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Obszöne Bundeswehr-Aufnahmerituale
Urteil im "Dörrobst"-Prozess

Obszöne Bundeswehr-Aufnahmerituale: Urteil im "Dörrobst"-Prozess
Das Bundeskabinett hat das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr an der Operation Enduring Freedom (OEF) verlängert. FOTO: AP, AP
Zweibrücken (RPO). Einem Unteroffizier soll im Jahr 2005 mit einem Paddel auf das blanke Gesäß geschlagen worden sein. Zuvor hatte man ihm eine Dattel hineingesteckt. Nun wurde im Prozess um obszöne Aufnahmerituale bei der Bundeswehr der damalige Kompaniechef zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt.

Das Amtsgericht Zweibrücken sah es trotz zum Teil widersprüchlicher Zeugenaussagen als erwiesen an, dass der 35-jährige Hauptmann die Vorgänge beim Fallschirmjägerbataillon 263 in der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken mitbekommen haben musste. Damit habe sich der Angeklagte als Vorgesetzter der Duldung einer entwürdigenden Behandlung eines Untergebenen schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch in seiner Urteilsbegründung.

Mit dem Urteil von 40 Tagessätzen à 50 Euro folgte das Gericht zumindest teilweise dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 60 Tagessätze gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Aus ihrer Sicht konnte nicht bewiesen werden, dass der Angeklagte den Vorgang wirklich mitbekommen hatte.

Die "Dörrobst"-Affäre

Hintergrund des als "Dörrobst-Affäre" bekanntgewordenen Falles ist eine Feier von Unteroffizieren auf einem Dachboden der Niederauerbach-Kaserne im September 2005. Dabei wurde einem Unteroffizier mit einem Paddel auf das Gesäß geschlagen. Zuvor soll einer der Anwesenden dem Geschlagenen eine Dattel ins Gesäß gesteckt haben. Dem damaligen Kompaniechef wurde vorgeworfen, die Vorkommnisse nicht gemeldet und untersucht haben.

Wo genau sich der Kompaniechef während der Vorkommnisse befand, dazu gab es im Laufe des Prozesses unterschiedliche Aussagen. Mehrere Zeugen gaben zudem an, sich daran nicht erinnern zu können. Der Kompaniefeldwebel, gegen den ein Verfahren wegen entwürdigender Behandlung von Untergebenen gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden war, stritt ab, selbst mit dem Paddel geschlagen zu haben. Er habe den Schlag lediglich angedeutet, sagte der 43-Jährige.

"Verfahren aufgebauscht" 

Der ehemalige Soldat, an dem das Ritual vollzogen wurde, kritisierte das Verfahren vor Gericht als "aufgebauscht". Er habe freiwillig mitgemacht und sehe sich nicht als Opfer, sagte der 32-Jährige. Die Aktion sei ein Spaß gewesen, dem er sich nüchtern und freiwillig unterzogen habe.

Es gebe bei den Fallschirmjägern verschiedene solcher Aufnahmerituale, fügte er hinzu. So müsse etwa, wer sein Sprungabzeichen erworben habe, den Kopf zwischen die Beine stecken, werde mit Wasser übergossen und dann von allen rund 60 Kameraden, die mit im Flugzeug waren, aufs Gesäß geschlagen. Das alles geschehe in Anwesenheit höchster Offiziere und gelte als Brauchtum, betonte der 32-Jährige.

Der Richter entgegnete in seiner Urteilsbegründung, auch das Einverständnis des Opfers ändere nichts am Tatbestand der entwürdigenden Behandlung. Die Behauptung des Angeklagten, er habe an der Feier zwar teilgenommen, von der Aktion aber nichts mitbekommen, bezeichnete der Richter als "lebensfremd".

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Verteidigung Berufung einlegen wird, war nach Angaben des Anwalts noch offen.

(afp)
 
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