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Recklinghausen
Todesursache: Kohlenmonoxid

Recklinghausen: Todesursache: Kohlenmonoxid
Ein 63 Jahre alter Mann und eine 64 Jahre alte Reinigungsfrau wurden in der vergangenen Woche tot in diesem Recklinghausener Wohnhaus gefunden. Todesursache: wahrscheinlich eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. FOTO: dpa, Jörg Gutzeit
Recklinghausen. Defekte Heizungsanlagen waren in den vergangenen Wochen immer wieder die Ursache für tragische Unfälle. Experten fordern eine regelmäßige Wartungspflicht der Anlagen. Die rot-grüne NRW-Landesregierung hält die bisherigen Regelungen für ausreichend. Von Christian Schwerdtfeger und Gerhard Voogt

Der Notruf geht um 17.39 Uhr bei der Polizei ein. Eine Frau liegt reglos in einer Villa in Recklinghausen. Wenig später stehen Feuerwehr und Polizei vor dem Haus. Sie drücken mehrfach die Klingel. Obwohl Licht brennt, öffnet niemand. Schließlich brechen die Einsatzkräfte die Tür auf. In der Küche im Erdgeschoss finden sie die Leichen einer 63-jährigen Frau und eines 64-jährigen Mannes.

Es sind der Eigentümer und dessen Putzfrau, die tot auf dem Fußboden liegen. Todesursache: Kohlenmonoxidvergiftung – vermutlich ausgelöst durch eine defekte Gasheizung im Keller. Der Hausbesitzer selbst soll noch den Hilferuf bei der Polizei abgegeben haben.

Geruchsloses Gift

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruchs- und geschmackloses Atemgift. Es kann in geschlossenen Räumen innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen. "Man kann das Gas wirklich nicht wahrnehmen, das macht es so gefährlich", erklärt ein Feuerwehrsprecher. Warnsignale des Körpers sind Symptome wie Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Kribbeln in den Füßen.

Die Unglücksfälle mit Verletzten und Toten durch Kohlenmonoxidvergiftungen haben in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Wegen der massiven Kälte liefen die Heizungen auf Hochtouren, nicht immer hielten die Anlagen der Dauerbelastung stand. Die Folgen sind oft fatal.

Viele Unglücke wären vermeidbar

Mitte Februar wurden bei einer Familienfeier in Dortmund elf Menschen durch eine kaputte Gastherme vergiftet – sie konnten in einer Spezialklinik gerettet werden. Zuvor starben im westfälischen Hamm zwei Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung, mehr als 20 wurden verletzt, darunter auch Polizisten und Feuerwehrleute. Im Emsland wurde das Gas einem älteren Geschwisterpaar zum Verhängnis – auch sie konnten nur noch tot in ihrer Wohnung geborgen werden.

Experten sind der Meinung, dass viele Unfälle mit tragischem Ausgang vermieden werden könnten. Auch das Unglück in Recklinghausen vorgestern wäre vermutlich mit einem modernen Heizungssystem nicht passiert, ist sich Frank Ebisch vom Bundesverband der Innung für Sanitär und Heizung sicher. "In der kalten Jahreszeit wird insgesamt zu wenig gelüftet", erklärt der Fachmann. "Dadurch bekommen auch die Brenner im Keller nicht genügend Sauerstoff, wodurch Kohlenmonoxid entsteht."

Bisher keine Wartungspflicht

Neue Modelle verfügten über Sicherungsvorkehrungen, um das zu vermeiden. "Sie schalten sich bei Defekten automatisch ab", sagt Ebisch. 77 Prozent aller Heizungen in deutschen Haushalten sind nach Angaben der Heizungs-Innung veraltet – die meisten sind älter als 20 Jahre. Nur drei Prozent der betagten Anlagen werden jährlich gegen neue ausgetauscht. Für Heizungen gibt es in Deutschland keine gesetzlich vorgeschriebene Wartungspflicht. Ebisch fordert kürzere und verpflichtende Prüfintervalle der Heizkörper. Die Feuerwehr rät zudem allen Haus- und Wohnungsbesitzern dringend, CO-Warnmelder an Decken anzubringen.

Das NRW-Bauministerium von Harry K. Voigtsberger (SPD) erklärte auf Anfrage, eine Pflicht zum Einbau von Kohlenmonoxidmeldern in Wohnungen sei derzeit nicht geplant. Die Überprüfung der Heizungsanlagen durch die Feuerwehr sei der "beste Schutz". Holzkohlegrills oder Propangasheizstrahler seien nicht für den Betrieb in einer Wohnung bestimmt. Bei starkem Frost greifen trotz aller Warnungen immer wieder Bürger auf hochriskante Wärmespender zurück. Von einer allgemeinen Wartungspflicht für Heizungen will man im NRW-Bauministerium nichts wissen. Schließlich schreibe bereits die Landesbauordnung vor, dass Heizungen so zu betreiben seien, dass von ihnen keine Gefahr ausgehe.

Das NRW-Umweltministerium setzt auf den Austausch alter Anlagen. Ein Sprecher verwies auf ein Pilotprojekt in Aachen. Dort erhalten Ofenbesitzer bis zu 500 Euro, wenn sie ihre Anlagen modernisieren. Sollte die Prämie Wirkung zeigen, werde über die Einführung eines landesweiten Förderprogramms nachgedacht, hieß es.

(RP/pst)
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