Unterwegs in den Wäldern?: Suche nach Hessens Problembär
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 23.07.2008Dillenburg (RP). Hessens Problembär ist möglicherweise schon seit ein paar Wochen im Lahn-Dill-Kreis unterwegs. Das Tier, das zuletzt von mehreren Zeugen gesehen worden ist, tauchte nämlich bereits Anfang Juli im Polizeibericht des nur wenige Kilometer entfernten Bad Laasphe auf.
Dort gab es einen Hinweis, wonach ein Bär entwichen sei – möglicherweise aus einem privaten Gehege. Da das Tier aber nicht gesehen wurde, ging man diesem Hinweis nicht weiter nach. Nun will man die gestern noch unklaren Details um diesen Sachverhalt erneut überprüfen.
Thomas Hain (55), Leiter des Wildparks der Stadt Dillenburg und seit Jahrzehnten Jäger in den Wäldern seiner Heimat, wurde als Sachverständiger zu den Stellen gerufen, an denen Meister Petz aufgetaucht sein soll. Gemeinsam mit einem Experten aus einem Bärengehege aus Thüringen untersuchte er die Spuren, konnte aber keine eindeutigen Hinweise finden.
Hain ist aber inzwischen fest davon überzeugt, dass in den unendlichen Wäldern des Kreises tatsächlich ein Bär unterwegs ist. Und er präzisiert das noch: Nach den Beschreibungen der Zeugen geht er davon aus, dass es sich um einen jungen Braunbären handelt. Hain sagte gestern, auch ein Jäger habe berichtet, das Tier gesehen zu haben. Allerdings abends in der Dämmerung. Die Zeugen hält Hain insgesamt für glaubwürdig: „Die kennen die Tiere und verwechseln nicht ein Wildschwein mit einem Braunbären.“
Inzwischen ist wegen des Tieres ein Behördengerangel entstanden: Polizei, Ordnungsamt, Kreisverwaltung – man streitet derzeit, wer zuständig ist für Hessens Problembären, heißt es in Dillenburg.
Jäger, denen das Tier zufällig begegnet, dürfen es übrigens keinesfalls erlegen. Solange es keine entsprechenden Anordnungen der Behörden gibt, gilt ein Braunbär in Deutschland nicht als „jagdbares Wild“ und ist somit vom Gesetz geschützt. Außerdem scheuen die Jäger die heftige Kritik der Öffentlichkeit, wenn es es zum Abschuss kommen sollte. Die bei der Jagd in Deutschland üblichen Büchsen wären allerdings durchweg geeignet, einen Bären zu töten.
Was Spaziergänger tun sollten, die dem Bären zu Nahe kommen, kann man aus kanadischen Touristen-Broschüren für bärenreiche Gegenden lernen: Am besten ein Glöckchen am Handgelenk tragen – das vertreibt die Tiere.
Ansonsten: Nicht weglaufen, weil die Bären auf jeden Fall schneller sind und durch den rennenden Menschen animiert würden, ihm zu folgen. Und auch keinesfalls auf einen Baum klettern. Denn auch das können Bären besser. Am besten laut schreien, raten Kanadas Experten – oder tot stellen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







