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Baustellenunfall in Grevenbroich: Toter in 70 Metern Höhe nach Stunden geborgen

zuletzt aktualisiert: 28.10.2007 - 09:32

Grevenbroich (RPO). Rettungskräfte haben an der Kraftwerksbaustelle in Grevenbroich am Samstagabend auch die dritte Leiche geborgen. Die Bergungsaktion gestaltete sich extrem schwierig und dauerte Stunden. Lange war offen geblieben, ob der nach dem schweren Gerüstunfall in 70 Metern Höhe festgeklemmte Monteur überhaupt noch vor Einbruch der Dunkelheit geborgen werden konnte.

Am Abend gab der Energiekonzern RWE bekannt, dass auch der dritte Tote endlich geborgen werden konnte. Auch die Suche nach Vermissten werde fortgesetzt, erklärte die Polizei. Hinweise auf weitere Opfer gebe es derzeit aber nicht. Ob in dem Fall ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird, ist weiter unklar. Zunächst müsse die Baustelle von Gutachtern untersucht werden, erklärte ein Sprecher der Polizeileitstelle Neuss. Neue Erkenntnisse zur Unfallursache gebe es bislang aber nicht.

Auf der Baustelle von RWE in Nordrhein-Westfalen waren am Donnerstag Teile eines mehr als 450 Tonnen schweren Baugerüsts herabgestürzt und hatten drei Arbeiter in den Tod gerissen. Der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers mahnte angesichts des Vorfalls, die Sicherheitsauflagen beim Bau müssten vollständig eingehalten werden. Er sei jedoch überzeugt, dass alle Beteiligten höchste Sorgfalt walten ließen, damit sich ein derartiges Unglück nicht wiederhole, sagte der CDU-Politiker unserer Redaktion. Das Ausmaß der Tragödie habe ihn sehr betroffen gemacht.

Zugleich verteidigte der Ministerpräsident die Verstromung der Braunkohle. "Bei aller Tragik des Unglücks bleiben die neuen Kraftwerke für eine sichere, preiswerte und umweltfreundliche Energieversorgung notwendig", sagte unserer Redaktion. 

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" wird sich indes der Bau des Braunkohlekraftwerks um mindestens drei bis fünf Monate verzögern. Wegen des Unfalls müssten neue Gutachten über die Statik der gesamten Konstruktion eingeholt werden, berichtete das Magazin unter Berufung auf den Konzern. Eine RWE-Sprecherin wollte die Aussage auf AP-Nachfrage nicht bestätigen. Es sei schwer abzuschätzen, wie lange sich das Projekt verzögere, erklärte sie. Zu der Angabe des "Spiegel", dass RWE wegen des Zeitverlusts mit einem Schaden in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe rechne, sagte die Sprecherin lediglich, es gebe einen "gravierenden finanziellen Schaden".

Zunächst waren am Samstag aus Sicherheitsgründen noch weitere Aufräumarbeiten erfolgt. Unter Aufsicht von Staatsanwaltschaft und Sachverständigen wurden von einem speziellen Kran mechanische Trägerteile und Gerüstelemente herabgelassen und gesichert. Wie es zum Einsturz des Hilfsgerüsts zur Errichtung eines Großkessels kommen konnte, ist weiter unklar.

Laut RWE hatte sich am Donnerstag gegen 16.50 Uhr eine sogenannte Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großkessels des Kraftwerks, gelöst und war zu Boden gestürzt. Die herabstürzenden Gerüstteile zum Bau des Kraftwerkskessels verschütteten mehrere Arbeiter.

Bei den Toten handelt es sich um zwei Montagearbeiter aus der Slowakei im Alter von 32 und 35 Jahren sowie einen 25-Jährigen aus der Tschechischen Republik. Für die Angehörigen der Opfer sei eine Telefon-Hotline eingerichtet worden, sagte ein Polizeisprecher. Für die Toten soll es zu einem späteren Zeitpunkt eine zentrale Trauerfeier geben.

Quelle: afp

 
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