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Extremistischer Islam-Prediger
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Salafisten

Islam-Kundgebung in Frankfurt
Islam-Kundgebung in Frankfurt FOTO: dapd
Köln (RPO). Der Kopf der extremistischen Salafisten-Gruppe "Die wahre Religion", Ibrahim Abou-Nagie, ist ins Visier der Kölner Staatsanwaltschaft geraten. Der Islam-Prediger steht im Verdacht der Volksverhetzung, des öffentlichen Aufrufs zu Straftaten und der Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften.

Das bestätigte der Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf vor den Osterfeiertagen. "Herr Abou-Nagie muss jetzt gehört werden. Dann wird entschieden, ob Anklage erhoben wird", sagte Wolf.

Ibrahim Abou-Nagie gilt als einer der führenden Köpfe des deutschen Salafismus, der am schnellsten wachsenden radikalen Strömung innerhalb des Islam. Seine Gruppe "Die wahre Religion" gilt als integrations- und verfassungsfeindlich, sowie als Gewalt befürwortend.

In Videos verherrlichte Abou-Nagie den Märtyrertod im bewaffneten "Heiligen Krieg" und bezeichnete das islamische Rechtssystem, die Scharia, als dem Grundgesetz überlegen. Unter anderem sagte er: "Wenn jemand verheiratet ist und Unzucht begeht, der muss gesteinigt werden. Das sind Allahs Gesetze." In einem weiteren Video erklärte Abou-Nagie: "Möge Allah uns alle als Märtyrer sterben lassen."

Die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur begrüßte die Aufnahme der Ermittlungen gegen Abou-Nagie. "Ich hoffe auf einen Gerichtsprozess, damit endgültig deutlich wird, dass man mit Religion nicht jeden Hass legitimieren kann", sagte Dantschke.

Abou-Nagie sei einer der gefährlichsten, öffentlich auftretenden islamistischen Prediger Deutschlands und ein "geistiger Brandstifter". "Er macht sich selbst nicht die Hände schmutzig, aber vermittelt Kindern und Jugendlichen eine totalitäre Weltsicht und verwehrt ihnen damit ein selbstbestimmtes Leben als gläubige Muslime", sagte Dantschke.

Vom Geschäftsmann zum Extremisten

Eigenen Angaben zufolge kam Abou-Nagie mit 18 Jahren nach Deutschland, um hier zu studieren. Er sei zunächst ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen. Dann habe er beschlossen, sich voll und ganz dem Islam zu widmen.

Bei der Mehrzahl der deutschen Muslime gelten Salafisten wie Abou-Nagie als Extremisten, die den Islam für politische Ziele missbrauchen. Moscheevereine haben dem Prediger und seinen Mitstreitern der "wahren Religion" mehrfach Hausverbot erteilt und ihre in Moscheen geplanten Treffen nach Medienberichten und öffentlichen Protesten wiederholt abgesagt.

Die Ermittlungen gegen Abou-Nagie bedeuten für die radikal-islamische Szene einen weiteren Rückschlag. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Berliner Staatsanwaltschaft wegen eines Munitionsfundes Anklage gegen den radikal-muslimischen Ex-Rapper Deso Dogg erhoben hat - der Berliner hatte zuletzt häufig mit Vertretern der "wahren Religion" zusammen gearbeitet.

Auch gegen den salafistischen Verein "Einladung zum Paradies" um den bundesweit bekannten Prediger Pierre Vogel gehen die Behörden vor. Das Bundesinnenministerium prüft seit einigen Monaten die Einleitung eines Verbotsverfahrens. Auch Vogel hatte nach seiner Konversion zum Islam anfangs mit Abou-Nagie zusammengearbeitet, sich dann aber von dessen Gruppe getrennt.

Der Salafismus (auch: Salafiyya) war Ende des 19. Jahrhunderts eine islamische Reformbewegung. Seine Anhänger wollten sich auf den Kern der Religion zurück besinnen. Heute gilt die Strömung wegen ihrer strikten Auslegung des Koran als besonders fundamentalistisch. Viele setzen bei der Durchsetzung ihrer Ziele auf eine offensive, aber friedliche Missionierung.

Die sogenannten dschihadistischen Salafisten befürworten dagegen auch Gewalt, zum Beispiel zur Verteidigung islamischer Länder wie Afghanistan. Dem Salafismus zuzurechnende Terrororganisationen wie Al-Kaida propagieren und verüben auch Anschläge in westlichen Ländern.

(apd)
 
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