Todesfall nach Schweinegrippe-Impfung: Staatsanwaltschaft ermittelt
zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 16:04Mühlhausen (RPO). In Thüringen hat erstmals die Staatsanwaltschaft wegen eines Todesfalls nach einer Schweinegrippe-Impfung die Ermittlungen aufgenommen. Oberstaatsanwalt Ulf-Dieter Walter sagte am Dienstag in Mühlhausen, dass seine Behörde im Fall des 66-jährigen Mannes ein Todesermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet habe.
Die Leiche des Mannes, der am Montag in Mühlhausen tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde, soll noch am Dienstag obduziert werden. Der Mann, der an einer chronischen Atemwegserkrankung litt, war am Freitag in seiner Hausarztpraxis gegen die Schweinegrippe geimpft worden. Die Obduktion soll nun klären, ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Tod des Mannes gibt. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet, weil der Arzt die Todesursache des Mannes nicht eindeutig feststellen konnte.
Institut sieht Ursache in Vorerkrankungen
Bisher hat sich nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gezeigt, dass alle Menschen, die nach der Impfung gestorben sind, bereits Vorerkrankungen hatten. Der vorletzte Fall betrifft einen 21 Monate alten Jungen, der einen Tag nach der Impfung gegen Schweinegrippe gestorben ist. Das Kind sei sehr schwer krank gewesen, sagte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts. Wegen eines angeborenen Herzfehlers und einer stark eingeschränkten Lungenfunktion habe der Junge kurz vor einer Lungen- und Herztransplantation gestanden.
Bei dem Fall eines 55-jährigen Mannes aus dem thüringischen Leinefelde, der nur wenige Stunden nach der Schutzimpfung verstorben sei, habe die Obduktion ergeben, dass der Mann bereits zuvor an einer unentdeckten Herzerkrankung gelitten habe. Laut Gutachten des Rechtsmedizinischen Instituts Jena gibt es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und Infarkt.
Der aktuelle Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts führt zudem noch den Tod einer 92-jährigen Frau auf, die an zwei aufeinander folgenden Tagen zunächst gegen die saisonale Influenza, dann gegen die pandemische Influenza geimpft worden war. Bekannt waren Bluthochdruck und eine leichte Nierenfunktionseinschränkung. Drei Tage nach der zweiten Impfung starb die Frau im Krankenhaus.
197 Fälle unerwünschter Reaktionen nach der Impfung
Laut PEI müssten alle diese Meldungen vor dem Hintergrund der "Gesamtmortalität der Bevölkerung" gesehen werden. "Würden eine Million Menschen, die repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind, geimpft, so wäre auf der Grundlage der Daten des Statistischen Bundesamtes (für das Jahr 2007) mit etwa 27 rein zufällig auftretenden Todesfällen innerhalb von 24 Stunden nach Impfung zu rechnen", erklären die Experten.
Dem Bericht zufolge könnten in Deutschland indessen "zwischen 1 bis 1,5 Millionen Dosen Pandemrix verimpft sein". Die Zahl der bisher gemeldeten Verdachtsfälle mit unerwünschten Reaktionen nach der Impfung stieg seit Anfang November bis Ende vergangener Woche von 59 auf 197 sprunghaft an. Am häufigsten sei über Lokalreaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzhaftigkeit, Rötung, Schwellung und Allgemeinreaktionen wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Muskel- oder Gliederschmerzen, Übelkeit oder Lymphknotenschwellung berichtet worden.
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