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Kusch und Arnold kündigen Widerstand an
Sterbehelfer wollen sich Verbotsgesetz nicht beugen

Hintergrund: Fakten zur Sterbehilfe in Deutschland
Hintergrund: Fakten zur Sterbehilfe in Deutschland FOTO: ddp
Berlin. In Deutschland schwelt weiter der Streit um den Umgang mit der Sterbehilfe. In der Diskussion über ein strafrechtliches Verbot der Suizid-Beihilfe in Deutschland haben Befürworter der Beihilfe angekündigt, ihre Tätigkeit nicht einstellen zu wollen.

"Wir werden mit Sicherheit nicht am Tag des Inkrafttretens eines solchen Verbotsgesetzes unseren Verein in Hamburg schließen", sagte der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch der "Welt". Kusch, der Vorsitzender der Vereins Sterbehilfe Deutschland ist, räumte zwar ein, dass im Falle eines Gesetzes jeder der Beteiligten in dem Verein "für sich das strafrechtliche Risiko abschätzen und eine individuelle Entscheidung treffen" müsse. Aber "wir werden nicht einfach aufhören", sagte Kusch. "Und wenn ein Mitglied noch vor dem Inkrafttreten eines Gesetzes grünes Licht für die Beihilfe vom Verein bekommt, sehe ich nicht ein, dass wir in diesem Fall keine Sterbehilfe leisten."

Der von Kusch mit initiierte Verein Sterbehilfe Deutschland hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 29 seiner rund 300 Mitglieder Beihilfe beim Suizid geleistet. Diese Tätigkeit könnte unter Umständen strafbar sein, falls der von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erstellte Gesetzentwurf zum Verbot der gewerbsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung vom Bundestag beschlossen wird. Derzeit jedoch ist ein solcher Bundestagsbeschluss offen, weil zahlreichen Unionsabgeordneten der Entwurf nicht weit genug geht. Sie fordern, auch die bloß "organisierte", nicht kommerzielle Sterbehilfe unter Strafe zu stellen.

Ähnlich wie Kusch äußerte sich in der "Welt" der Arzt Uwe Christian Arnold, der nach eigenen Angaben seit 15 Jahren in rund 200 Fällen ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung von schwerstkranken Menschen geleistet hat. "Sollte ein Verbotsgesetz kommen, dann muss ich natürlich überlegen, wie ich mich weiter verhalte, aber nach jetzigem Stand ist für mich klar, dass ich mich nicht beugen will", sagte Arnold und fügte hinzu: "Ich werde, was ich für richtig halte und worum ich gebeten werde, auch weiterhin tun."

(KNA/felt)
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