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Serie "Das Glück liegt im Garten"
Stammkapital

Serie "Das Glück liegt im Garten": Stammkapital
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Nettetal. Je älter, desto wertvoller: Ausgewachsene Bäume für den heimischen Garten werden immer beliebter. Die Anschaffung kann jedoch teuer werden. Von Verena Bretz

Eine ausladende Krone, die ordentlich Schatten spendet, und ein dicker, hoher Stamm - am liebsten schön verwachsen. So stellen sich die meisten Menschen den perfekten Baum vor. Nach dem Motto: je älter und knorriger, desto besser.

Dumm nur, dass die meisten Bäume so langsam wachsen. Gerade für Neu-Hausbesitzer ist das oft ein Problem: Da hat man sich für viel Geld ein großes Grundstück gekauft und ein tolles Haus gebaut. Und dann soll man Jahrzehnte warten, bis aus einem mickrigen Bäumchen ein stattlicher Baum geworden ist und der kahle Garten sich in eine grüne Oase verwandelt hat ...

Christian Lappen, Geschäftsleiter der Baumschule Lappen in Nettetal-Kaldenkirchen, bestätigt, dass auch Privatleute immer öfter nach ausgewachsenen Bäumen fragen. "Die meisten Kunden, die große Bäume haben möchten, wünschen sich einen Sichtschutz zum Nachbargrundstück - und den möglichst schnell." Es gebe aber auch den "Typ vermögender Unternehmer", der beispielsweise seine Firma verkauft hat und nun den Lebensabend im neu gebauten Haus mit Garten verbringen möchte. "Diese Kunden sagen mir dann: ,Ich kann nicht ewig warten. Ich werde vielleicht gar nicht mehr so lange leben, wie dieser Baum zum Großwerden braucht", erzählt der Fachmann.

Experten wie Christian Lappen haben die Lösung für solche Kunden. Denn dank professioneller Pflege und Vorbereitung in der Baumschule habe das Sprichwort "Einen alten Baum verpflanzt man nicht" nahezu an Gültigkeit verloren. So ein großer Baum hat allerdings seinen Preis: Eine deutsche Eiche zum Beispiel, zwölf bis 14 Meter lang mit einem Stammumfang von 1,20 Metern, kostet rund 18.000 Euro. Warum solche großen Bäume so teuer sind, wird schnell klar, wenn man sich anschaut, wie viel Aufwand und Energie die Mitarbeiter der Baumschulen in die Pflanzen investieren.

Die Methode, mit der Bäume auf ihren späteren Umzug vorbereitet werden, heißt "Verschulung" - die jungen Bäume werden quasi "erzogen". "Wir versetzen die Bäume regelmäßig im Vierjahresrhythmus", erklärt Christian Lappen. "Dabei werden die weißen Faserwurzeln, die sich sonst weit unter der Erde ausbreiten, jedes Mal teilweise gekappt. Sie bilden sich danach neu, und so entsteht ein dichter Wurzelballen." Genauso wichtig sei ein regelmäßiger Kronenschnitt. Als Grundregel gelte, dass ungefähr 70 Prozent der Feinwurzeln bei der Verpflanzung mitgenommen werden sollten. Denn sie sind für die Aufnahme des Wassers und der Nährstoffe zuständig und sorgen dafür, dass der Baum an seinem neuen Standort angeht und weiter wächst. Die Starkwurzeln hingegen, also die dicken Wurzeln im Ballen, verankern den Baum lediglich im Boden. "Sie sind im Gegensatz zu den Feinwurzeln ersetzbar, zum Beispiel durch Spanngurte oder Holzpfähle", erklärt Christian Lappen.

Verpflanzt werden die Bäume ausschließlich während der Winterruhe. Das ist der Zeitraum von etwa Mitte Oktober bis Mitte oder Ende April. Den Großteil der Arbeit übernehmen spezielle Maschinen. "Bei jüngeren Bäumen ist das Verpflanzen noch relativ unkompliziert, da schafft die Maschine rund 1000 Bäume am Tag", sagt der Fachmann. "Aber ab der fünften Verschulung wird es komplizierter, weil die Bäume einzeln umgesetzt werden müssen. Dann liegt das Limit bei 30 bis 40 Bäumen am Tag."

Wer sich für einen oder mehrere große Bäume entscheidet, muss aber nicht nur den Baum an sich bezahlen. Hinzu kommen die Kosten fürs Anpflanzen und den Transport. "Und so ein Baumtransport ist ein Schwertransport", erklärt Christian Lappen. Die Baumlänge sei nicht unbedingt das Problem, aber die Breite des Wurzelballens. "Die Kosten gehen enorm in die Höhe, wenn der gebundene Baum beispielsweise nur einen halben Meter breiter ist als gedacht." Ab etwa 3,50 Meter Breite rät er grundsätzlich von einem Transport ab. "Das wird dann einfach zu teuer." Am Beispiel der 18.000-Euro-Eiche hat Christian Lappen einmal alle Kosten addiert: "Angenommen, der Baum soll nach Düsseldorf transportiert und dort von Profis eingepflanzt werden, dann sollte sich der Kunde auf Kosten von etwa 23.000 Euro einstellen." Dafür hat er dann aber auch einen tollen Baum in seinem Garten stehen. Eine Anwachsgarantie gibt es jedoch nicht. "Bäume sind schließlich Lebewesen. Für ein problemloses An- und Weiterwachsen können wir nicht garantieren", betont Christian Lappen. "Auch, weil wir keinen Einfluss darauf haben, wie der Kunde später mit seinem Baum umgeht."

Wer nun den Wunsch verspürt, einen alten Baum auf seinem Grundstück zu verpflanzen, weil er ihm zum Beispiel die Sonne oder die Sicht nimmt, den müssen die Experten oft enttäuschen. "Meistens kann man diese Bäume nur um ein paar Meter versetzen, da sie viel zu groß sind, um über eine normale Straße transportiert zu werden", sagt Lappen. Außerdem ist das Risiko, dass sie nicht mehr anwachsen, sehr groß. Deshalb geschieht das Umsetzen meist nur bei großen Bauprojekten, um alten Baumbestand zu schützen. Solch eine Umpflanzung plant man am besten vier Jahre im Voraus. Jedes Jahr werden die Wurzeln an einer Seite gekappt, so dass sich neue Feinwurzeln bilden und der Ballen dichter wird. Nach dem Ausgraben und Transport des Baumes wird dieser am neuen Standort eingepflanzt. Anschließend werden die Wurzeln nachgeschnitten und versiegelt. In manchen Fällen gibt es noch eine Belüftungs- und Bewässerungsleitung und ein spezielles Substrat. Zur Stabilisierung des Baumes wird die Krone zurückgeschnitten. Abschließend wird der Baum verankert.

INFO Die Serie erscheint immer mittwochs und freitags.

Quelle: RP
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