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  Foto: Kyodo News, AP
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Länder wollen sich nicht an Kosten beteiligen: Streit um Schweinegrippe-Impfung

zuletzt aktualisiert: 26.07.2009 - 14:59

Berlin (RPO). Die für Herbst geplante Impfung gegen die sogenannte Schweinegrippe in Deutschland hat am Wochenende einen Streit zwischen Bund und Ländern ausgelöst. Zwar bestellte Thüringen, das den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz innehat, stellvertretend bereits für rund 600 Millionen Euro Impfstoff, jedoch gibt es offenbar viele offene Fragen zur Verteilung und Finanzierung.

Die Länder wollen sich finanziell nicht daran beteiligen. "Wir werden sicherstellen, dass nichts an den Ländern hängenbleibt", sagte der Staatssekretär im thüringischen Gesundheitsministerium, Falk Oesterheld (CDU), am Wochenende. Es sei nicht einzusehen, dass im Fall einer Epidemie der Steuerzahler zur Kasse gebeten werde.

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) sagte: "Die Vorsorge ist eine gesamtstaatliche Aufgabe." Deshalb müsse sich der Bund zur Hälfte an den Kosten beteiligen. "Da stehen noch harte Verhandlungen an", befürchtet Oesterheld.

Krankenkassen werden zahlen

Die Bundesregierung versicherte, dass die Krankenkassen für den Kauf des Serums und das Impfen aufkommen werden. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD), sagte, die Kassen würden die Impfkosten übernehmen, die pro Person bei rund 30 Euro lägen. Jetzt sei es Aufgabe der Länder, "konkrete Impfkonzepte vor Ort" zu erstellen. "Sicher ist, geimpft werden muss so zügig und so preiswert wie möglich", sagte Schröder.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät als Vorsorgemaßnahme dazu, zunächst besondere Personengruppen, wie Menschen mit chronischen Krankheiten oder Beschäftigte im Gesundheitswesen zu impfen.

Chronisch Kranke sollen über Impfanspruch informiert werden

Dem "Spiegel" zufolge müssen nach Plänen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die gesetzlichen Krankenkassen chronisch Kranke über ihren Anspruch informieren. Aber die Versicherungen sammelten nicht die Daten aller Chroniker. Zudem lägen über die in der Impfverordnung der Bundesregierung genannten HIV-Infizierten, Fettleibigen oder Leberkranken keine Kenntnisse vor, heiße es bei den Kassen.

Zum anderen verfügten die Krankenversicherer zwar über Informationen zu Diabetikern, Asthmatikern, Herzkranken und Krebspatienten, dürften diese nach Einschätzung von Experten aber aufgrund des strengen gesetzlichen Schutzes von Sozialdaten nicht ohne Weiteres nutzen.

Söder kündigte an, in Bayern sollen die Impfungen vorrangig beim niedergelassenen Arzt erfolgen. Auch Gesundheitsämter würden Impfungen vornehmen. Oesterheld sagte, eventuell müssten mancherorts auch die Krankenhäuser helfen. Er räumte ein: "Jedes Land wird anders impfen. Wir haben glücklicherweise Zeit, das bis Mitte September zu klären."

Wirksamkeit wird bezweifelt

Die Wirksamkeit des Impfstoffes wird von Experten allerdings bezweifelt. "Ein Grippeimpfstoff hat erfahrungsgemäß einen Wirkungsgrad von 50 bis 60 Prozent, das heißt, jeder Zweite, der geimpft wird, ist geschützt", sagte Thomas Löscher vom Münchner Tropeninstitut.

Der Virologe Alexander Kekulé rechnet mit einem dramatischen Anstieg der Infektionen in Deutschland. Er gehe jedoch nicht davon aus, dass die Erkrankungen bedrohlich verlaufen werden. Die Warnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, es könne sich ein "Killer-Virus" entwickeln, bestätigten sich nicht.

Unternehmen verzichten auf Großveranstaltungen

Laut einer Umfrage der "Welt am Sonntag" reagieren auch die Unternehmen auf die Neue Grippe. Der Softwarekonzern SAP in Walldorf erklärte: "Wir haben bereits in der Vergangenheit größere Veranstaltungen auf den Prüfstand gestellt". Künftig sollen noch mehr Reisen durch Videokonferenzen ersetzt und so die Ansteckungsgefahr für Mitarbeiter verringert werden.

Beim Reifenhersteller Continental in Hannover heißt es: "Wir haben bereits Reisewarnungen ausgesprochen." Ein Pandemieplan liege bereit. Die Deutsche Telekom stattet ihre Techniker, die bei Kunden Telefonleitungen schalten müssen, mit Mundschutz und Desinfektionstüchern aus.

Quelle: DDP/felt

 
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