| 16.56 Uhr

Interview mit Erzbischof Stefan Heße
"Die Enzyklika ist an die ganze Welt gerichtet"

Stefan Heße "Die Enzyklika ist an die ganze Welt gerichtet"
Stefan Heße spricht über die Umweltenzyklika des Papstes Franziskus. FOTO: centertv
Düsseldorf. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sieht in der Umweltenzyklika des Papstes Franziskus eine Neuerung, weil sie sich an die ganze Welt wendet und erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass das katholische Oberhaupt nicht nur Verhaltensregeln aufstellen, sondern vor allem an die fundamentalen Fragen zur Ökologie der Menschen rühren will. Von Lothar Schröder

Wie stark spiegelt die Umweltenzyklika das Denken von Papst Franziskus?

Heße Ich glaube, dass sein persönlicher Stil sichtbar wird, indem er, bei allem, was er sagt, sehr konkret wird. Und weil er vieles, was er denkt, ins politische Handeln überführt. Das bemerkenswerte ist, dass er die Enzyklika nicht nur an den Kreis der Kirche geschrieben hat, sondern an die ganze Welt. Das ist etwas Neues; aber ich finde es sehr gut. Zumal es auch auf der inhaltlichen Linie der Enzyklika liegt: Die Lösung der ökologischen Probleme kann die Kirche alleine nicht bewältigen. Und sie kann in diesen Dingen auch keinen Wahrheitsanspruch geltend machen.

Manche Botschaften betreffen vor allem die Menschen in den Industrieländern und ihre Art zu leben.

Heße Natürlich. Das ist seine Frage an uns: Wie lebst Du? Ich bin Erzbischof von Hamburg; und Hamburg ist flächenmäßig das größte Bistum in Deutschland. Da frage ich mich natürlich, wie ich mich fortbewege und wie oft ich ein Auto in Anspruch nehmen werde. Es gibt viele konkrete Herausforderungen für unseren Alltag. Durch die Enzyklika ist mir wirklich noch einmal bewusst geworden, dass unsere bisherigen Anstrengungen bei weitem nicht reichen. Wie leben wir in unserem gemeinsamen Haus? Aber Franziskus bleibt dabei nicht an der Oberfläche, sondern er fragt, von welchen Motiven wir uns treiben lassen und was unsere Moral ist. Die Ethik bindet er an den Menschen, und aus der Ethik entspringt dann das Handeln. Das sind keine Verhaltensmaßregeln. Er geht an die Wurzeln und wirft alle Fragen auf, die mit dem ökologischen Thema zu tun haben.

Tritt die Kirche mit der neuen Enzyklika noch stärker in die Welt hinaus?

Heße Der Papst möchte bei diesem Thema wirklich mit allen Menschen guten Willens und auch mit allen Religionen an einem Strang ziehen.

Lothar Schröder führte das Gespräch

Quelle: RP
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