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Castor-Behälter auf Neckar
Fragen und Antworten zum Atommülltransport per Schiff

Umstrittener Atommülltransport per Schiff auf dem Neckar diese Woche
Ein Schiff mit leeren Castor-Behältern fährt am 28.02.2017 bei einer Testfahrt auf dem Neckar bei Neckarwestheim (Baden-Württemberg). (Archiv) FOTO: dpa, bwe kno bwe
Mannheim. Der Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG will Mitte dieser Woche hoch radioaktive Abfälle von einem Kraftwerk zum anderen bringen – erstmals in Deutschland auf einem Fluss. Umweltschützer kündigen Proteste gegen die Castor-Transporte an. Bleibt es friedlich?

Die in dieser Woche erwartete Beförderung von zunächst drei Castor-Behältern per Schiff auf dem unteren Neckar ist heftig umstritten. Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den kontroversen Transport.

Ist mit Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegnern zu rechnen?

Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Polizei werde mit hunderten Beamten im Einsatz sein. Der Transport werde von Booten der Wasserschutzpolizei begleitet, Polizeifahrzeuge seien an der Strecke postiert. Ein Hubschrauber beobachte aus der Luft. Als mögliche kritische Punkte werden sechs Schleusen auf dem etwa 50 Kilometer langen Weg gesehen. Gegner haben Proteste angekündigt. "Konflikte entstehen nur dann, wenn das Versammlungs- und Demonstrationsrecht an den Transporttagen eingeschränkt werden soll. Und wenn die Polizei mit unverhältnismäßigen Mitteln gegen Protestierende vorgeht", sagt Herberth Würth vom Aktionsbündnis "Neckar castorfrei".

Wann könnten die Transporte losgehen?

Die erste Beförderung der drei Castor-Behälter erfolgt nach dpa-Informationen noch in dieser Woche - konkret am Mittwoch. Das dazu nötige Transportschiff sollte nach aktuellen Plänen am Montag am stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim eintreffen - nach der Abfahrt in Neckarwestheim, wie aus Sicherheitskreisen verlautet. Am Dienstag soll demnach in Obrigheim die Verladung der drei Castor-Behälter auf das Schiff erfolgen. Insgesamt plant der Energieversorger EnbW fünf Transporte mit je drei Castoren.

Warum soll Atommüll aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim nach Neckarwestheim gebracht werden?

Eigentlich wäre für die Lagerung der 342 ausgedienten Brennelemente ein eigenes Zwischenlager in Obrigheim nötig. Allerdings ist in Neckarwestheim noch Platz: Von den dortigen 151 Lagerstellen sollen nur 125 für Castor-Behälter verplant sein, der Rest wäre demnach frei - etwa für die 15 Behälter mit Brennelementen aus Obrigheim. Die Genehmigung für eine Aufbewahrung der Brennelemente im Zwischenlager am Kernkraftwerk Neckarwestheim war der EnBW bereits 2016 erteilt worden. Atomkraftgegner kritisieren die Entscheidung.

Ein vorhandenes Zwischenlager nutzen statt ein neues zu bauen - was ist daran so umstritten?

Experten wie der Physiker Wolfgang Neumann kritisieren, dass wohl nicht geprüft wurde, ob in Obrigheim ein Zwischenlager möglich wäre, das in puncto Sicherheit besser wäre als andere Zwischenlager im Südwesten - einschließlich Neckarwestheim. "Ist das nicht so, muss eine Sicherheitsabwägung gemacht werden zwischen der Lagerung in Obrigheim und einem Transport nach Neckarwestheim", sagt der Strahlenexperte aus Hannover. "Leider hat Entsprechendes auch unter einem Grünen-Umweltminister nicht stattgefunden", sagt Neumann.

Warum soll der Atommüll auf dem Neckar transportiert worden?

EnBW und Polizei argumentieren, dass eine Beförderung auf der Schiene oder auf der Straße aufwendiger sei. Die Sicherheit sieht das Unternehmen nicht gefährdet. Der Chef der Kernkraft GmbH von EnBW, Jörg Michels, nennt das Transportschiff sogar "praktisch unsinkbar".

Hingegen bezeichnet die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Brigitte Dahlbender, den Transport auf dem Neckar als "riskanteste Variante". Es wäre der EnBW zufolge die erste Verfrachtung von Atommüll auf einem Fluss in Deutschland. In der Vergangenheit waren verbrauchte Brennelemente aber auf dem Wasser etwa nach Großbritannien gebracht worden.

(sbl/dpa)
 
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