Vorschriften möglichst flächendeckend mit mechanischen Sicherungen an Fenstern und Türen gegen Einbrecher geschützt werden. Das sei ein wichtiger Bestandteil effektiver Prävention, so Gina Rosa Wollinger, die für eine KFN-Forschungsarbeit 30 verurteilte Einbrecher befragen ließ. Sie regt eine Einbruchsschutzverordnung an - vergleichbar einer Brandschutzverordnung. Ein ungesichertes Fenster sei wie ein offenes Fenster, sagte ein kroatischer Einbrecher in der Studie.

Niemand darf sich überschulden

Die Polizei in NRW würde prinzipiell einen gesetzlich vorgeschriebenen Einbruchschutz begrüßen, weil dann die Zahl der Einbrüche deutlich zurückgehen würde. "Aber dafür muss ein sorgfältiges Gesamtkonzept her. Man kann das nicht pauschal verlangen. Jedes Haus muss schließlich anders gesichert werden - und die Kosten sind unterschiedlich hoch", sagte Erich Rettinghaus, NRW-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Wichtig sei es, dass Sicherheit für alle bezahlbar sei. Niemand dürfe sich wegen des Einbruchschutzes überschulden. "Gerade von älteren Menschen, die ein Leben lang für ihr Eigentum gespart haben, kann man nicht verlangen, dass sie einen Kredit aufnehmen müssen, um die Kosten für die Umrüstung zu bezahlen", so Rettinghaus. Die nordrhein-westfälischen Landtagsfraktionen von CDU und FDP wollten sich mit Verweis auf die laufenden Koalitionsgespräche nicht zu dem Thema äußern.

Das bedeuten die Gaunerzinken FOTO: RPO

In keinem anderen Bundesland wird durchschnittlich so oft eingebrochen wie in NRW. Zwar ging die Zahl der Wohnungseinbrüche 2016 erstmals seit vielen Jahren wieder um 15,7 Prozent von rund 62.400 Fällen auf 52.600 Fälle zurück. Das ist aber nach Einschätzung des Innenministeriums immer noch ein hoher Wert. Auffällig ist, dass jeder zweite Einbruchsversuch mittlerweile scheitert. Der noch amtierende Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte das unter anderem mit verbessertem Einbruchschutz an den Häusern. Jäger hatte die Bevölkerung mehrfach dazu aufgerufen, mehr in den Schutz ihrer vier Wände zu investieren.

Drei Sekunden für ein Kunststofffenster

Die Kriminellen bestätigten den Forschern, dass sie von Häusern mit gesicherten Fenstern und Türen in der Regel die Finger ließen beziehungsweise den Einbruchsversuch abbrechen würden. "Dann geht man einfach weg, weil das zu lange dauert, das ist nicht gut. Dann geht man lieber weiter und sucht was Leichteres", so ein Täter in der KFN-Studie. Besonders leicht aufzubrechen seien für die Kriminellen Fenster und Türen mit Kunststoffumrahmungen. "Ich sage es Ihnen so: Ein altes Haus, das ein Holzfenster hat, ist schwieriger aufzumachen als das Kunststofffenster", erklärte der Einbrecher. Nach spätestens drei Sekunden sei jedes Kunststofffenster geöffnet. Es gebe Täter, die sich speziell auf Häuser mit Kunststofffenstern spezialisiert hätten.

Tipps zum Schutz vor Einbrechern FOTO: Miserius, Uwe

Überwachungskameras und Alarmanlagen schrecken der Studie zufolge Einbrecher nicht ab. Nur sehr vorsichtig handelnde Täter, die noch über keine große Einbruchserfahrung verfügten, ließen sich davon beeindrucken. Die meisten aber würden diese Sicherheitstechnik kennen, die Qualität dieser Anlagen beurteilen und sie deshalb leicht außer Kraft setzen können - manchmal sogar nur mit stumpfer Gewalteinwirkung. "Eines Abends sah ich eine Alarmanlage am Haus, holte meine Brechstangen raus, brach sie ab, warf die Anlage ins Wasser, ging ins Haus rein", so ein in der Studie befragter Einbrecher.

Quelle: RP
 
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