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Nach Großbrand: Trotz riesigen Schadens keine Kündigungen bei Thyssen in Krefeld

VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 23.06.2006 - 12:03

Krefeld (RP). Ein Großbrand hat am Donnerstag bei ThyssenKrupp Nirosta (TKN) in Krefeld eine der modernsten Kaltwalzanlagen der Welt stark beschädigt. Kenner vermuten, dass der Schaden bei rund 100 Millionen Euro liegen könnte. Dennoch soll keinem der Mitarbeiter gekündigt werden.

Dunkle Rauchschwaden, die von vielen Stadtteilen aus zu sehen waren, standen gestern vormittag über dem TKN-Werk. Kurz nach fünf Uhr morgens war der Brand in einem Turm der modernen Kaltbandlinie ausgebrochen. Das Feuer durchschlug das Dach, das teilweise einstürzte, wie Horst Prass, Pressesprecher der Feuerwehr, erklärte.

Fünf Mitarbeiter des Werks wurden wegen leichter Atembeschwerden behandelt. Später meldeten sich noch zwei weitere Mitarbeiter. Sie waren noch einmal in das Verwaltungsgebäude gegangen, obwohl der Brand bereits bekannt war. Einer von ihnen wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Mitarbeiter des Staatlichen Umweltamtes (StUA) untersuchten Luftbelastungen vor Ort. Helga Stulgies, Leiterin des StUA, erklärte, dass die Luft auf Kohlenmonoxid, Stickstoffoxicd und Flusssäure untersucht, aber keine Belastung festgestellt wurden. Lediglich Schwefeldioxid konnte rund eine halbe Stunde lang nachgewiesen werden.

Säure im Löschwasser

Zusätzlich überprüften die Mitarbeiter des StUA, ob Säure als Niederschlag auf Autos oder in Gärten zu finden war. Auch hier wurde nichts festgestellt. Dennoch bereitete die Flusssäure Sorgen. Wie Prass erklärte, wies die Werksfeuerwehr von TKN darauf hin, dass in dem Brandbereich auch mit Säure gearbeitet wurde. Darauf zog die Feuerwehr ihre Mitarbeiter zurück und ließ sie Schutzkleidung anlegen.

Die Sorgen waren berechtigt: Im Löschwasser wurde laut Stulgies Säure nachgewiesen. Daher wurde das Löschwasser komplett zurückgehalten, wie Umweltamtsleiter Helmut Döpcke erklärte. Offen war zunächst, ob das Löschwasser in Spezialwagen abtransportiert werden musste, wie Stulgies befürchtete. Das Wasser wurde zum Neutralisieren sofort mit Kalkmilch vermischt und dann in der Kläranlage von TKN gereinigt. Nach Döpckes Kenntnissen am Nachmittag war das Wasser dadurch so rein, dass es in das städtische Kanalnetz eingeleitet werden konnte.

Aus Vorsorge war die Bevölkerung aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen. Auch die Schulen ließen die Kinder in den Räumen, wie Presseamtsleiter Joachim Mathias mitteilte. Um die Löscharbeiten nicht zu beeinträchtigen, war die Oberschlesienstraße bis gegen Mittag gesperrt. Darunter litt auch der Bus- und Bahnverkehr. Zwei Buslinien mussten umgeleitet werden, die Straßenbahnlinie zum TKN-Werk fuhr gar nicht. Auf den Straßen rund um das Werk kam es zu Verkehrsbehinderungen.


"Keinem wird deswegen gekündigt"

Für TKN ist der Brand ein großer Einbruch. Rund 70 Mitarbeiter arbeiten in der Kaltbandlinie. Viele von ihnen machten sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Die Produktion im Kaltbandwerk wird ausfallen, erklärte Pressesprecher Erik Walner. „Für die Beschäftigten ist das ein schwerer Schlag, weil in einer Hochphase der Konjunktur eine wichtige Produktion stillgelegt ist“, sagte Betriebsratsvorsitzender Bernd Kalwa. So schnell wie möglich müsse die Anlage wieder hergestellt werden. Das aber dürfte dauern: Acht Monate hatte die Errichtung der 56 Millionen Euro teueren Produktionstätte gekostet, die vor fast genau drei Jahren, am 27. Juni 2003, eingeweiht worden war.

Donnerstagnachmittag beriet die Unternehmensführung, ob zumindest ein Teil der Produktion von den beiden anderen TKN-Standorten in Dillenburg und in Italien übernommen werden könnte, erklärte Walner. Um ihre Arbeitsplätze müssten sich die Mitarbeiter keine Sorgen machen, betonte er. „Keinem wird deswegen gekündigt. Wir brauchen die Leute.“ Kalwa verwies allerdings darauf, dass sie flexibel sein müssten. Auch ein Einsatz an anderen Produktionsstätten könnte möglich sein. „Wir sind alle sehr erschrocken. Aber wir haben auch in der Vergangenheit schwere Situation gemeistert. Das schaffen wir jetzt auch“, machte Kalwa Mut.

Erst Ende Dezember vorigen Jahres hatte es bei TKN im Schneidwerk einen Großbrand gegeben. Derzeit wird überlegt, hier ein neues Schneidwerk zu bauen, erklärte Kalwa.

Quelle: alfa

 
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