Millionenschwere Betrügereien: TV-Moderator Speck wandert in den Knast
zuletzt aktualisiert: 05.11.2004 - 15:40Dortmund (rpo). Der Schauspieler und TV-Moderator Karsten Speck wandert für zwei Jahren und zehn Monate in den Knast. Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn am Freitag wegen millionenschwerer Betrügereien mit Immobilien und Grundstücken.
Verurteilt wurde der TV-Star wegen schweren Betrugs in zwei Fällen: So hatte Speck 1996 gemeinsam mit seiner Ehefrau Cora und bereits verurteilten Komplizen ein ostdeutsches Ehepaar in den Ruin getrieben. Damit ging am Freitag ein langwieriges und kompliziertes Verfahren zu Ende, das sich seit Januar 2003 über insgesamt 129 Verhandlungstage geschleppt hatte. Speck, seine Ehefrau Cora und vier weitere Angeklagte hatten sich Mitte der 1990er Jahre bei Immobiliengeschäften hoch verschuldet. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, durch falsche Angaben über ihre Vermögensverhältnisse und gefälschte Unterschriften Banken, Leasing-Gesellschaften und Privatanleger in einem so genannten "Schneeball-System" um rund 20 Millionen Euro geprellt zu haben.
Speck hatte in der vergangenen Woche gestanden, von den Vorgängen gewusst und einen "Fehler" gemacht zu haben. Das Gericht wertete dies als strafmildernd und setzte die vor drei Wochen gegen den 44-Jährigen verhängte Untersuchungshaft außer Kraft. Nach Ansicht des Vorsitzenden Richters Thomas Beumer war der TV-Star 1996 in akute Geldprobleme geraten. Über einen Kontakt zu dem Drahtzieher der Betrügereien - einem ehemaligen Krankenpfleger aus Hamm, der sich als Makler betätigte - waren Speck und seine Ehefrau Teil eines umfassendes und vielschichtigen Betrugsgeflechts geworden.
Habe Speck die Mauscheleien anfangs auch nicht durchschaut, so sei ihm zumindest im weiteren Verlauf klar geworden, dass es bei den Grundstücksgeschäften mit dem aus Ostberlin stammenden Ehepaar nicht mit redlichen Dingen zuging, erklärte Richter Beumer. Speck habe sich "willentlich" für die Machenschaften einspannen lassen und seine Popularität sowie seine Vertrauensposition zu dem Paar ausgenutzt. Zudem habe er sich - gemeinsam mit seinen Komplizen - an Betrügereien um faule Bankkredite in drei Fällen beteiligt. Diese Delikte wurden jedoch nicht zur Anklage gebracht.
Speck will Schaden wieder ausbügeln
Speck, der sich am Freitag sehr einsilbig gab und den Kontakt mit den zahlreichen Kameras mied, erklärte dem Gericht in seinem Schlusswort, dass ihm sein Verhalten Leid tue und er "alles tun" wolle, um den Schaden wieder zu gut zu machen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Rechtsanwalt von Speck erklärte jedoch, er wolle seinem Mandanten die Annahme des Urteils empfehlen.
Sollte das Urteil akzeptiert werden, dürfte Speck vermutlich in den offenen Vollzug kommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dortmund wird der in Berlin lebende 44-Jährige vermutlich in ein Gefängnis seiner Heimatstadt oder in Brandenburg kommen. Bei guter Führung könnte er bereits nach der Hälfte der Haftzeit wieder entlassen werden.
Der Prozess gegen Cora Speck war aus gesundheitlichen Gründen bereits abgetrennt und unterbrochen worden. Nach Ansicht des Gerichts hatte sie - anders als ihr Ehemann - mehr Einsicht in die Betrügereien. Die 43-Jährige kam Mitte Oktober nach einem Nervenzusammenbruch in eine psychiatrische Klinik. Der Hauptangeklagte aus Hamm wurde im September zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt. Gegen zwei weitere Personen wurden Strafen von bis zu drei Jahren und drei Monaten verhängt.
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