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Lesbenmagazin "Straight"
Video mit Merkel-Double als Lesbe sorgt für Wirbel

Berlin. Dem Berliner Lesbenmagazin "Straight" ist ein PR-Coup gelungen: Ein Double von Bundeskanzlerin Angela Merkel spielt in einem Video-Clip eine Lesbe.

Dass die echte Angela Merkel von der "Ehe für alle" wenig begeistert ist, ist bekannt. Nun wirbt das neue Berliner Lesbenmagazin "Straight" mit einem Video-Clip, in dem ein Merkel-Double von einer jungen Frau umarmt wird, und bekommt dafür einige Aufmerksamkeit in Netz und Medien.

Das Video ist ein Hingucker. Das Radio läuft, die Kanzlerin steht am Fenster und tippt auf dem Handy herum. In den Nachrichten hört sie, dass die Menschen im katholischen Irland für die Homo-Ehe gestimmt haben. Dann schmiegt sich von hinten eine junge Frau zärtlich an sie. Natürlich ist es nicht die echte Angela Merkel, sondern eine ziemlich echt wirkende Doppelgängerin aus Polen. Die CDU-Chefin hat schon öfter deutlich gemacht, was sie von der "Ehe für alle" hält: wenig.

Das Ganze ist eine Werbeaktion eines neuen Berliner Lesbenmagazins namens "Straight". Der Clip wandert durch Netz und Medien. Was sagt Merkel dazu? "Die Bundesregierung hat den Videoclip zur Kenntnis genommen, kommentiert ihn jedoch nicht", erklärt ein Regierungssprecher am Mittwoch. Zum Thema Homo-Ehe heißt es: "Die Bundeskanzlerin hat ihre Haltung zu diesem Thema mehrfach öffentlich deutlich gemacht. Dem ist nichts hinzuzufügen."

"Wir wollten auf die Thematik der Homo-Ehe hinweisen und natürlich Frau Merkel dafür gewinnen", sagte Eva Werle, Sprecherin von "Straight". Herausgeberin ist die Journalistin Felicia Mutterer. Die Zeitschrift (4,90 Euro) startete am Mittwoch. Nächstes Jahr soll sie sechsmal erscheinen. Es ist nicht das erste dieser Art: Auch das "L-Mag" richtet sich an lesbische Leserinnen. Stadtmagazine wie die "Siegessäule" werden auch von Frauen gelesen.

"Straight" will offensichtlich mit verstaubten Klischees aufräumen, dass alle Lesben kurze Haare tragen und sich nur für Motorräder und/oder Katzen interessieren. Auf dem Titel posieren zwei hübsche Frauen. Es ist ein Magazin mit Lifestyle-Touch, das an die "Allegra" von früher erinnert. Themen sind beispielsweise ""Die Mütter entscheiden"- Ein Samenspender erzählt", "High Heels gegen Gummistiefel - Urban Gardening" oder "Kein Bock auf Stigma - Lesbische Frauen am Arbeitsplatz".

Das passt in den Zeitgeist. In der Netflix-Serie "Orange Is the New Black", die in einem Frauengefängnis spielt, gibt es viele lesbische Szenen. Die Hauptfigur Piper Chapman (Taylor Schilling) betrügt ihren Freund mit einer alten Flamme, die sie hinter Gittern wieder trifft. In Cannes gewann 2013 mit "Blau ist eine warme Farbe" ein Film über ein Frauenpaar. Dieses Jahr lief dort mit "Carol" eine Liebesgeschichte von Patricia Highsmith. Und die lesbische Comiczeichnerin Alison Bechdel schaffte es mit einem ihrer Werke bis an den Broadway.

Es ist ähnlich wie beim Thema Transgender, also Menschen, die ihr Geschlecht geändert haben wie Caitlyn Jenner. Lesben sind - vielleicht - auf dem Weg in den Mainstream. Das Coming-Out von Moderatorin Anne Will vor einigen Jahren dürfte dabei geholfen haben. Früher gab es nur wenige, die offen lesbisch waren wie Ulrike Folkerts und Hella von Sinnen. Wobei es auch immer noch einige Frauen "im Schrank" (Szenejargon) geben dürfte, wenn man davon ausgeht, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen homosexuell sind.

Heute schwimmt auch Hollywood auf der Toleranzwelle mit. Katherine Heigl, bekannt aus der Serie "Grey's Anatomy", ist im Kino in "Jenny's Wedding" zu sehen. Darin spielt sie eine Frau, die ihre Freundin heiraten will. Ein Magazin für Lesben wie "Straight", das wie eine der üblichen Frauenzeitschriften inklusive Modestrecke daherkommt, ist da ein kleines Puzzleteilchen. In einer Gesellschaft, die sich verändert.

(dpa)
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