Salmonellen-Epidemie in Fulda: Ursache ermittelt: Lebensmittel Ansteckungsquelle
zuletzt aktualisiert: 21.05.2007 - 17:24Fulda (RPO). Drei Wochen, nachdem die Salmonellen-Epidemie am Klinikum in Fulda ausgebrochen ist, wurde nun die Ansteckungsquelle gefunden: Es gebe klare Hinweise auf ein Lebensmittel, sagte der Leiter des Kreisgesundheitsamts, Stefan Kortüm, am Montag auf einer Pressekonferenz.
Die Art des Lebensmittels nannte er nicht. Die Zahl der Erkrankten stieg derweil um 5 auf 261, davon sind 238 im Klinikum betroffen. Im angegliederten Seniorenzentrum stagniert die Zahl seit 9. Mai bei 23.
An der Aufklärung der Ansteckungswege arbeitet ein 40-köpfiges Expertenteam aus Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes Fulda, der hessischen Landesprüf- und Untersuchungsanstalt im Gesundheitswesen aus Dillenburg, Experten des Robert-Koch Instituts und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin sowie des Bundesamts für Risikobewertung. In den kommenden Tagen sei mit präziseren Ergebnissen zu rechnen, kündigte das Klinikum an.
Bei vier Patienten, davon drei Kindern, und bei neun Mitarbeitern traten den Angaben zufolge neue Durchfallerkrankungen auf, die möglicherweise mit Salmonellen nicht im Zusammenhang stehen.
Alle 2.600 Beschäftigten des Klinikums und des Seniorenzentrums werden demnächst auf Salmonellen-Erreger untersucht. Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger hatte gemeinsam mit der Bundesbehörde Robert-Koch-Institut die Massenuntersuchung empfohlen. Eine Sprecherin des Klinikums sagte, alle Mitarbeiter in sensiblen Bereichen wie Großküche, Isolierstationen und Labor seien bereits untersucht worden.
Grüne nehmen Ministerin ins Visier
Lautenschläger erklärte: "Als Landesministerium haben wir sofort gehandelt. Unbürokratisch und unmittelbar." Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) hatte der Landesregierung Versäumnisse vorgeworfen. Vizepräsident Martin Exner sagte im Hessischen Rundfunk, als eines von wenigen Bundesländern habe Hessen die vom Robert-Koch-Institut aufgestellten Leitlinien zur Krankenhaushygiene nicht ausreichend umgesetzt. "Die nationalen Leitlinien sehen vor, dass Fachärzte die Krankenhäuser bei der Umsetzung der Hygienevorschriften beraten", erklärte Exner. Wenn diese Beratung jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben sei, würden die Kliniken die Hygiene-Vorschriften unter dem heutigen Kostendruck nicht erfüllen.
Die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, Susanne Glasmacher, widersprach der Darstellung der DGKH. "Es gibt keine Empfehlung, die die Länder umsetzen müssten", sagte sie der AP. Gemeint sei möglicherweise eine ältere Empfehlung des RKI zur Zahl der Hygienefachkräfte.
Die Grünen-Fraktion im hessischen Landtag bemängelte, dass es im Gegensatz zu anderen Bundesländern in Hessen keine Krankenhaushygiene-Verordnung gebe, obwohl dies seit 1997 vom RKI empfohlen werde. Ministerin Lautenschläger soll auf Wunsch der Grünen und der SPD am Donnerstag im Sozialausschuss des hessischen Landtags Auskunft geben. Die Grünen-Fraktion meinte, es stelle sich immer drängender die Frage nach der Verantwortung. "Es kann nicht sein, dass die Fuldaer Salmonellen-Epidemie inzwischen bundesweit Schlagzeilen macht und von der zuständigen Ministerin erst heute zum ersten Mal zu hören ist", kritisierte die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche.
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