Vorstand tritt am Mittwoch zusammen: Unicef hofft auf Neubeginn nach der Krise
zuletzt aktualisiert: 10.02.2008 - 14:33Frankfurt/Main (RPO). Am Freitag hat Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs seinen Rücktritt bekannt gegeben - jetzt hofft das Kinderhilfswerk auf einen echten Neuanfang, einen Weg aus der Krise. Am Mittwoch tritt der Vorstand zu Beratungen zusammen, um einen neuen Geschäftsführer und einen neuen Vorsitzenden zu suchen.
Das teilte der Interims-Vorsitzende Richard Schlagintweit mit. Die Sprecherin der Ehrenamtlichen im Vorstand, Carmen Creutz, sagte, viele Mitarbeiter seien betroffen und hofften auf einen Neubeginn.
Garlichs war am Freitag nach wochenlangen Querelen und öffentlichem Druck zurückgetreten. Wenige Tage zuvor hatte die Vorsitzende Heide Simonis aus Protest gegen Garlichs und den Vorstand ihr Amt niedergelegt.
Es waren Vorwürfe laut geworden, dass bei der deutschen Sektion des UN-Kinderhilfswerks Aufträge freihändig vergeben und üppige Vergütungen teils ohne Gegenleistung gezahlt würden.
"Der Rücktritt von Garlichs hat geholfen, obwohl die Vorwürfe gegen ihn weit übertrieben waren", sagte Schlagintweit, der Simonis' Vorgänger war und nach deren Rücktritt übergangsweise einsprang. Garlichs habe sich selbst als Opfer gebracht.
Nun müsse man gründlich arbeiten, um eine neue Führung zu finden. Das Vorstandstreffen am Mittwoch sei aber ohnehin geplant gewesen, betonte Schlagintweit. Er zeigte sich überzeugt, dass Unicef bald wieder aus den Negativschlagzeilen herauskommen werde.
Creutz sagte, die Organisation sei momentan kopflos und ihr Ruf ramponiert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien sehr betroffen. "Garlichs hat ja gute Arbeit geleistet", erklärte sie. Es herrsche aber auch große Erleichterung, weil es einfach nicht mehr gegangen sei. Nun hoffe man auf einen Neubeginn: "Wir blicken alle wieder nach vorne und wollen themenbezogen arbeiten."
Die Sporthilfe-Präsidentin Ann Kathrin Linsenhoff regte weitere personelle Konsequenzen an. Auch der verbleibende Vorstand müsse hinterfragen, "ob personelle Neuerungen nicht auch hier sinnvoll wären", erklärte das Mitglied im Deutschen Komitee für Unicef. Immerhin sei seit dem vergangenen Frühjahr "eine interne Politik der Verdrängung und Abwiegelung betrieben" worden.
Mehr Transparenz gefordert
Im Rahmen der Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft gegen Garlichs wegen des Verdachts der Untreue händigte Unicef unterdessen neue Unterlagen aus. Oberstaatsanwalt Günther Feld bestätigte einen "Focus"-Bericht, wonach darunter auch Papiere über eine Lebensversicherung zu Gunsten Garlichs seien.
Zu Berichten, die Lebensversicherung sei von Unicef finanziert worden, sagte der Ermittler, er wisse nichts über die Finanzierung. Momentan würden die Unterlagen geprüft. Feld bestätigte zudem, dass am Donnerstag Wirtschaftsprüfer von KPMG zu Einzelheiten ihres Sondergutachtens zu den Untreuevorwürfen angehört wurden.
Der Chef des Deutschen Fundraising Verbandes, Rüdiger Sornek, forderte die Branche auf, sich "intensiv mit den Themen Transparenz und Ethik im Spendenwesen auseinanderzusetzen, um das Vertrauen der Spender wiederzugewinnen".
Sornek sagte der "Frankfurter Rundschau": "Wir müssen die Finanzen der Spendenorganisationen transparenter und die Mittelverwendung nachvollziehbarer machen. In diesen Bereichen gibt es Nachholbedarf."
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn forderte Unicef in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" dazu auf, regelmäßig die Gehälter von Geschäftsführung und Vorstand zu veröffentlichen.
Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Wend forderte mehr Transparenz. Der Zeitung zufolge teilte das Kinderhilfswerk auf Anfrage mit: "Unicef veröffentlicht die Gehälter der Mitarbeiter nicht, da diese der Privatsphäre zugehören."
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