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Einkommen
Studie: Frauen verdienen nur die Hälfte

Einkommen: Studie: Frauen verdienen nur die Hälfte
Frauen erreichen durchschnittlich nur 49 Prozent des Bruttoeinkommens von Männern. FOTO: dpa, Andrea Warnecke
Berlin. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland sind einer neuen Studie zufolge deutlich größer als bisher gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Das Einkommen von Männern und Frauen in Deutschland klafft nicht nur beim Arbeitslohn deutlich auseinander, sondern auch bei anderen Einkunftsarten. Zudem erzielen Frauen über alle Einkommensarten hinweg nur die Hälfte des Einkommens der Männer, wie Stefan Bach, Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie erläuterte. Nur beim Einkommen aus Vermietungen liegen Frauen vorn.

Bei der Analyse der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigte Bach erstmals auch hohe Einkommen und Gewinn- und Kapitaleinkommen, außerdem Alterseinkommen und die Verteilung der Steuerlast. Mit 26,8 Millionen Frauen und 27,5 Millionen Männern habe die deutsche Steuerstatistik im Jahr 2007 fast gleich viele Frauen und Männer erfasst, erklärte Bach. Frauen hätten aber nur etwa 47 Prozent des gesamten Bruttoeinkommens der Männer erzielt. Auf das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen umgerechnet seien es 49 Prozent gewesen.

In den unteren Einkommensgruppen mit bis zu 25.000 Euro Bruttojahreseinkommen sind Frauen der Studie zufolge gegenüber Männern in der Mehrheit. Ab den mittleren Einkommen dominieren dann die Männer. Der Studie zufolge erzielen mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen ein Bruttoeinkommen von 40.000 Euro im Jahr. Von den Deutschen mit einem Bruttoeinkommen von über 75.000 Euro jährlich machen Frauen nur 20 Prozent aus. In der obersten Einkommensklasse ab 500.000 Euro Jahreseinkommen sind es nur noch 16 Prozent Frauen - allerdings haben die wenigen Frauen in dieser Einkommensregion laut Bach ein 16 Prozent höheres Einkommen als die Männer.

Einen ähnlich hohen geschlechtsspezifischen Einkommensabstand wie bei den Arbeitseinkommen gebe es auch bei Renten, Pensionen und Lohnersatzleistungen, erklärte Bach.

Einkommen aus Gewinn erzielen der DIW-Studie zufolge nur halb so viele Frauen wie Männer. Darunter fallen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, selbstständiger Arbeit und Gewerbebetrieben. Frauen erwirtschaften demnach insgesamt 27 Prozent des gesamten Gewinneinkommens und die Hälfte des durchschnittlichen Gewinneinkommens. Bei Einkommen aus Kapital und Vermietung ist die Kluft hingegen nicht ganz so groß, bei Einkommen aus Vermietungen haben Frauen nach Angaben von Bach sogar ein etwas höheres durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen als Männer.

Bei der Betrachtung der Steuerbelastung falle auf, dass Frauen zwar insgesamt weniger Einkommensteuer zahlten, der Rückstand zu den Männern gemessen an dem sehr großen Einkommensrückstand aber nicht so groß sei, wie zu erwarten. Grund sei das Ehegattensplitting, bei dem die meistens weniger verdienenden Ehefrauen das Einkommen der Ehemänner teilweise zugerechnet bekämen. Bis zu den mittleren Einkommen von rund 30.000 Euro zahlten verheiratete Frauen doppelt so hohe Steuersätze wie Ehemänner mit gleichem Einkommen.

"Frauen können nur die Hälfte des Einkommens von Männern erzielen"

Die Bundestagsabgeordnete der Grünen Ulle Schauws sagte unserer Redaktion: "Die DIW Studie zeigt, dass Frauen nicht nur durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Darüber hinaus können sie nur die Hälfte des Einkommens von Männern erreichen. Denn nicht nur das Gehalt, auch Rente und Arbeitslosengeld sind dementsprechend niedriger, aber die Steuern sind  im Vergleich für Frauen hoch. Dafür ist gerade das Ehegattensplitting ein wichtiger Faktor. Ein weiterer Grund, warum wir es endlich abschmelzen müssen. Der Grundsatz gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss endlich umgesetzt werden. Selbstverpflichtung, Freiwilligkeit und mehr Transparenz wie sie die Bundesregierung plant, reicht dazu aber nicht aus. Eine solche Symbolpolitik hilft den Frauen nicht. Deshalb fordern wir ein Entgeltgleichheitsgesetz mit verbindlichen Regelungen. Nur so können Entgeltregelungen überprüft und Entgeltdiskriminierungen beseitigt werden."

Der Einkommensvergleich beruht auf Daten aus dem Jahr 2007. Laut DIW gelten die Erkenntnisse aus diesem Jahr bis heute. Die Einkommenssteuerstatistik bildet den Angaben zufolge auch hohe Einkommen ab, die in anderen Studien häufig keine Rolle spielten. Dadurch erklärten sich die größeren Einkommensunterschiede gegenüber früheren Vergleichen.

(AFP)
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