Spendensiegel weg: Unicef-Vorstand reagiert mit Entsetzen
zuletzt aktualisiert: 20.02.2008 - 16:12Berlin (RPO). Die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks Unicef verliert das Spendensiegel. Der Vorstand reagiert auf die Entscheidung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) entsetzt. Damit habe man nicht gerechnet. Jetzt wollen sie das Spendensiegel so schnell wie möglich zurück.
Der Interimsvorsitzende von Unicef Deutschland, Reinhard Schlagintweit, zeigt sich betroffen. "Dieses Urteil trifft uns hart. Damit hatten wir nicht gerechnet", erklärte Schlagintweit in Köln. "Umso mehr soll uns die Entscheidung Anlass sein, mit allen Kräften an die Reform unserer Arbeit und unserer Strukturen zu gehen."
Zugleich räumte Schlagintweit "schwere Fehler" ein. Die vom DZI kritisierten Punkte sei jedoch "Ausnahmefälle", die bereits im Blickpunkt der Öffentlichkeit stünden. Das Siegel müsse schnell zurück gewonnen werden, fügte seine Sprecherin hinzu.
"Das ist die drastischste Maßnahme, die wir haben", erläuterte zuvor der Geschäftsführer Burkhard Wilke die Entscheidung des zuständigen Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Er begründete den Schritt unter anderem damit, dass UNICEF die Zahlung von Provisionen an Spendenwerber seit 2005 trotz entsprechender Fragen im jährlichen Prüfungsverfahren verschwiegen habe. Die FDP und die Linksfraktion im Bundestag forderten weitere personelle Konsequenzen an der Spitze der Organisation.
"Die Management- und Aufsichtsstruktur von UNICEF Deutschland muss durchgreifend verbessert werden, damit sich derartige Fehler nicht wiederholen", sagte Wilke. UNICEF habe gegen die Informationspflicht verstoßen und später auch noch schlechtes Krisenmanagement an den Tag gelegt. Außerdem habe die Organisation zumindest mit einer Provisionszahlung in Höhe von 30.000 Euro an einen Spendenwerber den Grundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verletzt. Ein Zusammenhang zwischen dieser Summe und einer Spende von 500.000 Euro einer Discount-Kette sei nicht zu erkennen, fügte Wilke hinzu.
Das Siegel hat keine rechtliche Bedeutung, ist aber ein angesehenes Vertrauenszertifikat. Das DZI hat es an 230 Organisationen vergeben. Knapp jeder dritte Antrag wird abgelehnt. UNICEF Deutschland kann das Siegel turnusgemäß erst wieder für 2010 beantragen, wie Wilke erklärte. "Ich bin aber sicher, dass UNICEF die Zeichen der Zeit erkannt hat und entsprechend handeln wird", sagte Wilke. Anfang Februar war bereits der UNICEF-Geschäftsführer Dietrich Garlichs zurückgetreten.
Die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP, Miriam Gruss, forderte den Vorstand des Kinderhilfswerks zum Rücktritt auf. Die Fraktionsvize der Partei Die Linke, Monika Knoche, verlangte zudem die Einsetzung einer neuen Geschäftsführung, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Die CDU/CSU-Fraktion mahnte UNICEF zudem, die Führungskrise schnell zu beenden und transparente Strukturen zu schaffen. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Kerstin Müller, plädierte für ein umfassendes UNICEF-Deutschland-Leitbild, um den Konflikt zwischen professioneller Spendenwerbung und Gemeinnützigkeit zu beheben.
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