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Schweinegrippe Reagenzglas Panorama, ddp 2009-0501
  Foto: ddp, ddp
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Schweinegrippe: Umfrage: Die meisten sagen Ja zum Impfen

zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 19:32

Düsseldorf (RP). Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen eine Impfung gegen die Schweinegrippe ab. Der Grund ist die Diskussion um verschiedene Impfstoffe sowie der bisher milde Verlauf. In unserer Umfrage unter Politikern und Gesundheitsexperten sagen die meisten aber "Ja" zum Impfschutz.

Das Virus H1N1, der Erreger der Schweinegrippe, erscheint vielen Deutschen mittlerweile harmlos. In den meisten Fällen war der Verlauf der Krankheit bisher mild. Und die Diskussion über mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes Pandemrix hat längst die Sorge verdrängt, an der "Neuen Grippe" zu erkranken. Doch diese Verharmlosung kann ein Trugschluss sein. Noch immer handelt es sich um einen neuen Krankheitserreger, der es in kurzer Zeit geschafft hat, fast um die ganze Welt zu gehen. Dazu kommt, dass er relativ leicht Menschen infizieren kann. Und was passiert, wenn das Virus immer wieder auf den Erreger der saisonalen Grippe trifft, kann niemand sagen. Zu schnell können die Viren Genmaterial austauschen, sich verändern und so zu einer ernsten Krankheit mutieren.

Info

Die Massenimpfaktion gegen die Schweinegrippe beginnt nicht in allen Bundesländern bereits am kommenden Montag. In Niedersachsen werde die Aktion erst Mitte bis Ende kommender Woche anfangen, teilte das Landesgesundheitsministerium am Mittwoch in Hannover mit. Trotzdem liege man voll im Plan. In Niedersachsen soll der Impfstoff Pandemrix Mitte der Woche in 400 ausgewählten Apotheken ankommen.

Zum Schutz davor soll ab dem 26. Oktober die Impfkampagne starten: In der ersten Woche können sich allerdings nur Angehörige des sogenannten "Schlüsselpersonals" impfen lassen. Dabei handelt es sich um Beschäftigte in Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege, bei Polizei und Feuerwehr. In der folgenden Woche, ab 2. November, sind so genannte medizinische Risikogruppen an der Reihe. Darunter versteht man beispielsweise Erkrankte mit schweren Atemwegsinfektionen oder Immunschwäche, die an der Schweinegrippe sterben könnten. Ab Mitte November kann sich dann jeder impfen lassen. Zu diesem Zeitpunkt wird auch entschieden sein, ob zwei Impfdosen im Abstand von mehreren Wochen nötig sind, oder für Erwachsene unter 60 auch eine Impfdosis ausreicht. Bisherige Untersuchungen sprechen dafür.

Auch die Industrie erklärt sich

Unklar ist auch noch, ob eine Infektion mit der Schweinegrippe gegen das Virus H1N1 immunisiert. Der Leiter des Remscheider Gesundheitsamtes, Frank Neveling, lässt sich darum auch noch nicht impfen. Denn "im Mai habe ich mich bereits infiziert", sagt er. Nun wartet Neveling ab, ob neue Untersuchungen eine Aussage darüber machen, ob dann noch eine Impfung erforderlich ist.

Mittlerweile spricht sich auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für die Massenimpfung aus: Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung können im Falle einer Pandemie erkranken. Das würde auch Unternehmen treffen. Der DIHK hat darum dazu aufgefordert, sich besser auf eine Massenausbreitung vorzubereiten – auch wenn Europa nicht so stark betroffen ist, wie anfangs befürchtet.

Mahnende Beispiele

Beispiele dafür, wie ernst eine neue Krankheit werden kann, gibt es zudem aus der jüngeren Geschichte. Zwischen September 1998 und April 1999 wurden in Malaysia 265 Fälle einer schwer verlaufenden, fiebrigen Krankheit gemeldet, die mit einer Infektion der Atemwege verbunden war. Die Symptome sprachen damals zunächst für eine Enzephalitis, eine Gehirnentzündung.

Als man erkannte, dass überwiegend Männer betroffen waren, die unter anderem in Schlachthäusern arbeiteten, kam man langsam auf die Spur eines neuen Erregers – der in rund der Hälfte der Fälle tödlich war. Als man dann gleichzeitig in Malaysia bei Schweinen ebenfalls fiebrige Atemwegsinfektion feststellte und der Erreger isoliert werden konnte, ergab sich ein Zusammenhang zwischen Tieren und Todesfällen. Sowohl bei Schweinen als auch bei Menschen wurde der gleiche Erreger identifiziert.

Gefährlich sind die neuen Typen

Um eine Epidemie zu verhindern, wurden 900.000 Schweine gekeult. Erst danach konnte die tatsächliche Ursache gefunden werden. Die Schweinezuchtbetriebe waren immer tiefer in den Regenwald gebaut worden – bis hin zu den Brutstätten von Flughunden. Ihre Ausscheidungen, die sich auch im Futter der Nutztiere finden ließen, infizierten zunächst die Schweine mit einem Virus, der den Flughunden keine Probleme bereitet – die Schweine aber mit einer neuen Krankheit ansteckte. Von ihnen sprang sie auf den Menschen über. Der Erreger heißt seitdem Nipah-Virus – nach dem Dorf, in dem es entdeckt wurde.

Bisher kann die Schweinegrippe bei weitem keine solche tragische Geschichte vorweisen, auch wenn es durchaus schon zu Todesfällen gekommen ist. Aber die bisherige Entwicklung der Erkrankungswelle hat zumindest Ähnlichkeiten und erklärt, warum Experten zur Impfung aufrufen – nachdem es im April dieses Jahres zu einer Häufung von Lungenentzündungen in Mexiko-City gekommen war und man auf die Spur des neuen Erregers kam: In Schweinen hatten sich Grippevarianten gekreuzt und so das neue Virus H1N1 geschaffen.

Quelle: RP

 
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