Unwetter über Deutschland
Tornado zerstört Bäume und Autos in Hamburg

Ein Tornado wirbelt in Hamburg
Ein Tornado wirbelt in Hamburg FOTO: dpa, bra htf
Düsseldorf. Ein Tornado ist am Dienstagabend über Hamburg hinweggefegt und hat große Schäden hinterlassen. Die Feuerwehr löste Großalarm aus.

Mehr als tausend Kräfte rückten in Hamburg aus, es gab 254 Einsätze. Massive Regenstürme gab es auch in Nordrhein-Westfalen und im Südwesten. Auch hier war die Feuerwehr hundertfach im Einsatz, um vollgelaufene Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume von Straßen zu ziehen.

Die Windhose hatte sich nach Feuerwehrangaben am Dienstagabend über dem Nordosten Hamburgs gebildet, sie hinterließ örtlich begrenzt eine Schneise der Zerstörung. Es seien "unzählige Dächer abgedeckt" worden, darunter auch Hochhausdächer, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Windhose entwurzelte Bäume, allein "50 bis 60 massive Alleenbäume" seien umgestürzt und zum Teil auf die Straße gekippt. Von Hochhausdächern seien Funkantennen abgerissen und auf die Straße geweht worden, Kleingärten seien zerstört, zahlreiche Keller seien vollgelaufen.

In Hamburg wurden Häuser abgedeckt und Bäume umgestürzt FOTO: dpa, dan htf

Menschen wurden nicht verletzt

Menschen kamen nach Informationen der Hamburger Feuerwehr nicht zu Schaden. "Unglaublicherweise ist niemand verletzt worden", sagte der Feuerwehrsprecher. "Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet." Die Einsätze sollten noch die ganze Nacht weitergehen. Das Schlimmste sei aber vorbei: "Wir haben das Gros abgearbeitet", sagte der Sprecher. Der verhängte Ausnahmezustand ist mittlerweile wieder aufgehoben worden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Unwetterwarnungen für Deutschland in der Nacht wieder auf.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) machte sich bei dem Einsatz vor Ort ein Bild von der Lage. Er dankte den Kräften für einen "großartigen und beeindruckenden Einsatz", berichtete die Feuerwehr über den Kurznachrichtendienst Twitter. Kurz vor 18.30 Uhr hatten Bürger aus den Stadtteilen Wandsbek und Steilshoop die Feuerwehr über eine Windhose informiert. Die Feuerwehr löste daraufhin Großalarm aus. Sie rief Mitarbeiter aus dem Feierabend zurück und verdoppelte die Zahl der Führungskräfte.

Mithilfe eines Helikopters der Bundespolizei versuchte die Feuerwehr am Abend sich ein Bild von der Lage zu machen. "Es gibt zahlreiche Blitzeinschläge", sagte der Sprecher. Viele umgestürzte Bäume blockierten Straßen.

Ob es sich bei der über den Stadtteilen Bramfeld und Wandsbek gesichteten Trichterwolke um einen Tornado handelte, war zunächst unklar. "Von der Wetterlage her ist es aber möglich", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Von einem Tornado könne nur gesprochen werden, wenn die Trichterwolke auch den Boden erreiche. Auf Bildern von der Wolke, die in den sozialen Netzwerken geteilt wurden, war dies zunächst nicht erkennbar.

Menschen in Autos eingeschlossen

So wie hier im Saarland gab es an mehreren Stellen erneut Unwetter FOTO: dpa, bub htf

Das schwere Unwetter hat in der niedersächsischen Kleinstadt Damme bei Vechta starke Überschwemmungen verursacht. Drei Viertel des Stadtgebietes standen am Abend unter Wasser, sagte der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Sven Schröder. Das Unwetter habe gegen 17.15 Uhr begonnen. Innerhalb von 20 Minuten seien 70 Liter pro Quadratmeter gefallen. Ein Polizeisprecher in Damme sagte am Abend, der Regen habe inzwischen aufgehört. "Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht."

In einem Ortsteil des saarländischen Eppelborn mussten mehrere Menschen aus Fahrzeugen gerettet worden. Sie seien vom Wasser eingeschlossen worden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. Verletzt worden sei niemand. Schäden habe das Unwetter aber in mehreren Städten des Bundeslandes angerichtet. Mehrere Straßen seien von Wasser und Geröll überspült worden. In einigen Gemeinden sei zwischenzeitlich der Strom ausgefallen.

Heftige Unwetter mit starkem Regen haben auch Teile Baden-Württembergs getroffen. Örtlich fielen innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes sagte. Besonders betroffen war demnach die Region um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw. Auch im Rest des Landes drohten der Prognose zufolge bis in die Nacht immer wieder Gewitter. "Es ist einfach sehr viel Wasser, was da runterkommt", sagte der Experte. 

Mann ertrinkt in seinem Auto 

Doch nicht nur Deutschland kämpft mit Unwettern. In Nordfrankreich ist ein Autofahrer von steigendem Wasser überrascht worden und in seinem Fahrzeug ertrunken. Der Mann sei am Dienstag zwischen Arras und Amiens auf einer überschwemmten Landstraße gefahren, berichtete der Sender France 3 unter Berufung auf die Präfektur des Départements Pas-de-Calais. Dort habe ihn der Anstieg des Wassers überrascht, das Auto sei mitgerissen worden.

Der französische Wetterdienst hatte zuvor für 16 Départements in Nordostfrankreich eine Gewitterwarnung herausgegeben. Frankreich war in der vergangenen Woche bereits von schweren Überschwemmungen heimgesucht worden, vor allem in der Region um die Hauptstadt Paris mussten Tausende Menschen zeitweise ihre Häuser verlassen.

(jeku/dpa)
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