340 Hinweise in Paderborn: Suche nach Kardelens Mörder läuft auch Hochtouren
zuletzt aktualisiert: 17.01.2009 - 14:55Paderborn (RPO). Im Mordfall der achtjährigen Kardelen aus Paderborn haben die Ermittler die Suche nach dem Täter am Samstag fortgesetzt. Nach Angaben der Polizei seien bislang 340 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, denen auch das Landeskriminalamt mit Hochdruck nachgehe.
Eine heiße Spur sei aber noch nicht gefunden worden, sagte Polizeisprecher Uli Krawinkel auf AP-Anfrage. Inzwischen sei auch die Spurensuche am Fundort der Leiche am sauerländischen Möhnesee abgeschlossen. Rund 8.000 Menschen nahmen am Freitagabend an einem Trauermarsch für die Achtjährige durch die Paderborner Innenstadt teil.
Eine mehr als 50-köpfige Mordkommission sucht inzwischen fieberhaft nach dem Täter. Sowohl am Möhnesee als auch in Paderborn und auf den Strecken zwischen beiden Orten haben die Ermittler Plakate aufgehängt und Flugblätter in Deutsch und Türkisch verteilt. Darin bitten sie Anwohner und mögliche Zeugen weiter um Hinweise zur Aufklärung des Verbrechens. Außerdem werden vor Ort intensive Befragungen vorgenommen. In die Ermittlungen sind auch Fallanalytiker des Landeskriminalamtes eingebunden, die Parallelen zu anderen Fällen untersuchen.
Aussage eines Anglers keine heiße Spur
Eine noch am Freitag als wichtige Spur bezeichnete Beobachtung eines Anglers, der am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr ein kleines Mädchen in rosafarbener Jacke in Begleitung eines Mannes an der Staumauer am Möhnesee gesehen haben will, entpuppte sich laut Polizei als nicht stichhaltig. Dies legten mehrere weitere sichere Zeugenaussagen nahe. Demnach soll die am Möhnesee gefundene Kleidung des Mädchens bereits am frühen Dienstagmorgen im Bereich der Staumauer gesehen worden sein. Daher könne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die Beobachtungen des Anglers mit dem Fall in Verbindung stehen.
Weitere Details zu bislang gewonnenen Erkenntnissen wollte die Polizei aus Rücksicht auf die Ermittlungen in dem Fall nicht nennen.
Das am Montag verschwundene Mädchen war am Donnerstag 60 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt am Möhnesee tot gefunden worden. Die Obduktion hatte ergeben, dass die Achtjährige sexuell missbraucht und erstickt wurde. Der Leichnam des Kindes wurde nach der Obduktion in der Gerichtsmedizin in Münster am Freitagmittag für eine Trauerfeier in den Räumen der islamischen Gemeinde in Paderborn aufgebahrt. Dort nahmen auch die Eltern des Mädchens Abschied von ihrer Tochter. Kardelens Mutter musste von zwei Frauen gestützt werden, auch ihr Vater war von der Trauer gezeichnet.
Tausende gedenken des Mädchens
Die rund 8.000 Teilnehmer des Zuges durch die Innenstadt versammelten sich zunächst vor dem Rathaus zu einer kleinen Kundgebung, bei der der Paderborner Bürgermeister sprach, anschließend beteten ein Imam und zwei christliche Geistliche. Danach zog der Trauermarsch angeführt von Honoratioren der Stadt etwa eine Stunde durch Paderborn und kehrte dann wieder zum Rathaus zurück. Vor dem Rathaus, wo ein Bild des Mädchens aufgestellt war, zündeten zahlreiche Trauernde Kerzen an. Außerdem trugen sich Bürger in ein Kondolenzbuch ein.
Kardelen hatte die elterliche Wohnung in Paderborn am Montagmittag verlassen, um mit einer Freundin zu spielen. Danach verlor sich ihre Spur. Am Donnerstagmittag war dann die mit Tannenreisig abgedeckte Leiche von Einsatzhundertschaften der Polizei in einem Waldgebiet am Möhnesee entdeckt worden.
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