Flucht nach Umsturz: Tunesien-Urlauber zurück in Deutschland
zuletzt aktualisiert: 15.01.2011 - 21:53Berlin/Tunis (RPO). Die deutschen Tunesien-Urlauber sind größtenteils zurück in der Heimat: Alle großen Reiseveranstalter haben die Touristen aus dem krisengeschüttelten Land ausgeflogen. Unterdessen haben in Tunesien die Verhandlungen zur Bildung einer Einheitsregierung begonnen. Doch die chaotischen Zustände halten an.
Tui und Thomas Cook brachten am Samstag mit zahlreichen Sondermaschinen Reisende in ihre Heimat zurück. Alle Gäste der Thomas Cook-Veranstalter, die Tunesien verlassen wollten, waren am späten Abend auf dem Heimweg oder bereits wieder zuhause eingetroffen. Die letzten 120 der ursprünglich 2.000 Gäste der Veranstalter Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Air Marin befanden sich noch auf dem Rückflug nach Deutschland und werden am späten Abend in Frankfurt am Main erwartet.
Thomas Cook hat heute insgesamt neun Sonderflüge organisiert, die seit dem frühen Nachmittag von den Flughäfen Djerba, Monastir und Enfidha gestartet sind. Die ersten Urlauber von Thomas Cook waren bereits am späten Freitagabend wohlbehalten in Düsseldorf und Berlin gelandet.
Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui hatte rund 1.000 Urlauber in Tunesien, die noch in der Nacht zum Sonntag alle zurückkehren sollten. Erste Flugzeuge von TUIfly und der tunesischen Gesellschaft Nouvelair landeten am Nachmittag aus Djerba kommend in Hannover und Frankfurt am Main.
Bis Mitternacht sollten alle der sieben Sondermaschinen in Tunesien gestartet sein, sagte ein Unternehmenssprecher. 30 Touristen könnten allerdings erst am Montag ausgeflogen werden, da sie am Abend nicht mehr rechtzeitig vor der Verhängung der Ausgangssperre den Flughafen auf tunesischem Gebiet erreichen konnten.
Tui sagte alle geplanten Flüge bis einschließlich 24. Januar nach Tunesien ab. Es sei derzeit nicht zu verantworten, weitere Urlauber in das Land zu schicken. Thomas Cook hat bis einschließlich 21. Januar alle Reisen von Deutschland nach Tunesien abgesagt. Die Veranstalter der Thomas Cook AG bieten ihren Gästen mit Abflug bis einschließlich 31. Januar die kostenlose Umbuchung ihrer Tunesien-Reise an.
Regierung der nationalen Einheit angekündigt
Unterdessen haben inmitten von Chaos und Gewalt Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung und vorgezogene Wahlen begonnen. Eine Koalition unter Beteiligung der Opposition soll das Land befrieden und das Machtvakuum füllen, das nach der 23-jährigen Regentschaft des außer Landes geflohenen Staatschefs Zine al-Abidine Ben Ali entstanden ist.
Übergangspräsident Mebazaa beauftragte Ghannouchi mit der Bildung einer Koalitionsregierung. Der Ministerpräsident hatte zuvor mit Vertretern der Opposition gesprochen. Dabei habe Ghannouchi den Vorschlag einer Koalitionsregierung akzeptiert, sagte der Vorsitzende der Union für Freiheit und Arbeit, Mustafa Ben Jafaar. Am Sonntag sollten nach einem weiteren Treffen die Verhandlungsergebnisse verkündet werden.
In der Hauptstadt Tunis feuerten bewaffnete Angreifer am Samstag aus fahrenden Autos wahllos auf Passanten. Ein Einkaufszentrum stand in Flammen. In der Innenstadt gingen Soldaten mit Panzern in Stellung, um nach den nächtlichen Plünderungen die Ordnung wiederherzustellen. Bei Massenausbrüchen aus den Gefängnissen im Urlaubsort Monastir und in Mahdia kamen offenbar Dutzende Menschen ums Leben. Nach der Flucht Ben Alis ernannte der Verfassungsrat unterdessen Parlamentspräsident Fouad Mebazaa für eine Übergangszeit zu dessen Nachfolger. Mebazaa kündigte eine Regierung der nationalen Einheit an, binnen 60 Tagen sollen Präsidentenwahlen stattfinden.
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