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Jagd auf Gülen-Anhänger
Türkische Zeitung schaltet Hetz-Hotline

Jagd auf Gülen-Anhänger: Türkische Zeitung schaltet Hetz-Hotline
"Glaubt nicht, dass wir euch vergessen hätten": Jagd auf Gülen-Anhänger in der Zeitung "Avrupa Sabah". FOTO: Aktürk
Düsseldorf. Es ist nicht das erste Mal, dass die türkische Tageszeitung "Avrupa Sabah" eine Telefonnummer veröffentlicht, unter der vermeintliche Gülen-Anhänger denunziert werden sollen. Die Nummer hat eine Frankfurter Vorwahl.  Von Franzska Hein und Fatih Aktürk

Eine "Fetö-Melde-Hotline" veröffentlichte die türkische Tageszeitung Sabah auf der Titelseite. Zu sehen ist eine Telefonnummer mit Frankfurter Vorwahl, eine türkische Mobilnummer für WhatsApp-Kontakte und eine E-Mail-Adresse. Damit verbunden ist der Aufruf "Fetö-Anhänger" anzuzeigen. Auf Deutsch übersetzt steht dort "Glaubt nicht, dass wir euch vergessen hätten. An unsere in Europa lebenden Landsleute: Meldet die Verräter, die euch belästigt haben." Am 20. Juni war dieser Aufruf in der europäischen Ausgabe der Zeitung zu lesen. Sie erscheint auch in Deutschland. Die Hotline ist immer noch geschaltet.

Mit "Fetö" sind die Anhänger des in den USA lebenden Fethullah Gülen gemeint. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Gülen und seine Anhänger als Drahtzieher des Militärputsches angegeben. "Fetö" ist die Abkürzung für "Fethullahistische Terrororganisation". Als Terrororganisation stuft die türkische Regierung die Gülen-Bewegung seit dem Putsch im Juli vergangenen Jahres ein und verfolgt deren Anhänger. 

Unterlassungsklage hatte Erfolg

Es ist nicht das erste Mal, dass die regierungsnahe türkische Tageszeitung eine Meldehotline schaltet. Schon im vergangenen Jahr war die Hotline aufgetaucht. Das gemeinnützige Recherche-Netzwerk "Correctiv.org" und der WDR hatten darüber berichtet. Damals hatte die Zeitung Namen gesammelt und anschließend auch vereinzelt über Personen berichtet. Vor dem Wuppertaler Landgericht hatten drei Männer mit einer Unterlassungsklage Erfolg. Die Zeitung darf sie nicht weiter mit der Fetö-Organisation in Verbindung bringen oder sie als gewalttätig bezeichnen. 

Zwei stichprobenartige Anrufe bei der Nummer in Frankfurt zeigen, dass die Nummer immer noch aktiv ist. Beim ersten Mal wurde der Anrufer um konkrete Namen gebeten, ihm wurde eine E-Mail-Adresse genannt, an die er die Namen schicken soll. Beim zweiten Mal passierte nichts dergleichen.

Unter der Rufnummer meldete sich ein Mann, der für die deutschen Abonnenten der Zeitung zuständig ist. Er habe nichts mit der redaktionellen Arbeit der Zentralredaktion in der Türkei zu tun und wisse auch nicht, warum man diese Rufnummer in Verbindung mit diesem Aufruf veröffentlicht habe. Er wolle die Anfrage der Redaktion weiterleiten. Ein Rückruf blieb bislang aus. 

 
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