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Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft
De Maizière fordert Aufklärung: "Eine abscheuliche Tat"

Brand in zukünftigem Flüchtlingsheim in Tröglitz
Brand in zukünftigem Flüchtlingsheim in Tröglitz FOTO: dpa, hsc cul
Tröglitz. In einem zukünftigen Flüchtlingsheim im 2700-Einwohner-Ort Tröglitz hat es gebrannt. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe - seit Wochen protestieren Rechtsextreme in dem Ort gegen die Unterkunft.  Deutschlands politische Elite verurteilt den Vorfall.

In Tröglitz ist nach wochenlangen Protesten Rechtsextremer gegen die Aufnahme von Asylbewerbern in dem geplanten Flüchtlingsheim ein Feuer ausgebrochen. Das Feuer sei gegen zwei Uhr morgens ausgebrochen, so die Polizei. Vor allem das zum Wohnbereich ausgebaute Dachgeschoss sei ausgebrannt.

Die Staatsanwaltschaft stuft das Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz als "definitiv besonders schwere Brandstiftung" ein. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden, sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann am Samstagmittag in Halle. Es handle sich um eine gemeingefährliche Straftat schlimmster Art. Nach den bisherigen Erkenntnissen seien in der Nacht zu Samstag einer oder mehrere Täter in das Mehrfamilienhaus eingebrochen, das im Mai die ersten von 40 Asylbewerbern beziehen sollten. Dort legten sie laut Wilkmann das Feuer, wahrscheinlich mit Brandbeschleuniger.

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Der kleine Ort im Süden Sachsen-Anhalts ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth Anfang März wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärte. Er hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als eine asylfeindliche Demonstration direkt vor seinem Haus genehmigt wurde. Der Protest gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen wird von der rechtsextremen Partei NPD angeführt.

Nierth zeigte sich am Samstagmorgen entsetzt über das Feuer. "Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen", sagte er dem "Tagesspiegel". "Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten."

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Private Unterkünfte für Flüchtlinge

Nierth will nach dem Feuer in dem geplanten Asylbewerberheim private Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. "Ich habe noch zwei Wohnungen, die ich bereits als Unterkünfte angeboten habe", sagte Nierth am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Er wünsche sich, dass auch andere Tröglitzer privat Unterkünfte zur Verfügung stellten. "Die Braunen dürfen über unseren Ort nicht siegen", sagte der 46-Jährige.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich bestürzt über die Brandstiftung geäußert. "In bin tief betroffen und wütend, dass dieses Verbrechen stattgefunden hat", sagte er am Samstag in Halle. Haseloff würdigte das Engagement der Bürger, die sich gegen die Rechtsextremen stark gemacht hatten. "Jetzt wollen wir zeigen, dass das bürgerschaftliche Engagement steht und dass wir alles dafür tun werden, dass wir die Flüchtlinge wie geplant unterbringen können."

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"Wer Unterkünfte von Flüchtlingen anzündet, handelt feige und abscheulich", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas der "Welt am Sonntag". Er rief alle Bürger auf, gegen Rechtsextremismus Position zu beziehen. SPD-Chef Sigmar Gabriel führte die Tat auf "die monatelange Stimmungsmache gegen Flüchtlinge" zurück, "die den Hass säte, der in Tröglitz nun in Flammen gemündet ist".

Göring-Eckardt ist "schockiert"

Wenn sich der Verdacht der Brandstiftung bestätige, "ist das eine abscheuliche Tat, die unverzüglich aufgeklärt werden muss", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). "Menschen, die Schutz in Deutschland suchen, müssen hier friedlich und sicher leben können." Von einem "gemeinen Verbrechen" sprach Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

"Bei so viel Unmenschlichkeit helfen nur noch ein Aufstand der Anständigen vor Ort und mehr Weitsicht der Zuständigen im Land", erklärte die Linken-Politikerin Petra Pau in Berlin. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt äußerte sich in Berlin "schockiert", fragte aber auch, warum das Heim nicht besser geschützt worden sei.

In dem Haus, in das die Flüchtlinge einziehen sollten, hätten zuletzt zwei Menschen gelebt, hieß es bei der Polizei. Wer sie sind, war zunächst unklar. Eine Nachbarin habe beide rechtzeitig gewarnt, sie konnten sich unverletzt ins Freie retten.

Landrat hält an Plänen fest

"Wir prüfen zur Zeit, inwieweit das Dachgeschoss, das am meisten vom Brand betroffen ist, begehbar ist", sagte ein Polizeisprecher. Man erhoffe sich neue Erkenntnisse, wenn Ermittler und Kriminaltechniker dort arbeiten könnten. Derzeit überwache die Feuerwehr noch den Brandort, Anwohner kämen vorbei und schauten - es sei aber ruhig, hieß es.

Erst am Dienstagabend hatte Landrat Götz Ulrich (CDU) auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz über die Pläne zur Asylbewerberunterkunft informiert. Gut 500 Menschen hatten sich im örtlichen Kulturzentrum eingefunden, unter ihnen auch Nierth. Ulrich musste Dutzende Fragen beantworten - und räumte auch Fehler ein. "Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben", sagte der CDU-Politiker. Er habe aus dem Fall Tröglitz gelernt.

Ändern soll sich durch den Anschlag aber nichts: "Es bleibt dabei, Tröglitz bekommt 40 Asylbewerber", sagte der Landrat dem Nachrichtenportal "Spiegel Online" am Samstag . "Wir dürfen jetzt nicht einknicken und zurückziehen." Für ihn sei klar, dass der Brand kein Anlass sein dürfe, von der dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge abzuweichen.

Spontane Demonstration

Am Samstagabend haben sich rund 300 Menschen an einer spontanen Demonstration in dem Ort beteiligt. Zu der Aktion hatte Nierth aufgerufen. Redner aus Politik, von Vereinen und Kirchen warben für ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung. Die geplante Unterkunft für Flüchtlinge war in der Nacht vorsätzlich angezündet worden, sie ist nun unbewohnbar. Im Mai sollten 40 Menschen einziehen.

Haseloff sagte bei der Kundgebung auf dem Friedensplatz, man werde alles tun, um die Verbrecher hinter Gitter zu bringen. Die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Orts seinen noch einmal erhöht worden.

Fremdenfeindlicher Angriff in Wismar

In Wismar in Mecklenburg-Vorpommern sind am Freitagabend zwei Asylbewerber aus offenbar ausländerfeindlichen Motiven attackiert worden. Wie das Polizeipräsidium in Rostock mitteilte, handelte es sich bei den Angegriffenen um zwei Ägypter im Alter von 21 und 34 Jahren. Sie hätten unverletzt in ihre Asylbewerberunterkunft flüchten können.

Bei den Angreifern handelte es sich demnach um acht bislang unbekannte Männer. Sie hätten ausländerfeindliche Parolen gerufen, während sie die Asylbewerber bedrängten.

(dpa, AFP)
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