"Kannibale"-Prozess: Täter gab mit seinen Plänen im Vorfeld an
zuletzt aktualisiert: 14.02.2006 - 17:04Frankfurt/Main (rpo). Am Dienstag wurde das Verfahren um den "Kannibalen von Rothenburg" vor dem Frankfurter Landgericht neu aufgerollt. Dabei hat der mutmaßliche Täter Armin Meweis bereits im Vorfeld seines schrecklichen Verbrechens mit der Tat geprahlt. Das erklärte ein Zeuge vor Gericht.
Demnach hatte sich der Zeuge im Januar 2002 mit Armin Meiwes in einem Hotel in Mannheim getroffen. Die Aussagen des Angeklagten, wonach er einen Menschen geschlachtet und teilweise verspeist habe, hatte die Internetbekanntschaft ihm aber nicht geglaubt.
Zwei weitere Zeugen hatten Meiwes nach der Bluttat vom März 2001 auf seinem Gutshof in Rotenburg-Wüstefeld besucht. Ein Frankfurter, dessen Aussage am Dienstag ebenfalls nur verlesen wurde, hatte bei einer polizeilichen Vernehmung von großen psychischen Problemen berichtet, die er seit der Entdeckung der Tat habe. Er habe sich dessen Schlachtraum zeigen lassen, an den vermeintlichen "Hampelmann-Spielen" des Angeklagten aber kein Interesse gehabt.
Ein Student aus Essen hatte im Oktober 2002 fast eine Woche lang in Rotenburg bei Meiwes gewohnt, nachdem er sich zuvor im Internet als potenzielles Schlachtopfer zur Verfügung gestellt hatte. Es habe dann aber keinerlei sexuelle Annäherungsversuche von Meiwes gegeben, gab der Student zu Protokoll. Den 25-Jährigen beschlich aber in dem Gutshaus ein "beklemmendes Gefühl", so dass er schließlich erleichtert abgereist sei.
Am achten Prozesstag sagte auch eine frühere Nachbarin des Angeklagten aus Wüstefeld aus. Sie schilderte Meiwes als "einen der liebenswertesten Menschen, die ich je kennen gelernt habe". Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
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