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Ehrliche Traueranzeige überrascht
"Ihr seid alle ausgeladen!"

Überraschende Traueranzeige in Trier: "Ihr seid alle ausgeladen!"
Diese Traueranzeige in Rheinland-Pfalz liest sich anders als gewöhnliche Todesmeldungen. FOTO: Screenshot / Trierischer Volksfreund
Trier. "Offen, ehrlich und nachtragend" – mit diesen Worten ist eine Traueranzeige überschrieben, die ein Verstorbener aus Trier offenbar vor seinem Tod selbst geschrieben hat. Ehrlich trifft es: An harten Worten spart er nicht.

Der Text der Anzeige, die im "Trierischen Volksfreund" aus Rheinland-Pfalz erschienen ist, beginnt zunächst recht normal. "Ich habe eine wunderbare Frau kennen und lieben gelernt", heißt es darin. Laut Anzeige ist Hubert M. am 24. Juni 2016 im Alter von 64 Jahren in Trier verstorben. Dann nimmt der Text aber Fahrt auf.

"Bedanken möchte ich mich bei den wenigen Freunden", schreibt er. Auch bei jenen, "die jetzt hier nicht namentlich erwähnt werden, aber wissen, dass sie gemeint sind. Viele sind das ja nicht". Offen und ehrlich scheint er dabei Zeit seines Lebens gewesen zu sein. "Manchem habe ich damit weh getan – und das war gut so."

Für seine Trauerfeier, die an diesem Samstag stattfinden soll, hatte M. schon vor seinem Tod klare Vorstellungen. "Ich war überzeugter Atheist, ich bin es geblieben!" Den Trauergästen verbietet er deshalb jegliche Trauerkleidung, Kreuze "oder sonstige offene oder versteckte religiöse Symbole". Und auch nicht jeder darf kommen: "Den anderen 5 Kindern meiner Eltern und deren Partnern und Nachkommen verbiete ich die Teilnahme an dieser Feier. Ihr seid alle ausgeladen!"

Es ist jedoch nicht nur ehrliche Bitterkeit, die aus der selbstgeschriebenen Traueranzeige von Hubert M. spricht. Seine Frau scheint er wirklich geliebt zu haben. "Hallo Katze", spricht er sie offenbar ganz direkt zum Schluss des Textes an. "Wenn es ein Leben nach dem Leben gäbe, dann würde ich Dich dort wieder um Deine Hand und Deine Liebe bitten. Ich würde auch warten. Dein Kater."

Dass Menschen sich in ihren eigenen Traueranzeigen selbst an Hinterbliebene wenden, ist eher selten. "Wir hatten das in 16 Jahren vielleicht zwei Mal", sagt Martina Schmidt vom Trierer Bestattungshaus Martin Loch. Die Texte seien nicht so umfassend gewesen: "Sie haben sich zum Beispiel bei Krankheit für den Beistand bedankt." Die Anzeige Martinis finde sie persönlich "nicht in Ordnung": "Er wollte eine Abrechnung. Und die Angehörigen müssen jetzt damit leben."

In einer Sammlung der Autoren Matthias Nöllke und Christian Sprang ("Ich mach mich vom Acker") finden sich vor allem weniger kontroverse Texte. "Ich bin tot" oder "Ich bin umgezogen" oder "Hiermit verabschiede ich mich..." wird da formuliert. Oder etwas poetischer ein Schwimmmeister mit seinem täglichen Satz "Liebe Leute, Schluss für heute".

(hebu)
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