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Studie
Besonders viele männliche Opfer bei Missbrauch in Kirche

Studie zu Missbrauch in Katholischer Kirche: Besonders viele männliche Opfer
Die Studie ist ein Teil des Forschungsprojekts der Deutschen Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch durch Geistliche. FOTO: dpa
Berlin. Eine neue Studie zeigt, dass der Anteil männlicher Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche deutlich höher ist als in anderen Institutionen.

Bei den untersuchten Fällen von sexuellem Missbrauch durch Priester, Ordensleute und andere Mitarbeiter der katholischen Kirche waren etwa vier von fünf Opfern (78,6 Prozent) männlich. Bei anderen Institutionen war nicht einmal jedes zweite Opfer männlich (45,1 Prozent), wie der zuständige Forschungsverbund am Montag in einer Zwischeninformation bekanntgab.

Die Studie ist ein Teil des Forschungsprojekts der Deutschen Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch durch Geistliche. Es handelt sich dabei um eine Auswertung von bereits veröffentlichten Untersuchungen aus verschiedenen Ländern.

Neben Deutschland gehören dazu mehrere westeuropäische Länder sowie unter anderem die USA, Kanada und Australien. Insgesamt zogen die Forscher für die Metaanalyse nach eigenen Angaben 40 Studien über die katholische Kirche und 13 über andere Einrichtungen heran. Das gesamte Forschungsprojekt, das aus sechs Teilprojekten besteht und im vergangenen Jahr begonnen wurde, soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

Mehrheit der Missbrauchsfälle geplant

Die Täter sind danach in erster Linie Gemeindepfarrer und andere Priester (über 80 Prozent). Laut Analyse weisen 29,6 Prozent der Täter eine emotionale oder sexuelle Unreife auf, 21 Prozent der Täter sind von einer Persönlichkeitsstörung betroffen, für 17,7 Prozent der Täter wurden Merkmale von Pädophilie angegeben. Alkoholabhängig seien 13,1 Prozent der Täter.

Bei der Mehrheit der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche handelt es sich laut Studie um geplante Handlungen (52,2 Prozent). Am häufigsten ereigneten sich Übergriffe demnach in der Wohnung des Täters (24,2 Prozent), am zweithäufigsten in einer Schule (12,8 Prozent), gefolgt von öffentlichen Plätzen (10,4 Prozent) und von Übergriffen vor oder nach dem Gottesdienst (9,3 Prozent) in der Kirche oder in angrenzenden Räumen.

Fast 15.000 Taten untersucht

Insgesamt haben die Wissenschaftler in den Studien 14.588 Taten untersucht. In 82,9 Prozent der Fälle gab es einen direkten Körperkontakt zwischen Opfer und Täter. Die Opfer litten nach der Tat überwiegend an psychischen Folgen wie Angststörungen oder Depressionen (64,2 Prozent), gefolgt von verhaltensrelevanten Folgen wie einem sozialen Rückzug (23,2 Prozent) und körperlichen Folgen wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen (12,6 Prozent).

Das Forscherkonsortium um den Psychiater und Forensiker Harald Dreßing will in den anderen Teilprojekten unter anderem Personal- und Strafakten auswerten. Zudem soll es eine biografische Befragung von Tätern und Opfern und einen Vergleich mit anderen Institutionen geben.

Als erste große Institution hatte die katholische Kirche in Deutschland bereits 2010 ein Konzept zur Entschädigung der Opfer von sexuellem Missbrauch vorgelegt. Demnach erhalten Betroffene, die durch Priester oder andere Mitarbeiter der katholischen Kirche missbraucht wurden, jeweils bis zu 5.000 Euro. In begründeten Einzelfällen werden auch höhere Summen gezahlt.

(gol/KNA)
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