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Kampf gegen den Terror
Einen Krieg "light" gibt es nicht

Tatort Paris – die blutige Spur des Terrors
Tatort Paris – die blutige Spur des Terrors FOTO: afp, le
Meinung | Düsseldorf. Wir sollen nach den Anschlägen von Paris weiter Konzerte und Fußballspiele besuchen, im Café sitzen oder uns zu Schweigeminuten versammeln. Aber so zu tun, als ob nichts geschehen wäre, geht auch nicht. Wir werden Grenzen zeitweise schließen müssen und uns an die Dauerpräsenz von Sicherheitskräften gewöhnen müssen.  Von Martin Kessler

Unsere Politiker sind fest entschlossen. Das Länderspiel gegen die Niederlande findet statt – mit dem gesamten Bundeskabinett auf der Tribüne. Frankreich will wie gehabt die Europameisterschaft austragen. Auch der Spielbetrieb in Theater, Musik und Unterhaltung geht weiter, als hätte es den furchtbaren Anschlag von Paris vom Freitag nicht gegeben. Das ist alles richtig, wir lassen uns vom Terrorismus nicht unseren Lebensstil verbieten.

Aber es wird trotzdem Einschränkungen geben. Nämlich die, die nötig sind, um uns vor Terror zu schützen und die Attentäter dingfest zu machen. Da es sich um militärisch geplante Anschläge einer hochgerüsteten Zentrale mit viel Geld handelt, ist der Sicherheitsapparat als Ganzes gefragt. Und da kann es sinnvoll sein, an bestimmten neuralgischen Punkten deutlich aufzurüsten.

Eine Maßnahme wird sicher darin liegen, die Grenzkontrollen für einige Zeit wiedereinzuführen. Wir haben uns daran gewöhnt, ohne Schlagbäume durch Europa zu fahren. Von Tallinn in Estland bis nach Lissabon in Portugal hält keine Grenze den Reisenden auf. Das ist ein erlebbares Stück Europa. Zugleich verschaffen Grenzkontrollen der Polizei die Möglichkeit, flüchtige Täter schneller zu fassen und den Freiraum von Attentätern generell einzuschränken. Das werden unsere Sicherheitskräfte nutzen.

Es schränkt zugleich unsere Freizügigkeit etwas ein. Denn mit den Kontrollen dürfte es auch zu längeren Wartezeit an den Grenzstationen kommen. Das grenzenlose Europa schrumpft dann doch wieder auf die Größe von Nationalstaaten. Das ist aber trotzdem ein harmloser Preis, den wir für mehr Sicherheit zahlen müssen.

Die nächste Stufe werden Polizeikontrollen innerhalb des Landes sein. Wie zu Zeiten des RAF-Terrors in den 70er Jahren werden uns Spezialbeamte öfter anhalten, bisweilen den Kofferraum und das Fahrzeuginnere inspizieren. Bei Großveranstaltungen werden die Sicherheitsbestimmungen deutlich angehoben werden, ebenso in Flughäfen, Bahnhöfen oder Seehäfen. Polizei in Zügen wird bald zum Alltag gehören. Vielleicht wird auch die eine oder andere Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden können.

Das ist alles akzeptabel, selbst wenn es unsere Freizügigkeit und unser Wohlbefinden einschränkt. Denn wer will schon überall schwerbewaffnete Polizei sehen oder längere Wartezeiten wegen Kontrollen in Kauf nehmen? Deshalb muss die Politik die Bürger darauf vorbereiten. So zu tun, als wäre nichts geschehen und es könnte alles so weitergehen wie bisher, wird nicht möglich sein. Der Kampf gegen den Terror wird länger andauern. Die Zeiten werden unangenehmer. Da sollte es die Ehrlichkeit gebieten, dass wir nicht unbedingt in Allem unseren bisherigen Lebensstil aufrechterhalten können.

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