kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Bibelwissenschaftler: Theologe Erich Zenger gestorben

VON BURKHARD JÜRGENS (KNA) - zuletzt aktualisiert: 05.04.2010 - 14:29

Münster (RPO). Der Münsteraner Theologe Erich Zenger ist tot. Er starb am Osterwochenende im Alter von 70 Jahren, wie eine Sprecherin der Universität Münster am Montag mitteilte.

Wenn Erich Zenger gefragt wurde, wie Christen das Alte Testament lesen sollen, antwortete er: "Als Erstes." Für ihn war das eine Frage der Reihenfolge und der Wertigkeit. Darüber konnte er dozieren, predigen, streiten, mit einer ständig angerauten Stimme, stakkatohaften Sätzen, mit unerschöpflichem Esprit und lebhaften Gesten. Das Volk Israel, so betonte der katholische Priester und Bibelwissenschaftler unermüdlich, war und bleibt das Volk, mit dem Gott seinen Bund geschlossen hat, unverbrüchlich trotz aller Wirrungen. Der Rest, das zweite, Neue Testament, ist deutende Erzählung - "Midrasch", wie die Juden sagen.

Eine Würdigung seines Engagements erhielt der temperamentvolle Oberbayer im vergangenen Jahr mit der Buber-Rosenzweig-Medaille, der renommiertesten Auszeichnung für christlich-jüdische Verständigung in Deutschland. Der verleihende Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ehrte ihn als "beharrlich wirkenden Förderer" des Dialogs. Zenger stehe überkonfessionell für den "Weg der Erneuerung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden".

Dieses Verhältnis begleitete Zenger über seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn, die ihn zu einem der profiliertesten und maßgeblichen Alttestamentler werden ließ. Am 5. Juli 1939 in Dollnstein am Altmühltal geboren, studierte er Theologie und Altorientalistik in Rom, Jerusalem, Heidelberg, Münster und Würzburg. Seine Priesterweihe empfing er 1964 in Rom - ein Jahr bevor das dort tagende Zweite Vatikanische Konzil mit der Erklärung "Nostra aetate" das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum grundsätzlich neu ausrichtete.

Seine erste Professur übernahm Zenger 1971 im bayerischen Eichstätt. Seitdem setzte er sich in der Exegese und darüber hinaus für die christliche Anerkennung einer eigenen Dignität des Judentums und seiner heiligen Schrift ein. Das "Alte Testament", so Zenger, sei keinesfalls mit "veraltet" oder "überholt" gleichzusetzen. Dass das "Alte Testament" als "Erstes Testament" zu gelten habe, vermittelte er während seines über 30-jährigen Wirkens ab 1973 an der Universität Münster in Westfalen, aber auch an Generationen von Studierenden im ökumenischen Studienprogramm der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Dort, im Heiligen Land, hatte er selbst als junger Theologe sein Damaskuserlebnis gefunden, eine tiefe Sensibilität für interreligiöse Beziehungen wie für die politische Dimension der Theologie.

Neben seiner dichten Lehr- und Forschungstätigkeit mit einem Schwerpunkt auf den Psalmen und den fünf Büchern Mose engagierte sich Zenger seit 1976 im Gesprächskreis "Christen und Juden" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Seit 1994 gehörte er zudem der Arbeitsgruppe zu "Fragen des Judentums" der Deutschen Bischofskonferenz an. Gedankenlosigkeiten gegenüber den Juden, unter denen er viele Freunde hatte, konnten ihn aufregen. Die traditionalistischen Piusbrüder nannte er "dümmlich", die Neufassung der Karfreitagsfürbitte im tridentinischen Ritus, in der für eine Christuserkenntnis der Juden gebetet wird, bezeichnete er als "ärgerlichen Rückschritt".

"Die Dynamik der Aufbrüche ist vielleicht zu behindern, aber nicht aufzuhalten - so denn in der Kirche der Geist Gottes am Wirken ist", sagte Zenger nach den Wirren um die Traditionalisten. Was die Hoffnung auf eine fortschreitende Aussöhnung mit den älteren Brüdern, den Juden, anging, war er ein Stehaufmännchen. Das gleiche galt für seine Gesundheit, die er mit seinem stets vollen Terminkalender auch nach seiner Emeritierung 2004 oft über die Maßen strapazierte. Im Jahr 2008 erlitt er einen gesundheitlichen Zusammenbruch, doch lange ließ sich sein Engagement nicht bremsen. Am Ostersonntag, nachdem die katholische Liturgie der Osternacht in den großen alttestamentlichen Lesungen das Heilshandeln Gottes im Ersten Bund besungen hatte, ist Erich Zenger im Alter von 70 Jahren in Münster gestorben.

Quelle: KNA

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ... mehr 

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Knapp drei Wochen nach lebensgefährlichen Schüssen auf eine 24-Jährige im niedersächsischen ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Jugendliche verprügeln Frauen in Mönchengladbach

Polizei hofft auf Videomaterial aus Aachen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Mehr Panorama Deutschland

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) freigelassen. Die Haftbefehle gegen Carsten S. und Matthias D. seien aufgehoben worden. mehr

 

Drei Wochen nach Schüssen auf Ex-Freundin

26-jähriger Mann in Dorsten festgenommen

 

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

 

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

 

"Auszehrung und Flüssigkeitsmangel"

Kleinkind stirbt an Verwahrlosung

 

Gewaltverbrechen in Bottrop

Bandidos-Rocker in Waldstück erschossen

Top-Services
 
Mehr Panorama
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind .. mehr 
 
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Wieder erschüttert ein schweres Erdbeben Italien
Bei einem heftigen Erdbeben in Norditalien sind ..
mehr 
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Süßes Elefantenmädchen spielt Fußball wie ein Profi
Wer braucht schon Robben, Beckham, Ballack und ..
mehr 
Bilder des Tages
Bilder des Tages
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier ..
mehr 
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Groß-Razzia gegen Hells Angels in Norddeutschland
Mit einem Großaufgebot sind Staatsanwaltschaft ..
mehr 
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Gasexplosion zerstört Haus in Bremerhaven
Bei einer Gasexplosion in Bremerhaven ist ein ..
mehr 
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Red Bull Flugtag: Tollkühne Piloten in fliegenden Kisten
Hobby-Piloten werfen sich am Pfingstmontag mit ..
mehr 
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
Deutsches Mädchen in Bosnien als Sklavin gehalten
In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre ..
mehr 
Die schönsten Balkone unserer Leser
Die schönsten Balkone unserer Leser
Wir hatten unsere Leser gebeten, uns Bilder ..
mehr