Mai-Krawalle in Hamburg und Berlin: Straßenschlachten bis in die Nacht
zuletzt aktualisiert: 02.05.2008 - 06:11Berlin (RPO). Bis zum frühen Morgen ist es in Hamburg und Berlin immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. In Hamburg lieferten sich tausende linke Demonstranten stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Am späten Abend eskalierte die Lage auch in Berlin-Kreuzberg. Polizeipräsident Dieter Glietsch kam nur knapp einer Attacke von Demonstranten.
Die Autonomen machten am Donnerstagabend Jagd auf Glietsch, nachdem dieser an der Spitze eines Demonstrationszugs von Fotografen in ein Blitzlichtgewitter gehüllt worden war. Sie bewarfen ihn mit Flaschen, Steinen und Stühlen. Personenschützer brachten den Polizeipräsidenten, der unverletzt blieb, in einem ihrer Mannschaftswagen in Sicherheit.
Der wegfahrende Wagen wurde mit Steinen, Flaschen, Stühlen und Fahrrädern beworfen, ständig wurden Feuerwerkskörper gezündet. In der Folge wurden dutzende Demonstranten festgenommen, eine genaue Zahl konnte die Polizei zunächst nicht nennen. Insgesamt nahmen an den Demonstrationen und dem so genannten Myfest laut Polizeiangaben "tausende Menschen" teil.
Der Angriff auf den Polizeipräsidenten sei glimpflich verlaufen, sagte eine Sprecherin. Sowohl bei der Polizei als auch bei den Demonstranten gab es Verletzte, auch hier wurden zunächst keine Zahlen mitgeteilt. Bis 21 Uhr sei der 1. Mai friedlich verlaufen. Mit steigendem Alkoholpegel sei es dann zu Auseinandersetzungen gekommen.
6600 Gegendemonstranten
In Hamburg hatten sich bis zum Mittag in Barmbek laut Polizei zeitweise bis zu 6600 Gegendemonstranten versammelt. Die Organisatoren sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern. Zu dem Aufzug der rechtsextremen NPD versammelten sich etwa 1100 Anhänger, 400 mehr als angemeldet. Mehrere Busse mit NPD-Anhängern wurden von linken Gegendemonstranten angegriffen. Diese zertrümmerten mit Steinwürfen sämtliche Scheiben der Fahrzeuge.
Nach Informationen des NDR wurden von Teilnehmern der NPD-Demonstration auch Journalisten angegriffen, darunter ein Kamerateam des Senders. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften aus mehreren Bundesländern im Einsatz, konnte aber ein Aufeinandertreffen von NPD-Anhängern und Linken nicht verhindern. An einigen Stellen kam es zu Schlägereien zwischen rechten und linken Gruppen.
Auch nach dem offiziellen Ende der Gegendemonstration zogen nach Schätzungen der Polizei etwa 4000 meist vermummte Linksautonome in Gruppen durch die Straßen und griffen immer wieder Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an. Diese setzten Wasserwerfer ein. Die Lage entspannte sich laut Polizei erst am Abend etwas, als der Neonazi-Aufmarsch beendet wurde und die Rechtsradikalen abzogen. Bereits in der Nacht zuvor war es nach einer Walpurgisnacht-Demonstration von etwa 1000 Linksautonomen zu Krawallen gekommen.
Am Rande von Protesten gegen einen Aufmarsch der NPD in Nürnberg wurden nach Polizeiangaben aus einem Demonstrationszug Steine auf Polizisten geworfen. Neun Polizisten wurden leicht verletzt, sieben davon durch Steinwürfe. Auch neun Demonstranten mussten ärztlich behandelt werden, wie die Polizei mitteilte
Insgesamt beteiligten sich bis zu 9000 Menschen in Bayern an den Kundgebungen gegen Rechts. Zu der NPD-Demonstration kamen etwa 1500 Teilnehmer. Mehrere Teilnehmer wurden von der Polizei wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und Widerstands festgenommen. Störungsfrei verlief eine weitere Kundgebung gegen den NPD-Aufmarsch. Unter den bis zu 5000 Teilnehmern dort war auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU).
Bei einem Fackelzug von mehr als 100 Angehörigen der rechten Szene durch Cottbus nahm die Polizei 45 Menschen vorübergehend fest. Wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag mitteilte, hatten die vorwiegend aus Sachsen angereisten Rechtsextremisten die am späten Mittwochabend durch Notruf alarmierten Einsatzkräfte mit Raketen, Böllern, Fackeln und Pflastersteinen beworfen.
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